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Wildtiere

Zombie-Hirsch-Krankheit CWD: Neue Studie zeigt Übertragungsrisiko auf Menschen

Prionen aus infizierten Hirschen und Elchen wurden im Gehirn von Javaneraffen nachgewiesen. Wissenschaftler fordern eine Neubewertung des Risikos.

Redaktion Wild beim Wild — 1. Juni 2026

Eine tödliche Wildtierseuche gibt Forschenden zunehmend Rätsel auf.

Die sogenannte Chronic Wasting Disease (CWD), im Volksmund «Zombie-Hirsch-Krankheit» genannt, befällt Hirsche, Elche und Rentiere und endet stets tödlich. Die Tiere werden oft apathisch, verlieren die Scheu vor Menschen und nehmen stark ab, obwohl sie weiterhin fressen. «Sie wirken vielleicht eher lustlos, lassen den Kopf hängen und halten sich meist an einem Ort auf. Manche sabbern», beschreibt Alexandra Lombard, Expertin für Wildtiergesundheit im US-Bundesstaat Virginia, das Krankheitsbild.

Was sind Prionen?

Bei den Erregern handelt es sich nicht um Bakterien, Pilze oder Viren, sondern um sogenannte Prionen. Das sind «falsch» gefaltete Proteine, die sich etwa im Gehirn ablagern und Krankheiten auslösen können. Beim Menschen ist die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit das bekannteste Beispiel einer solchen Prionenerkrankung. Betroffene leiden unter Störungen von Bewegung, Wahrnehmung und Gedächtnis bis hin zur Demenz, die meisten sterben binnen Monaten. Vermutlich rief diese Erkrankung auch den Tod von mehr als 200 Menschen hervor, die BSE-verseuchtes Rindfleisch zu sich nahmen.

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Neue Studie: Prionen landen im Affengehirn

Lange galt eine Übertragung der CWD auf Menschen als äusserst unwahrscheinlich. Eine neue Studie des amerikanisch-deutschen Forschungsteams um Hermann Schätzl von der University of Calgary, erschienen im Fachjournal Science Advances, verändert diese Einschätzung. Die Forschenden wollten herausfinden, ob Hirschprionen auch im Gehirn von Primaten landen und hier eine entsprechende Erkrankung hervorrufen können. Ihre Versuchstiere waren sieben Javaneraffen, denen Gewebe infizierter Elche und Hirsche verabreicht wurde, per Futter oder direkt über eine Hirnsonde.

Das Ergebnis ist beunruhigend: Vier bis acht Jahre später wurden die Makaken untersucht. Tatsächlich waren bei einigen Tieren Krankheitssymptome aufgefallen. Zumindest ein Affe, der infiziertes Futter zu sich nahm, litt relativ eindeutig an einer neurologischen Erkrankung. Standardmethoden konnten in den Proben aus den Primatengehirnen keine Prionen nachweisen, erst ein besonders empfindlicher Test wies sie in allen Versuchstieren Jahre nach der Verabreichung des infizierten Gewebes nach.

Einen abschliessenden Beweis liefert auch diese Studie nicht. Es sei aus logistischen Gründen nicht möglich gewesen, die Affen länger zu halten, und es sei «plausibel, dass die meisten Tiere während der asymptomatischen, präklinischen Phase der Erkrankung eingeschläfert wurden», schreiben die Forschenden.

Die Schlussfolgerung des Teams ist dennoch eindeutig: «Unsere Ergebnisse stellen frühere Schlussfolgerungen infrage, die das zoonotische Risiko von CWD herunterspielen.»

Bereits zwei mögliche Fälle beim Menschen

Es gibt Hinweise, die über das Labor hinausgehen. Zwei Hobby-Jäger starben, nachdem sie Hirschfleisch einer von der Chronic Wasting Disease befallenen Population verzehrt hatten. Diese Fälle sind bislang nicht abschliessend bestätigt, werden in der Fachliteratur aber als mögliche Übertragungen diskutiert.

Ausbreitung: Nordamerika und inzwischen auch Europa

Die Fälle wurden bereits in den USA, Kanada, Südkorea, aber auch in Norwegen und Finnland registriert. Das grösste Ausbruchsgebiet liegt in Nordamerika und umfasst mittlerweile 36 US-Bundesstaaten und vier kanadische Provinzen (Stand April 2026). Das Friedrich-Loeffler-Institut führt seit 2024 eine aktive Surveillance-Studie durch, um festzustellen, ob die Seuche bereits bei deutschem Reh-, Rot- und Sikawild vorkommt.

Für die Schweiz gilt laut Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) bislang kein direktes Risiko, die Situation wird aber beobachtet. Wer Wildfleisch konsumiert, sollte sich die Frage stellen, woher es stammt.

Hobby-Jagd als Risikofaktor

Unter Hirschen wird der Erreger üblicherweise über Körperflüssigkeiten übertragen, wenn etwa ein Tier Gras frisst, auf das ein Artgenosse uriniert hat. Hirschurin wird im Kontext der Hobby-Jagd als Lockmittel kommerziell verkauft und eingesetzt. Dass solche aus dem Ausland bezogenen Produkte ein Eintragsrisiko für CWD-Prionen darstellen könnten, wird von Behörden ausdrücklich als möglich bezeichnet.

Die Prionen können lange in der Umwelt bestehen bleiben und selbst Hitze sowie üblichen Desinfektionsmitteln trotzen, was eine Eindämmung in freier Wildbahn praktisch verunmöglicht.

Welche Schutzmassnahmen gelten heute?

Das Fleisch von offensichtlich erkrankten Tieren soll nicht verzehrt werden, wofür Hobby-Jäger in den betroffenen Gebieten verantwortlich sind. Tiere sollen auf CWD getestet werden, beim Ausweiden werden Latexhandschuhe und eine besondere Desinfektion der Messer mit Javelwasser empfohlen.

Die neue Studie zeigt, dass diese Massnahmen weiterhin wichtig sind und die Situation genau beobachtet werden muss, gerade angesichts steigender Fallzahlen.

Aus Sicht des Wildtierschutzes macht die CWD einmal mehr deutlich: Intensive Hobby-Jagd, der Handel mit Wildlockstoffen und künstliche Wildtierverdichtung durch jagdliche Hege schaffen ideale Bedingungen für die Ausbreitung von Tierseuchen. In befallenen Herden in Gefangenschaft werden Ausbrüche mit über 90 Prozent kranker Tiere beobachtet, in freier Wildbahn werden in Endemiegebieten Prävalenzen von über 10 Prozent gefunden. Eine konsequente Rückkehr natürlicher Beutegreifer wie Wolf und Luchs, die kranke und geschwächte Tiere selektieren, ist Teil einer wirksamen Prävention, keine Bedrohung für gesunde Wildtierpopulationen.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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