Bärin F36: Zwei Hobby-Jäger müssen vor Gericht
Fast zwei Jahre nach der umstrittenen Tötung der Bärin F36 in der Provinz Trient kommt es zu einem Gerichtsverfahren: Zwei 70-jährige Hobby-Jäger wurden offiziell angeklagt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, das Tier im September 2023 ohne Notwendigkeit und aus Grausamkeit erschossen zu haben. Der Prozess soll am 9. Februar 2026 vor dem Landesgericht in Trient beginnen.
Die Ermittlungen hatten ursprünglich vier Männer ins Visier genommen.
Im Laufe des Verfahrens verengte sich der Fokus jedoch auf zwei Hobby-Jäger, die nun wegen «gemeinschaftlicher Tötung eines Tieres aus Grausamkeit und ohne Notwendigkeit» angeklagt sind. Ihnen wird vorgeworfen, die Bärin mit Jagdwaffen erschossen zu haben, obwohl keine Gefahrensituation bestand.
Nach den bisherigen Erkenntnissen verhielt sich F36 friedlich und stellte zu keinem Zeitpunkt eine Bedrohung dar. Das Tier war mit einem acht Monate alten Jungtier unterwegs – ein Umstand, der den Fall zusätzlich brisant macht.
Ein Tier zwischen Schutz und Abschuss
F36 war schon vor ihrem Tod in die Schlagzeilen geraten. Nach zwei Begegnungen mit Menschen im Sommer 2023 hatte die Provinz Trient zunächst einen Abschussbefehl erlassen. Dieser wurde jedoch von den Verwaltungsgerichten gestoppt: Statt einer Tötung sei ein Einfangen des Tieres vorzusehen gewesen. Wenige Wochen später wurde F36 am 27. September 2023 in Val Bondone tot aufgefunden – ein Schock für Tierschützer und die Öffentlichkeit.
Prozess mit Signalwirkung
Die Anklage stützt sich auf die Artikel des italienischen Strafgesetzbuches, die die Tötung von Tieren ohne zwingenden Grund unter Strafe stellen. Für den anstehenden Prozess haben sich bereits mehrere Umwelt- und Tierschutzorganisationen als Nebenkläger angekündigt, darunter die italienische Vereinigung LEAL.
Der Fall zeigt, dass die illegale Tötung von Wildtieren kein Kavaliersdelikt ist. Wir erwarten ein klares Signal der Justiz, betonte eine Sprecherin der Organisation.
Symbol für den Umgang mit grossen Beutegreifern
Der Tod von F36 hat die ohnehin aufgeheizte Debatte über das Zusammenleben von Menschen und Bären im Trentino neu entfacht. Während die Provinzregierung seit Jahren auf eine strenge Regulierung der Population drängt, fordern Naturschützer mehr Schutzmassnahmen und ein Ende von Abschussbefehlen auf der Jagd.
Mit dem anstehenden Verfahren könnte erstmals ein deutliches juristisches Zeichen gesetzt werden – nicht nur im Fall F36, sondern generell im Umgang mit den rund 100 Braunbären, die derzeit im Trentino leben.
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