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Kriminalität & Jagd

Luchs-Nachwuchs in den Nordvogesen

Das Monitoring des Eurasischen Luchses bestätigte 2021 die erste Reproduktion in den Nordvogesen seit dem 17. Jahrhundert. Der Bestand wächst seither langsam, bleibt aber fragil, und Frankreich hat 2026 mit einer aktiven Auswilderung reagiert.

Redaktion Wild beim Wild — 13. August 2026

Dies ist die erste nachgewiesene Reproduktion der Art in den Nordvogesen seit ihrem Aussterben im 17. Jahrhundert.

Lycka wurde am 20. März 2020 in Deutschland im Pfälzerwald gemeinsam mit «Tarda», einem anderen Weibchen, freigelassen: sie sind die zwei letzten Luchse, die im Rahmen des europäischen LIFE-Wiederansiedlungsprojektes umgesiedelt wurden. Lycka stammt aus der Schweiz, ist Jahrgang 2011 und lebte im Kanton Neuenburg, bevor sie in den Pfälzerwald gebracht wurde. Bei der Freilassung wog sie gut 20 kg: sie ist ein kräftiges und erfahrenes Wildtier.

Eine erfolgreiche grenzüberschreitende Zusammenarbeit

Lycka trug einen GPS-Halsbandsender, damit ihre Bewegungen durch das kooperierende deutsch-französische Team nachvollzogen werden konnten. Dank dieses Monitorings wissen wir, dass Lycka durch das zusammenhängende Waldgebiet des Biosphärenreservats Pfälzerwald-Nordvogesen wanderte und Ende März 2020 französischen Boden betrat. Sie etablierte daraufhin in den Nordvogesen ein Revier. Die Einschränkung ihres Bewegungsradius Anfang Juni deutete auf eine Geburt hin. Der Wurf konnte lokalisiert und von den Umweltinspektoren des Amts für biologische Vielfalt (OFB) überprüft werden. Zwei etwa drei Wochen alte, gesunde Jungtiere konnten am Eingang der Höhle beobachtet werden, die Mutter war in der Nähe. Möglich wurde dieses Ereignis durch das LIFE-Programm, das vom deutschen Partner, der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz, koordiniert wird.

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Zwei Wege, ein Ziel: Was aus Lycka und Tarda wurde

2021 war der Erhaltungszustand des Luchses in den Vogesen noch höchst unsicher: Nur ein Dutzend Tiere wurden im gesamten Massiv gezählt, Lycka war das einzige bekannte Weibchen. Wie gross die Bedrohung war, zeigten der Fall der illegalen Tötung eines Tieres Anfang 2020 in den Vogesen sowie die Verkehrsunfälle der Luchse Lucky und Labka im Pfälzerwald.

Lycka blieb ihrem Revier in den Nordvogesen treu und brachte 2022 einen zweiten Wurf zur Welt, bestätigt durch die Präfektur Bas-Rhin. Tarda hingegen liess sich dauerhaft im deutschen Pfälzerwald nieder, im Landkreis Bad Dürkheim, und ist bis heute eine von nur noch fünf der ursprünglich zwanzig ausgesetzten Tiere, die dort nachweislich leben. Auch sie zog Nachwuchs auf, zuletzt 2024 und erneut 2025. Schäden, die auf Tarda oder ihre Jungtiere zurückgehen, sind keine bekannt.

Aus den anfänglichen Einzeltieren ist seither ein kleines, grenzüberschreitendes Netzwerk geworden: Bis 2024 hatten sich sieben bis acht Luchse aus dem Wiederansiedlungsprojekt im gesamten Vogesenmassiv angesiedelt, mindestens vier davon auch in den zentralen Vogesen und den Hochvogesen. Im Pfälzerwald selbst wird der Bestand inzwischen auf rund dreissig Tiere geschätzt.

Oktober 2024: ein tragischer Rückschlag

Wie fragil der Erfolg bleibt, zeigte sich im Oktober 2024: In Niederbronn-les-Bains, mitten in den Nordvogesen, flüchtete ein junger Luchs in einen Hühnerstall und wurde von der Besitzerin, die ihn für eine Wildkatze hielt, mit einem Spaten erschlagen. Ein Strassburger Gericht verurteilte die Täterin zu einer bedingten Freiheitsstrafe und einer Entschädigung von über 30’000 Euro an Tierschutzorganisationen. Mehr dazu im Artikel «Erschlagener Luchs im Elsass: Frankreich bestraft hart, die Schweiz schweigt fast».

Landesweit bleiben Kollisionen mit Fahrzeugen und illegale Tötungen für über 80 Prozent der Sterblichkeit bei Luchsen verantwortlich. Wie kritisch der Bestand insgesamt bleibt, ordnen wir im Artikel «Frankreich: Luchse nahe am Aussterben» ein. 2025 registrierten Beobachterinnen sogar einen Rückgang der Bestandsdynamik in den Nordvogesen, mangelnde genetische Vielfalt bleibt das zentrale Problem. Eine Naturschützerin brachte es auf den Punkt: Ohne Massnahmen gebe es in dreissig Jahren keinen Luchs mehr in den Vogesen.

2026: erste aktive Auswilderung als Kurswechsel

Der Nationale Aktionsplan (PNA) 2022-2026 sah Bestandsstärkungen bislang nur im Konsens mit Hobby-Jägern und Tierhaltern vor, der nationale Jagdverband lehnte aktive Wiederansiedlungen lange ab. Im Juni 2026 kam es zu einem bemerkenswerten Kurswechsel: Ein verwaistes junges Luchsweibchen, das im September 2025 hilflos in den Nordvogesen aufgefunden worden war, wurde vom Pflegezentrum GORNA aufgepäppelt, auf den Namen «Maguy» getauft und am 10. Juni 2026 mit einem GPS-Halsband ausgestattet in den Zentralvogesen wieder ausgewildert. Es ist die erste Freilassung eines zuvor in Menschenobhut gepflegten Luchses im gesamten Vogesenmassiv.

Der PNA läuft Ende 2026 aus, eine Halbzeitbilanz ist bislang nicht öffentlich. Naturschutzorganisationen wie FERUS und Centre Athénas fordern echte Wiederansiedlungsprogramme statt weiterer Studien. Ob aus «Maguys» Freilassung tatsächlich eine neue Strategie wird oder ob es bei einem Einzelfall bleibt, dürfte sich in den kommenden Jahren zeigen.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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