19.10.2026, 18:59

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Hubertusfeier im Pfynwald: Kirche darf Hobby-Jagd nicht sakralisieren

Am Dienstag, 3. November 2026, dem Gedenktag des heiligen Hubertus, versammeln sich die Walliser Hobby-Jäger um 19.30 Uhr zur Walliser Hubertusfeier im Pfynwald. Gemäss der öffentlichen Ankündigung zelebriert der Pfarrer von Leuk-Susten den Gottesdienst zweisprachig unter freiem Himmel. Musikalisch umrahmt wird er von der Jagdhornbläsergruppe «Pfynwald» und dem «Oberwalliser Jäger- und Naturfreunde Chor». Die Dianas sind aufgerufen, mit ihren Vereinsstandarten zu erscheinen.

Christlicher Glaube und Hobby-Jagd schliessen sich diametral aus. Die Gründungsszene des Christentums ist die Krippe: ein Kind, geboren zwischen Ochs und Esel, umgeben von Tieren, die nicht Beute sind, sondern Weggefährten. Das Christentum beginnt mit einem Bild des Friedens zwischen Mensch und Tier, nicht mit dem Halali. Wer in dieser Tradition steht, kann das Verfolgen, Anschiessen und Töten fühlender Wildtiere nicht zum Gegenstand eines Gottesdienstes machen.

Die IG Wild beim Wild kritisiert, dass die Kirche ihren Gottesdienst für eine jagdliche Inszenierung zur Verfügung stellt. Jagdhornmusik, Jagdvereine und jagdliche Rituale sind keine neutrale Dekoration. Sie stehen für eine Kultur des Verfolgens, Anschiessens und Tötens von Wildtieren. Wenn Kirchen diese Symbole in den Gottesdienst integrieren, wird die Hobby-Jagd religiös und moralisch aufgewertet. Das widerspricht dem christlichen Anspruch auf Barmherzigkeit, Gewaltlosigkeit und Verantwortung für die Schöpfung.

Auch die Berufung auf den heiligen Hubertus trägt nicht. Der historische Hubertus von Lüttich war ein Bischof des 8. Jahrhunderts. Die bekannte Geschichte vom Hirsch mit dem Kreuz im Geweih wurde ihm erst viele Jahrhunderte später zugeschrieben und geht auf die Legende des heiligen Eustachius zurück. In dieser Erzählung wird ein Jäger nicht in seinem Tun bestätigt: Er bricht die Jagd ab, wirft seine Waffe weg und verändert sein Leben. Ausgerechnet diese Umkehrgeschichte als Legitimation eines jagdlich gestalteten Gottesdienstes zu verwenden, verdreht ihren Kern ins Gegenteil.

Der Ort macht die Feier zusätzlich fragwürdig. Der Pfynwald liegt im Naturpark Pfyn-Finges, einem Gebiet, das für den Schutz von Natur und Wildtieren steht. Ausgerechnet dort marschieren die Walliser Hobby-Jäger mit Vereinsstandarten und Jagdhörnern auf. Und das in einem Kanton, der als erster Kanton Luchse abschiessen will, obwohl die Art genetisch am Limit ist. Dagegen läuft die Petition «Keine Luchsabschüsse im Wallis».

Wildtiere sind keine Kulisse und keine beliebig nachwachsende Ressource. Es sind fühlende Lebewesen mit Sozialstruktur. Rehe, Hirsche, Füchse und viele andere Arten leben in Familienverbänden, ziehen ihre Jungen über Monate auf und pflegen enge Bindungen. Die Hobby-Jagd zerreisst diese Verbände. Wird ein Muttertier erschossen, verhungern oder verwaisen die Jungtiere. Wer im Herbst und Winter Elterntiere tötet, tötet in vielen Fällen auch die Nachkommen, nur langsamer und unsichtbar.

Die Hobby-Jagd ist keine harmlose Folklore. Sie bedeutet für Wildtiere Verfolgung, Todesangst, Verletzungen und Tod. Und sie endet oft nicht mit einem sauberen Schuss. In Graubünden, einem der wenigen Kantone, die über Nachsuchen Buch führen, wird jeder zehnte Hirsch nur angeschossen statt erlegt. Der Erfolg von Nachsuchen liegt je nach Kanton zwischen 35 und 65 Prozent. Das bedeutet: Bis zur Hälfte der verwundeten Tiere stirbt ohne Erlösung, oft über Stunden oder Tage. Die Stiftung für das Tier im Recht schätzt schweizweit jährlich 3000 bis 4000 Stück flüchtiges Wild. Diese Zahlen machen sichtbar, was Jagdhörner und Uniformen ausblenden.

Die Hobby-Jagd tötet nicht nur Tiere. Sie fordert regelmässig Menschenleben. Allein am Wochenende vom 5. September 2026 starben im Tessin am selben Tag zwei Hobby-Jäger bei der Jagdausübung. Rein rechnerisch ereignet sich in der Schweiz alle 29 Stunden ein Jagdunfall. Die offizielle Zählung beginnt erst im Jahr 2000 und erfasst weder die Toten der Jahrzehnte davor noch die vielen Fälle, die als Tötungsdelikt oder erweiterter Suizid mit der legalen Jagdwaffe gar nicht als «Jagdunfall» gezählt werden. Europaweit gehen die Opferzahlen in die Hunderte. Eine Freizeitbeschäftigung, die Menschen und Tiere das Leben kostet, gehört nicht in einem Gottesdienst gefeiert.

Es geht auch anders. Die IG Wild beim Wild setzt sich für ein professionelles, wissenschaftlich begründetes Wildtiermanagement nach dem Vorbild des Kantons Genf ein. Dort ist die Hobby-Jagd seit 1974 verboten. Wo ein Eingriff nötig ist, handeln ausgebildete staatliche Wildhüterinnen und Wildhüter gezielt, kontrolliert und auf fachlicher Grundlage, nicht weil gerade für eine Tierart die Jagdzeit eröffnet ist und zum Vergnügen geschossen werden darf. Dieses Modell zeigt: Der Schutz von Mensch, Wildtier und Lebensraum braucht Fachkompetenz, keine Freizeitjagd und schon gar keinen kirchlichen Segen für sie.

Die IG Wild beim Wild fordert die Verantwortlichen der zuständigen Pfarrei auf, auf die kirchliche Aufwertung der Hobby-Jagd zu verzichten. Kirchen sollen Orte sein, an denen Mitgefühl und der Schutz verletzlicher Lebewesen gelten, nicht Orte, an denen Gewalt an Wildtieren mit Jagdhörnern und religiöser Symbolik ästhetisiert wird.

Tiere brauchen keinen kirchlichen Segen für ihre Verfolgung. Sie brauchen Schutz.

Die Angaben zu Zeitpunkt, Ort und Mitwirkenden stammen aus der öffentlichen Veranstaltungsankündigung der Jagdpresse und wurden am 19. Oktober 2026 dokumentiert.

Zur Hubertusmesse hat die IG Wild beim Wild das Lied «Warum jagst du mich» veröffentlicht. Es handelt von Hobby-Jägern, die sich samt Waffen den kirchlichen Segen holen, und erinnert daran, dass Hubertus nach der Legende mit der Jagd aufhörte. Wie alle Antijagd-Lieder ist es frei verwendbar.

Mehr Hintergründe zur Schweizer Hobby-Jagd und ihren Folgen für Wildtiere und Menschen finden Sie im Dossier Die Hobby-Jagd als Event, in der Kategorie Jagd und in der Kategorie Wildtiere auf wildbeimwild.com.