25. August 2026, 13:58

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Fuchsjagd stoppen – Landrat Uri anschreiben

Die Sicherheitsdirektion des Kantons Uri hat auf die Fuchsjagd-Petition von Pascal Wolf am 24. August 2026 geantwortet, unterzeichnet von Landesstatthalterin Céline Huber.

Pascal Wolf hatte sie am 15. Februar 2026 beim Urner Landrat eingereicht und darin sechs präzise Fragen zur wissenschaftlichen Notwendigkeit der Fuchsjagd gestellt. Beantwortet wurde keine einzige. Stattdessen liefert das Schreiben einen allgemeinen Grundsatztext über das Schweizer Jagdsystem: Rechtsgrundlagen, Nachhaltigkeit, Tierschutz, Artenschutz und eine Lobrede auf die Urner Hobby-Jägerschaft. Eine wissenschaftliche Studie wird an keiner Stelle zitiert.

Der Kernsatz lautet: «Durch die Fuchsjagd wird weder der Fuchsbestand noch die Artenvielfalt gefährdet.» Danach hatte niemand gefragt. Die Petition wollte wissen, welchen wissenschaftlich belegten Nutzen die Fuchsjagd hat, nicht ob sie Schaden anrichtet. Am aufschlussreichsten ist ein beiläufiger Satz: Um die Vielfalt der Jagdsysteme zu illustrieren, verweist die Sicherheitsdirektion selbst auf den Kanton Genf mit seinen angestellten Wildhütern, ohne zu bemerken, dass genau dieses Beispiel die Petition stützt. Genf kommt seit 1974 ohne Hobby-Jagd auf den Fuchs aus.

Du kannst etwas tun, egal in welchem Kanton du lebst. Wende dich direkt an deinen Kantonsrat oder deine Nationalrätin. Das ist legal, wirksam und braucht nur wenig Zeit.

Wichtig: Verlass dich nicht allein auf die E-Mail. Wir haben aus mehreren Kantonen Rückmeldungen erhalten, dass Nachrichten zur Hobby-Jagd auf den Fuchs teils als unzustellbar zurückkommen. Ob das an fehlerhaften Adressen oder an einem gezielten Filter liegt, lässt sich von aussen nicht sagen. Setze deshalb besser auf mehrere Kanäle: Schreib einen Brief, ruf an oder such das persönliche Gespräch. Du kannst dich auch direkt an die Parteien und Fraktionen wenden – oft ist eine Nachricht ans Partei- oder Fraktionssekretariat wirksamer als an einzelne Ratsmitglieder. Ein Anruf oder ein Brief lässt sich nicht so leicht ausfiltern wie eine E-Mail und hinterlässt oft mehr Eindruck.

Musterbrief – kopiere diesen Text in dein Mailprogramm

Betreff: Fuchsjagd Uri – bitte prüfen Sie die Evidenz

Bitte nennen Sie das konkrete Ziel der Fuchsjagd in Uri, die Daten zur Zielerreichung und die wissenschaftliche Grundlage, welche die routinemässige Jagd gegenüber gezielten und nicht-letalen Massnahmen rechtfertigt.

Sehr geehrte Frau [Name] / Sehr geehrter Herr [Name]

Ich wende mich als Bürgerin / Bürger direkt an Sie, weil mich die Praxis der Fuchsjagd in unserem Kanton beschäftigt.

Die Sicherheitsdirektion hat am 24. August 2026 auf die Petition von Pascal Wolf geantwortet, in der sechs konkrete Fragen zur wissenschaftlichen Notwendigkeit der Fuchsjagd gestellt wurden. Das Schreiben beantwortet keine dieser Fragen. Es beschreibt allgemein das Schweizer Jagdsystem und zitiert keine einzige wissenschaftliche Studie.

Der zentrale Satz der Antwort lautet, durch die Fuchsjagd werde weder der Fuchsbestand noch die Artenvielfalt gefährdet. Das war nicht die Frage. Die Petition wollte wissen, welchen wissenschaftlich belegten Nutzen die Fuchsjagd hat. Wer nachweist, dass eine Massnahme nicht schadet, hat ihre Notwendigkeit noch mit keinem Wort begründet.

