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Kriminalität & Jagd

Wieder Femizid durch Hobby-Jäger: 90-Jähriger tötet Ehefrau

In Niedersachsen erschiesst ein 90-jähriger Hobby-Jäger seine 65-jährige Ehefrau mit einer grosskalibrigen Jagdwaffe und begeht danach Suizid.

Redaktion Wild beim Wild · 22. August 2026

Am Mittwochmittag, 19. August 2026, wird die Polizei gegen 12.20 Uhr wegen Schussgeräuschen zu einem Wohnhaus in Hepstedt gerufen, einer Gemeinde mit rund 1000 Einwohnerinnen und Einwohnern in der Samtgemeinde Tarmstedt im niedersächsischen Landkreis Rotenburg (Wümme). Die Einsatzkräfte finden im Haus zwei leblose Personen: einen 90-jährigen Mann und seine 65-jährige Ehefrau.

Nach bisherigem Ermittlungsstand geht die Polizei davon aus, dass der Mann zunächst seine Frau mit einer Schusswaffe tötete und die Waffe anschliessend gegen sich selbst richtete. Wie Polizeisprecher Marvin Teschke am Folgetag bestätigte, stammen die tödlichen Schüsse aus einer grosskalibrigen Jagdwaffe, einer Repetierbüchse. Bereits am Tag der Tat hiess es im Dorf, der mutmassliche Schütze sei Hobby-Jäger gewesen.

Hilferufe vor den Schüssen

Eine Anwohnerin berichtete, dass vor den Schüssen Hilferufe aus dem Haus zu hören gewesen sein sollen. Nachbarn alarmierten daraufhin die Polizei, die mit fünf Fahrzeugen sowie einem Rettungswagen samt Notarzt anrückte. Auch die Notfallseelsorge wurde hinzugezogen.

Hinweise auf eine Beteiligung weiterer Personen liegen den Ermittlungsbehörden zufolge nicht vor. Im Haus befanden sich zur Tatzeit keine weiteren Personen. Ein Abschiedsschreiben, das ein mögliches Motiv erklären könnte, wurde bislang nicht gefunden. Die Ermittlungen zu den Hintergründen der Tat und dem genauen Tathergang dauern an.

Die Bürgermeisterin der Samtgemeinde Tarmstedt, Heidi Stelljes, zeigte sich betroffen: «Das ganze Dorf steht still», sagte sie, man befinde sich «unter Schockstarre». Die Nachricht habe sich im 1000-Einwohner-Ort schnell herumgesprochen, die Menschen seien fassungslos und traurig.

Forderung: Verbot der Hobby-Jagd nach Genfer Vorbild

Der Fall Hepstedt zeigt einmal mehr: Die Gewalt, die im Rahmen der Hobby-Jagd trainiert und normalisiert wird, bleibt nicht im Wald. Wer den Umgang mit tödlichen Schusswaffen gegen nichtmenschliche Tiere routiniert einübt, hat diese Waffen und die Bereitschaft, sie einzusetzen, auch im häuslichen Umfeld griffbereit. Die IG Wild beim Wild fordert deshalb ein generelles Verbot der Hobby-Jagd.

Als Vorbild dient der Kanton Genf, der die Hobby-Jagd bereits 1974 abgeschafft hat und das Wildtiermanagement seither staatlichen Wildhütern überträgt. Das Genfer Modell zeigt, dass ein funktionierendes, ethisch vertretbares Wildtiermanagement ohne private, unkontrollierte Schusswaffennutzung möglich ist, und ohne die damit verbundenen Risiken für Menschen und Tiere.

Femizide durch Hobby-Jäger: ein wiederkehrendes Muster

Der Fall von Hepstedt ist kein Einzelfall, sondern reiht sich in eine lange Liste von Femiziden ein, bei denen legal besessene Jagdwaffen zur tödlichen Gefahr für Ehefrauen und Partnerinnen wurden. Die IG Wild beim Wild dokumentiert solche Fälle seit Jahren systematisch in der Rubrik Kriminalität & Jagd:

Auffällig ist auch im Fall Hepstedt das hohe Alter des mutmasslichen Täters. Die grösste Altersgruppe unter den Hobby-Jägern in Deutschland sind die über 65-Jährigen, eine Gruppe, die überdurchschnittlich häufig von alters-, seh-, konzentrations- und reaktionsbedingten Einschränkungen betroffen ist. Eine verpflichtende medizinisch-psychologische Eignungsprüfung für Hobby-Jäger, wie sie in den Niederlanden besteht, sowie eine obere Altersgrenze für den Waffenbesitz existieren in Deutschland bislang nicht.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: Im Dossier Wilderei und Jagdkriminalität in der Schweiz dokumentieren wir Fälle, Rechtsfragen und wiederkehrende Muster. Was die Forschung dazu sagt, zeigt Jagd im Faktencheck: die Studienlage.

Die Position der IG Wild beim Wild: Die IG Wild beim Wild lehnt die Hobby-Jagd ab. Unser Vorbild ist der Kanton Genf, der seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt: ohne Jagdzeiten, ohne Jagdhunde, ohne Treibjagden, ohne Hochsitze, ohne die Tierquälerei und die Kriminalität, die anderswo zur Jagdsaison gehören. Was dort seit über fünfzig Jahren funktioniert, widerlegt jedes Positionspapier von JagdSchweiz. Ein Verband, der seine Politik auf Behauptungen stützt, die er in den eigenen Dokumenten widerlegt, ist keine Fachorganisation, sondern eine Fabrik für Fehlinformationen.

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