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Wildtiere

Der Steinkauz – vom «Schädling» zur Sympathiefigur

Noch vor wenigen Jahrzehnten stand der Steinkauz in der Schweiz am Rande des Aussterbens. Heute zählt die kleine, nachtaktive Eule wieder 161 Reviere – ein neuer Höchststand seit über 40 Jahren. Doch die Zukunft des Steinkauzes bleibt unsicher.

Redaktion Wild beim Wild — 27. August 2025

Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts war der Steinkauz in der Schweiz ein vertrauter Vogel der Kulturlandschaft.

Schätzungen gehen von über 1000 Revieren aus. Doch mit dem Verschwinden traditioneller Obstgärten, der Intensivierung der Landwirtschaft und der Ausräumung von Landschaftsstrukturen brach der Bestand dramatisch ein.

Hinzu kam eine andere Gefahr: die Verfolgung durch den Menschen. Wie viele Eulenarten galt der Steinkauz lange als «Schädling». Bauern verdächtigten ihn, Singvögel zu jagen oder gar den Hühnerstall zu plündern – ein Irrglaube, denn die Nahrung des Steinkauzes besteht vor allem aus Mäusen, Insekten und Würmern. Dennoch wurde er abgeschossen oder in Fallen getötet, wenn er sich in Hofnähe zeigte. Jagdstatistiken aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert belegen, dass auch Steinkäuze der «Schädlingsbekämpfung» zum Opfer fielen, wenngleich seltener als grössere Eulen oder Greifvögel. Erst 1925 stellte die Schweiz alle Eulenarten unter Schutz.

Beinahe ausgestorben

Trotz des Jagdverbots setzte sich der Rückgang ungebremst fort. Um die Jahrtausendwende existierten im ganzen Land nur noch rund 50 Reviere – die Art war praktisch verschwunden.

«Ohne gezielte Schutzmassnahmen wäre der Steinkauz heute ausgestorben», sagt Martin Schuck, stellvertretender Geschäftsführer von BirdLife Schweiz.

Schutzmassnahmen greifen

Seit den 1980er-Jahren engagieren sich BirdLife Schweiz und zahlreiche Partner – darunter Kantone, Gemeinden, Stiftungen und nicht zuletzt Landwirtinnen und Landwirte – für die Rettung der Art. Wichtige Massnahmen sind:

  • das Pflanzen von Hochstamm-Obstbäumen,
  • das Schaffen von Biodiversitätsförderflächen,
  • der Bau von Nistkästen und Sitzwarten,
  • sowie Kleinstrukturen wie Ast- und Steinhaufen.

Diese Anstrengungen zeigen Wirkung: Heute gibt es wieder 161 Reviere, so viele wie seit über vier Jahrzehnten nicht mehr.

Agrarpolitik als Schlüssel

Doch trotz dieser Erfolge bleibt der Steinkauz gefährdet. Entscheidend für sein Überleben ist eine vielfältige Kulturlandschaft. Im Dreiländereck bei Basel zeigt sich, wie stark politische Rahmenbedingungen wirken: Während NABU in Deutschland und LPO in Frankreich durch gezielte Förderung stabile Bestände aufbauen konnten, hinkte die Schweiz lange hinterher. Grund dafür ist die noch intensivere Landwirtschaft hierzulande – eine Folge der Agrarpolitik.

Wir giessen immer noch Öl ins Feuer, statt Wasser, und wundern uns, warum wir den Brand nicht löschen können, kritisiert Schuck.

Ziel: 300 Reviere bis 2031

BirdLife Schweiz hat sich vorgenommen, die Zahl der Reviere bis 2031 auf mindestens 300 zu steigern. Erst dann könnte man von einer wirklich gesicherten Zukunft sprechen.

Heute gilt der Steinkauz vielen Menschen als charismatischer Botschafter für eine naturnahe Kulturlandschaft. Die Geschichte seiner Verfolgung – vom vermeintlichen Schädling, der verfolgt wurde, zur bedrohten Art, die nun mit hohem Aufwand gerettet wird – ist zugleich ein Lehrstück über den Umgang des Menschen mit der Natur.

Die kleine Eule zeigt: Mit Wissen, Zusammenarbeit und politischem Willen ist es möglich, Arten zurückzubringen. Aber ebenso, wie leichtfertige Vorurteile und falsche Weichenstellungen ganze Arten an den Rand des Verschwindens treiben können.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: Im Dossier alle Argumente gegen die Hobby-Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

Alle Beiträge werden von der IG Wild beim Wild sowie von externen Co-Autorinnen und Co-Autoren verfasst. Recherche, Strukturierung und redaktionelle Prozesse können dabei durch KI-gestützte Werkzeuge unterstützt werden.

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