Besonders aufschlussreich ist, dass die Sicherheitsdirektion selbst auf den Kanton Genf verweist, wo angestellte Wildhüter die Jagd beruflich ausüben. Genau dieses Beispiel stützt die Petition: Genf kommt seit 1974 ohne Hobby-Jagd auf den Fuchs aus, in den letzten Jahren mit minimalen Einzeleingriffen und ohne übermässige Schäden an Landwirtschaft, Biodiversität oder Gesundheit. Luxemburg hat die Fuchsjagd 2015 verboten, worauf der Anteil der mit dem Kleinen Fuchsbandwurm befallenen Füchse sogar gesunken ist.

Ein Verzicht auf die reguläre Bejagung bedeutet nicht Handlungsunfähigkeit. Kranke, verletzte oder verhaltensauffällige Tiere kann die Wildhut weiterhin gezielt entnehmen. Infrage steht allein das routinemässige Töten gesunder Füchse ohne belegten Nutzen.

Ich bitte Sie, sich im Landrat für eine wissenschaftlich fundierte Überprüfung der Fuchsjagd einzusetzen, statt auf die Bundeskompetenz zu verweisen, wo der Bund den Kantonen selbst Spielraum lässt. Kein Bundesgesetz zwingt den Kanton Uri zur Fuchsjagd. Der Kanton Zug hat gezeigt, dass der Handlungsspielraum genutzt werden kann.

Freundliche Grüsse
[Ihr Name]
[Ihr Wohnort]

Was im Kanton Uri geantwortet wurde

Die Sicherheitsdirektion antwortete am 24. August 2026, unterzeichnet von Landesstatthalterin Céline Huber. Das Schreiben nimmt die sechs Petitionsfragen zwar einleitend auf, geht aber auf keine davon inhaltlich ein. Es folgt ein Grundsatztext zu Rechtsgrundlagen, nachhaltiger Nutzung, Tierschutz, Artenschutz und der Rolle der Jägerschaft. Formulierungen, die auf jede beliebige Jagdpetition passen und deshalb auf keine wirklich eingehen.

Besonders aufschlussreich: Die Sicherheitsdirektion nennt Genf selbst als Beispiel für die «Staatsjagd» mit angestellten Wildhütern, ohne zu erwähnen, dass Genf damit seit 1974 faktisch ohne Fuchsjagd auskommt. Der Kanton führt so den Gegenbeweis an, den er eigentlich hätte prüfen sollen. Es ist derselbe Mechanismus, den der Kanton Basel-Landschaft in seiner Antwort vorgeführt hat.

Was die Wissenschaft sagt

Bestandsregulation: Kompensationsmechanismen – höhere Fruchtbarkeit, bessere Überlebensrate, Zuwanderung – gleichen Verluste aus. Selbst der Abschuss von drei Vierteln eines Bestands ist im Folgejahr wieder ausgeglichen.

Tollwut: Intensive Jagd konnte die Tollwutepidemie der 1970er nicht stoppen. Erst die Impfkampagne ab 1978 wirkte. Letale Methoden können Seuchen sogar verstärken, weil bejagte Tiere mobiler werden.

Fuchsbandwurm: In einer französischen Studie aus dem Raum Nancy (Comte et al. 2017) stieg die Prävalenz trotz hohem Jagddruck von 44 auf 55 Prozent – weil Jungfüchse, die Lücken füllen, eine höhere Wurmbürde tragen.

Genf: Seit 1974 ohne Hobby-Jagd, keine Bestandsexplosion, keine schlechtere Krankheitslage. Luxemburg: Seit Jagdverbot 2015 sank der Fuchsbandwurm-Anteil von rund 40 auf unter 10 Prozent.

