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FAQ

Mustertexte gegen Hobby-Jagd: Motionen und Volksinitiativen

Über 80 Vorlagen für alle 26 Kantone, kostenlos und frei nutzbar.

Redaktion Wild beim Wild — 18. April 2026

Die IG Wild beim Wild stellt über 80 fertige Mustertexte für Motionen, Postulate, Interpellationen und Volksinitiativen gegen die Hobby-Jagd bereit, kostenlos und frei nutzbar für alle 26 Kantone.

Was sind die Mustertexte für jagdkritische Vorstösse?

Die Sammlung umfasst über 80 Vorlagen, die von Parlamentsmitgliedern, Parteien und Aktivistinnen in allen 26 Kantonen kostenlos genutzt werden können. Die Texte decken acht thematische Bereiche ab, von der Grundlagenkritik bis zur eidgenössischen Volksinitiative, und können direkt an die kantonalen Rechtsnormen angepasst und eingereicht werden.

Wofür werden Mustertexte gebraucht?

Jagdkritische Vorstösse im Kantonsparlament scheitern häufig nicht am fehlenden politischen Willen, sondern an der Formulierung: Wie soll ein Postulat korrekt aufgebaut sein? Welche Gesetzesartikel muss man referenzieren? Wie unterscheidet sich eine Motion im Kanton Zürich von einer im Kanton Bern? Diese technischen Hürden halten viele engagierte Personen davon ab, den ersten Schritt zu machen.

Die Mustertexte nehmen genau diese Arbeit ab. Sie sind juristisch vorformuliert, thematisch begründet und an die schweizerische Parlamentspraxis angepasst. Wer einen Text einreichen möchte, muss ihn auf kantonale Besonderheiten prüfen, etwa ob der Kanton ein Patentjagd- oder Revierjagdsystem kennt, und die entsprechenden Begriffe anpassen. Die inhaltliche und argumentative Arbeit ist bereits geleistet. Alle Texte stehen kostenlos unter wildbeimwild.com/mustertexte zur Verfügung.

Welche Arten von Vorstössen gibt es?

Die Texte decken verschiedene parlamentarische Instrumente ab. Eine Motion verpflichtet die Regierung, einen Gesetzesentwurf auszuarbeiten, sie ist das verbindlichste parlamentarische Instrument. Ein Postulat fordert die Regierung auf, einen Bericht zu erstellen oder eine Frage zu prüfen; es ist weniger verbindlich, aber für die Öffentlichkeitsarbeit oft wirkungsvoll. Eine Interpellation stellt der Regierung Fragen und verlangt eine schriftliche Antwort, gut geeignet, um unbequeme Fakten zu Protokoll zu bringen.

Darüber hinaus gibt es kantonale Volksinitiativen (Volksbegehren), die direkt von der Bevölkerung nach Unterschriftensammlung eingereicht werden, sowie als übergeordnetes Instrument eine eidgenössische Volksinitiative, die eine Änderung der Bundesverfassung anstrebt. Alle diese Instrumente sind mit Mustertexten abgedeckt. Das Jagdrecht Schweiz erklärt die rechtlichen Grundlagen, innerhalb derer diese Vorstösse wirken.

Welche thematischen Bereiche werden abgedeckt?

Die Mustertexte sind in acht thematische Bereiche gegliedert:

Grundlagen und Hobby-Jagd in der Schweiz (15 Vorlagen): Von der Abschaffung der Niederwildjagd über Wildtierkorridore bis zum Verbot von Bewegungsjagden auf trächtige Tiere. Dieser Block legt die ökologische und tierschützerische Grundlage.

Politik und Lobby (6 Vorlagen): Transparenz bei Interessenverflechtungen, Lobbyregister, Verbot von Jagdpropaganda mit Tierleichen in der Schule und an öffentlichen Veranstaltungen.

