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Jagd

Die Bündner Stimmbevölkerung hat gesprochen

Die goldenen Fallschirme für die Regierung sind Geschichte. Offiziell ging es um Sparsamkeit, Privilegien und Gerechtigkeit gegenüber den Steuerzahlenden. Inoffiziell war diese Abstimmung aber auch ein Stimmungsbarometer. Und die Stimmung ist schlecht.

Redaktion Wild beim Wild — 3. Dezember 2025

Am 30. November 2025 hat das Bündner Stimmvolk die kantonale Volksinitiative «Schluss mit goldenem Fallschirm für Regierungsmitglieder – Nein zum lebenslangen Ruhegehalt» deutlich angenommen.

Rund 65,4 Prozent sagten Ja, 34,6 Prozent Nein. Der Gegenvorschlag des Grossen Rates wurde mit 52,8 Prozent Nein versenkt. Mit Ja-Mehrheiten in 98 von 100 Gemeinden wirkt dieses Resultat wie mehr als nur eine technische Korrektur in einem Entschädigungsgesetz. Es riecht nach grundsätzlichem Frust über politische Eliten.

Wer die letzten Jahre in der Bündner Politik verfolgt hat, erkennt ein Muster: Die Politik hört vor allem auf jene, die am lautesten auftreten, und schreckt nicht davor zurück, Unwahrheiten zu verbreiten. Beim Wolf, bei der Jagd, bei der Landwirtschaft. Wer am lautesten klagt, dramatisiert und droht, setzt sich durch. Wer für Tierschutz, Respekt vor Wildtieren und eine moderne Wildtierpolitik einsteht, verliert eine Volksabstimmung nach der anderen.

In dieses Klima fällt nun der Entscheid, den Regierungsmitgliedern das Ruhegehalt zu streichen. Es wäre naiv zu glauben, die Leute hätten ausschliesslich über eine technische Frage der Entschädigung befunden. Empirische Daten dazu gibt es nicht, aber vieles deutet darauf hin, dass viele Stimmberechtigte an der Urne etwas anderes im Kopf hatten: eine Regierung, die beim Wolf auf die lautesten Lobbyisten hört, wissenschaftliche Fakten ignoriert und Wildtiere zum Problem erklärt. Wieso sollen ausgerechnet diese Leute sich lebenslang eine Sonderrente sichern dürfen.

Die Botschaft aus den Gemeinden ist klar: Privilegien für «die da oben» sind nicht mehr vermittelbar. Schon gar nicht, wenn dieselbe politische Klasse gegenüber Wildtieren eine Politik betreibt, die rückständig, einseitig und faktenarm wirkt. Wer den Wolf politisch zum Sündenbock macht, darf sich nicht wundern, wenn die Bevölkerung irgendwann die Geduld verliert.

Für die Bündner Regierung ist dieser Entscheid mehr als ein finanzieller Schnitt. Er ist ein Misstrauensvotum. Nicht juristisch, aber politisch. Und dieses Misstrauen hat viel damit zu tun, wie in diesem Kanton mit Wildtieren umgegangen wird. Wer Anliegen von Tierschutz und moderner Wildtierökologie systematisch abtut, signalisiert den Menschen: Wir vertreten Interessen, nicht Prinzipien.

Es ist eine Ironie: Man opfert den Wolf, um Ruhe zu haben, und erhält Unruhe an anderer Stelle. Die Regierung hätte längst erkennen können, dass eine Politik, die das lauteste Gewehr höher gewichtet als den leiseren, aber breiten Wunsch nach Respekt gegenüber Wildtieren, Vertrauen kostet. Jetzt kommt die Rechnung. Zuerst beim Ruhegehalt. Morgen vielleicht bei anderen Vorlagen.

Offiziell hat diese Abstimmung nichts mit Wolfspolitik zu tun. Politisch ist sie jedoch ein Warnsignal. Wer beim eigenen Portemonnaie von der Stimmbevölkerung so klar zurückgepfiffen wird, sollte sich ehrlich fragen, wo sonst Vertrauen verspielt wurde. Eine ernsthafte Analyse der Bündner Wolfspolitik gehört zwingend dazu. Der Wolf gilt offiziell als Sorgenthema Nummer 1, gleichzeitig will eine grosse Mehrheit, dass er bleibt. Das eigentliche Problem ist eine Politik, die auf Schreihälse und Symbolhandlungen hört.

Wenn die Regierung diesen Denkzettel ernst nimmt, ergeben sich zwei Lehren:

  1. Privilegien abbauen reicht nicht. Es braucht mehr Demut und mehr Respekt vor einer Bevölkerung, die sensibler ist für Tierwohl und Natur, als es manche Lobbyisten wahrhaben wollen.
  2. Beim Wolf und bei der Hobby-Jagd darf nicht länger nur die lauteste Gruppe den Ton angeben. Es braucht eine Politik, die sich an Fakten, Ethik und langfristigem Schutz der Biodiversität orientiert, nicht an kurzfristigen Emotionen.

Die Bündner haben gezeigt, dass sie der Regierung finanzielle Privilegien streichen können. Vielleicht ist es Zeit, dass dieselbe Regierung endlich auch jene Privilegien hinterfragt, die seit Jahrzehnten rund um die Hobby-Jagd und den Umgang mit Wildtieren verteidigt werden. Wer den Wolf politisch wie ein Störtier behandelt, wird am Ende selbst zum Störfaktor für das Vertrauen in die Politik.

Diese Abstimmung war ein Ja zur Abschaffung des Ruhegehalts. Zwischen den Zeilen war sie auch ein Nein zu einer Politik, die den Schutz von Wildtieren immer wieder den lautesten Schreiern opfert. Wer beim eigenen Ruhegehalt so deutlich zurückgepfiffen wird, sollte bei Wolf und Hobby-Jagd aufmerksamer hinhören. Und zwar nicht nur bei denen, die am liebsten schiessen möchten.

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