23. August 2026, 11:44

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Jagd

Kanton Waadt lanciert Sicherheitskurs für Hobby-Jäger

Ein Faktencheck zu den Unfallzahlen hinter der neuen Waadtländer Sicherheitsausbildung.

Redaktion Wild beim Wild — 23. August 2026

Der Kanton Waadt hat eine neue, freiwillige Sicherheitsausbildung für Hobby-Jäger lanciert und finanziert sie mit 2500 Franken pro Jahr.

Eine Pflicht wird geprüft. An der ersten Durchführung im Nordwaadtland nahmen rund 130 Hobby-Jäger teil, laut RTS eine Premiere in der Romandie.

Ausgelöst wurde die Initiative durch einen tödlichen Vorfall im November 2024. RTS berichtete darüber und lieferte zwei Zahlen mit, die eine genauere Einordnung brauchen.

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Der «Mitschüler», der keiner war

RTS schreibt, ein Waadtländer Hobby-Jäger habe 2024 «einen seiner Mitschüler» («condisciple») versehentlich getötet. Das klingt nach einem Unfall unter Ausbildungsteilnehmenden. Tatsächlich ereignete sich der Vorfall am 24. November 2024 bei einer Wildschweinjagd in Oulens-sous-Échallens: Ein damals rund 80-jähriger Hobby-Jäger, ein ehemaliger Präsident der Diana Vaud, gab von einer Anhöhe verbotene Scheuchschüsse ab, um Wildschweine zum Verlassen des Dickichts zu bewegen. Eine Kugel traf tödlich den Kopf eines 64-jährigen Jagdkollegen aus dem Kanton Freiburg, der unterhalb der Anhöhe postiert war.

Im Mai 2026 wurde der Schütze wegen fahrlässiger Tötung zu zehn Monaten bedingt verurteilt, zu einer Busse von 2000 Franken, musste rund 75’000 Franken an die Familie des Opfers zahlen und erhielt ein auf drei Jahre verkürztes Jagdverbot, unter anderem damit er weiterhin seinen Enkel auf die Hobby-Jagd begleiten kann. Für die Behauptung, ein Hobby-Jäger habe in der Schweiz einen Ausbilder erschossen, findet sich in den verfügbaren Quellen kein Beleg. Auch dieser Fall betrifft einen erfahrenen Jagdkollegen, keine Ausbildungssituation.

Die kolportierten Unfallzahlen: Was sie wirklich zeigen

RTS beruft sich auf ChasseSuisse mit 300 gemeldeten Jagdunfällen pro Jahr und 23 Todesfällen in zehn Jahren. Beide Zahlen sind Fragmente aus unterschiedlichen Erhebungen und werden von RTS ohne Einordnung nebeneinandergestellt.

Die 300 Unfälle stammen aus der UVG-Unfallversicherungsstatistik und erfassen ausschliesslich obligatorisch unfallversicherte Angestellte. Pensionierte, Selbstständige und weitere Gruppen fehlen komplett, ausgerechnet jene Bevölkerungsgruppe, die überproportional stark unter den Hobby-Jägern vertreten ist. Rechnerisch ergibt das zwar einen Jagdunfall alle 29 Stunden, doch das ist ein Jahresdurchschnitt aus einer Teilstatistik, keine Vollerfassung.

Eine dritte, deutlich höhere Zahl kursiert parallel: Laut BFU-Statistik starben allein zwischen 2000 und 2019 über 75 Menschen im Kontext der Hobby-Jagd. Diese Zahl ist mit den 23 Todesfällen aus der ChasseSuisse-Auswertung nicht direkt vergleichbar, da Quelle, Zeitraum und Erfassungsart voneinander abweichen. Mehr dazu in unserem Dossier zu Jagdopfern in Europa.

Der zentrale Widerspruch

Der Präsident der Waadtländer Diana-Sektionen, Alexandre Berthoud, erklärt im RTS-Beitrag die Unfallursachen mit «Nichteinhaltung der Sicherheit», vergleichbar mit einem Fahrfehler im Strassenverkehr. Genau das bestätigte das Gericht im Fall Oulens-sous-Échallens: Der verurteilte Schütze wusste laut Anklageschrift, dass Scheuchschüsse verboten sind, und handelte trotzdem. Eine freiwillige Zusatzausbildung mit 130 Teilnehmenden beantwortet nicht, weshalb ein langjähriger Verbandsfunktionär mit jahrzehntelanger Erfahrung elementare Sicherheitsregeln missachten konnte, und sie ist auch kein Nachweis für mehr Sicherheit.

Die Waadtländer Jungen Grünen forderten nach dem Todesfall verbindliche Weiterbildung, periodische Gesundheits- und Eignungskontrollen, den definitiven Entzug des Jagdausweises bei schweren Verstössen sowie eine Nulltoleranz gegenüber Alkohol bei der Jagd. Damals waren im Kanton weder eine Weiterbildungspflicht noch obligatorische Gesundheitskontrollen vorgesehen. Diese Forderungen und der Umgang mit dem tödlichen Vorfall fehlen im aktuellen RTS-Beitrag.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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