Jagdarten und Sicherheit (15 Vorlagen): Alkohol- und Drogenverbot während der Hobby-Jagd, kriminologische Überprüfung von Jagdpatenten, Bleifrei-Munition, Verbot von Fallen- und Lockjagd, Sicherheitsabstände.

Tierwürde und psychische Dimension (8 Vorlagen): Regulierung von Erlegerbildern in sozialen Medien, Verbot jagdlicher Veranstaltungen mit Tierquälerei, Schutz von Kindern vor jagdlicher Gewalteinweisung, rechtliche Gleichstellung von Wildtieren unter dem Tierschutzgesetz.

Wolf und Beutegreifer (5 Vorlagen): Moratorium auf Wolfsabschüsse, Priorisierung von Herdenschutzmassnahmen, Evaluation durchgeführter Abschüsse anhand internationaler Standards.

Recht, Kontrolle und Alternativen (6 Vorlagen): Unabhängige Jagdaufsicht, transparente Statistiken über Fehlabschüsse, Abschaffung von Umweltprivilegien der Hobby-Jagd im Tierschutzrecht.

Kantonale Volksinitiativen (25 Vorlagen): Vollständige Verbote der privaten Hobby-Jagd für jeden der 25 Kantone mit eigenem Initiativrecht, inklusive Hintergrund, Unterschriftenzahl und Besonderheiten.

Eidgenössische Volksinitiative (1 Vorlage): «Für professionellen Wildtierschutz», ein Vorschlag für eine neue Verfassungsbestimmung, die das Genfer Modell auf Bundesebene einführt und Beutegreifer stärker schützt.

Wie werden die Mustertexte genutzt?

Der Prozess ist einfach: Text auswählen, herunterladen, auf kantonale Besonderheiten prüfen (Patentjagd vs. Revierjagd, Artikelbezeichnungen, Fristen, formale Anforderungen), bei Bedarf juristisch gegenlesen lassen und einreichen. Die Texte können auch für mehrere Kantone gleichzeitig genutzt werden, als koordinierte Vorstösse, die in verschiedenen Kantonsparlamenten gleichzeitig Fahrt aufnehmen.

Für Parlamentarierinnen und Parlamentarier ohne Fraktionsunterstützung gilt: Ein Postulat mit der Bitte um einen Regierungsbericht kostet nichts und erzeugt wenig politischen Widerstand, aber es erzwingt eine öffentliche Antwort. Das allein kann die Debatte verändern.

Was ist das Ziel der Mustertexte?

Das Ziel ist nicht, in jedem Kanton sofort ein Hobby-Jagdverbot durchzusetzen. Das Ziel ist, Fragen in der Öffentlichkeit zu verankern, die bisher kaum gestellt wurden: Warum unterliegen Wildtiere nicht dem vollen Schutz des Tierschutzgesetzes? Warum gibt es keine unabhängige Aufsicht über die Hobby-Jagd? Warum werden 0,3 Prozent der Bevölkerung bei der Gestaltung der Wildtierpolitik privilegiert?

Wenn parlamentarische Fragen gestellt werden, müssen Regierungen antworten. Wenn Berichte geschrieben werden, entstehen Fakten, auf die man sich stützen kann. Wenn Volksinitiativen lanciert werden, beginnen gesellschaftliche Debatten. Die Mustertexte sind ein Werkzeugkasten für Menschen, die das Jagdverbot Schweiz voranbringen wollen, Schritt für Schritt, Kanton für Kanton.

Was beinhaltet die Vorlage zur eidgenössischen Volksinitiative?

Der Mustertext für die eidgenössische Volksinitiative «Für professionellen Wildtierschutz» schlägt eine neue Verfassungsbestimmung vor. Sie soll die Hobby-Jagd bundesweit durch professionelles, staatliches Wildtiermanagement ersetzen, nach dem bewährten Genfer Modell. Zusätzlich soll der Schutz von Beutegreifern wie Wolf, Luchs, Bär und Biber in der Verfassung verankert werden.