Vollständige Studienübersicht: Studien: Auswirkung der Hobby-Jagd auf Wildtiere

Warum sich das Anschreiben lohnt

Die Sicherheitsdirektion weicht aus, doch der Landrat kann die Frage auf die politische Tagesordnung setzen. Genau darauf zielt dein Schreiben. Je mehr Landratsmitglieder die eine unbeantwortete Frage erreicht, desto schwerer wird sie zu ignorieren: Welcher wissenschaftlich belegte Zweck rechtfertigt im Kanton Uri weiterhin die reguläre Bejagung gesunder Füchse, wenn Bestandsregulation dafür wissenschaftlich nicht trägt und konkrete Problemtiere auch gezielt entnommen werden können?

Der Zuger SWILD-Bericht

Der Kanton Zug hat als bisher einziger Schweizer Kanton auf die Fuchsjagd-Petition von Pascal Wolf mit einer echten wissenschaftlichen Studie reagiert. Die Direktion des Innern gab im Herbst 2025 bei SWILD – Stadtökologie, Wildtierforschung, Kommunikation – einen Fachbericht in Auftrag. Die zweite Version erschien im Mai 2026 und wurde der Jagdkommission am 16. Juni 2026 vorgelegt.

Das Ergebnis ist eindeutig: Die aktuell praktizierte Fuchsjagd kann Bestände nicht nachhaltig regulieren, verbessert die Seuchenbekämpfung nicht und ist für den Schutz von Nutztieren gegenüber nicht-letalen Methoden unterlegen. Die Erfahrungen aus Genf (seit 1974) und Luxemburg (seit 2015) bestätigen: Wildtiermanagement funktioniert ohne Hobby-Jagd auf den Rotfuchs.

Die vollständige Studie ist öffentlich zugänglich: Wissenschaftliche Grundlagen zur Fuchsjagd

Wo du die Kontaktdaten findest

Der Urner Landrat zählt 64 Mitglieder. Anders als manche Kantone stellt Uri keine Liste mit einzelnen E-Mail-Adressen bereit, sondern publiziert die Adressen der Landratsmitglieder als Excel-Datei unter ur.ch (Landrat, «Adressen der Landratsmitglieder»). Über die Fraktionsseiten sind einzelne Mitglieder direkt erreichbar, etwa bei der SP Uri und der SVP Uri. Das Sekretariat des Landrats erreichst du unter landrat@ur.ch, die zuständige Sicherheitsdirektion unter huber.celine@ur.ch.

Was im Kanton Uri bisher passiert ist

📌 Urner Regierung lehnt Schutz von Schneehase und Schneehuhn ab
Über ein Jagdverbot für die beiden bedrohten Arten wurde 2025 abgestimmt, die Initiative scheiterte knapp. Die Regierung erklärte Tourismus und Klimawandel zu grösseren Bedrohungen als die Hobby-Jagd.

📌 Gemetzel auf der Sonderjagd im Kanton Uri
Werden die Sollabschusszahlen der Hochwildjagd nicht erreicht, folgt ab November die Sonderjagd, bei der auch trächtige und führende Hirschkühe in der Wintereinstand-Phase zum Abschuss freigegeben werden.

📌 Verlängerung der Hirschjagd: drei zusätzliche Tage Gewalt statt echter Reform
Weil die Abschussziele nicht erreicht wurden, verlängern Sicherheitsdirektion, Jagdkommission und Jägerschaft die Hochwildjagd um drei Tage. Mehr Jagddruck statt einer kritischen Prüfung des Systems.

🧠 Psychologie der Hobby-Jagd im Kanton Uri
Warum das Urner Stimmvolk selbst bedrohte Arten weiter bejagen lässt und wie tief der Reflex zur Tötung im kantonalen Umgang mit Wildtieren verankert ist.

📌 Schluss mit der Fuchsjagd – schreib deinem Kantonsrat
Die Übersicht zur Kampagne mit Musterbrief, Studienlage und dem Stand in allen dokumentierten Kantonen.

📌 Hobby-Jäger als falsche Wildtierexperten
Wie Pascal Wolf in über 12 Kantonen Petitionen einreichte und was die Behörden daraus machten.

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