Der Mustertext enthält eine vollständige Initiativformulierung, Erläuterungen zu den vorgeschlagenen Verfassungsartikeln 79a und 79b, eine Kostenschätzung auf Basis des Genfer Modells sowie eine politische Strategie für die Unterschriftensammlung. Damit deckt er auch das Szenario ab, das am schwierigsten zu erreichen ist, aber langfristig die grösste Wirkung hätte. Die Alternativen zur Hobby-Jagd und das Argumentarium für professionelle Wildhüter liefern die inhaltliche Grundlage dazu.

Welche kantonalen Besonderheiten sind bei der Nutzung zu beachten?

Zwei Systeme prägen die Schweizer Hobby-Jagd: In rund 16 von 26 Kantonen gilt das Patentjagdsystem, bei dem Hobby-Jägerinnen und Hobby-Jäger ein Patent kaufen und in der gesamten jagdbaren Fläche des Kantons jagen können, ohne Revierpflicht und Revierverantwortung. In neun Kantonen gilt die Revierjagd, bei der Jagdgesellschaften Gebiete pachten und dafür Verantwortung tragen. Der Kanton Genf kennt als einziger Kanton die Regiejagd ohne Hobby-Jäger.

Diese Unterscheidung ist nicht nur akademisch: Sie beeinflusst, welche Argumente greifen, welche Formulierungen juristisch korrekt sind und welche politischen Allianzen möglich sind. Ein Mustertext für einen Revierjagdkanton betont die Revierverantwortung und deren Versagen; ein Text für Patentjagdkantone betont die fehlende Flächenverantwortung und die damit verbundene Unkontrollierbarkeit. Bei Unsicherheiten kann für kantonal spezifische Anpassungen über die Website Kontakt aufgenommen werden.

Wer hat die Mustertexte entwickelt und wie aktuell sind sie?

Die Mustertexte wurden von der IG Wild beim Wild entwickelt, zuletzt aktualisiert im März 2026. Sie basieren auf den Dossiers zu Jagdrecht Schweiz, Jagdverbot Schweiz, dem Wildhütermodell und dem Genfer Modell. Sie spiegeln den aktuellen Stand des JSG, des Tierschutzgesetzes (TSchG) und der kantonalen Jagdgesetze wider, soweit dies zum Zeitpunkt der Erstellung möglich war.

Vor der Einreichung empfiehlt die IG Wild beim Wild eine juristische Prüfung auf kantonale Kompatibilität. Die Texte sind als Ausgangspunkt gedacht, nicht als fertige, unkritisch übernehmbare Vorlage. Änderungen am Bundesrecht oder kantonalen Ausführungsbestimmungen können Anpassungen nötig machen.

Fazit

Die Mustertexte sind ein bisher einzigartiges Angebot im deutschsprachigen jagdkritischen Raum: über 80 rechtlich vorformulierte Vorlagen, thematisch geordnet, für alle 26 Kantone und den Bund, kostenlos und frei nutzbar. Sie senken die Einstiegshürde für politisches Engagement erheblich und zeigen, dass jagdkritische Positionen parlamentarisch durchsetzbar sind.

Wer konkret handeln will, beginnt am besten damit, den eigenen Kanton zu identifizieren, einen passenden Text zu wählen und das Gespräch mit Mandatsträgerinnen oder lokalen Parteien zu suchen. Alle Texte sind abrufbar unter wildbeimwild.com/mustertexte.

Quellen

  • Bundesgesetz über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel (JSG), SR 922.0
  • Schweizerisches Tierschutzgesetz (TSchG), SR 455
  • Kantonale Jagdgesetze und Verordnungen der 26 Kantone
  • Kantonale Verfassungen und Gesetze über die politischen Rechte
  • Art. 139 BV (eidgenössische Volksinitiative)
  • IG Wild beim Wild: Mustertexte für jagdkritische Vorstösse in Kantonsparlamenten, aktualisiert März 2026

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