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Igel im Winterschlaf: Warum das Laub im Garten liegen bleiben darf

Im Herbst beziehen Igel ihre Winterquartiere unter Laub, Reisig und Hecken. Wer solche Verstecke jetzt wegräumt, kann lebenswichtige Nester zerstören.

Redaktion Wild beim Wild · 27. Oktober 2026

Jetzt im Herbst räumen viele ihre Gärten auf: Laub wird zusammengerecht und weggeführt, Asthaufen verschwinden, Beete werden kahl gemacht. Barbara Trentini, die eine Igelstation betreibt, nennt das Ordnungswut. Für Igel ist genau diese Zeit heikel. Von etwa November bis März halten sie Winterschlaf, je nach Witterung früher oder später, spät geborene Jungigel sind teils noch im November unterwegs. Ihre Nester liegen meist dort, wo aufgeräumt wird: unter Laub, in Ast- und Reisighaufen, im Kompost oder unter dichten Hecken.

Was im Winterschlaf passiert

Der Winterschlaf ist die Überlebensstrategie des Igels für die nahrungsarme Jahreszeit. Er fährt seinen Stoffwechsel stark herunter: Laut Schweizer Tierschutz STS sinkt seine Körpertemperatur von rund 37 auf etwa 5 Grad, das Herz schlägt nur noch 8 bis 20 Mal pro Minute. So überbrückt er die kalten Monate mit seinen Fettreserven. Zwischenzeitliches Aufwachen ist normal, meist bleibt er dabei im Nest. Wird er aber gestört oder sein Winterquartier zerstört, verbraucht er Reserven, die ihm bis zum Frühling fehlen.

Ordnung kostet Winterquartiere

Ein Laubhaufen ist für den Igel nicht nur Bett, sondern auch Speisekammer. Unter dem Laub überwintern Käfer, Asseln, Würmer und Raupen, von denen er im Frühling lebt. Wer den Garten blank räumt, nimmt ihm beides. Warum Laubbläser dabei besonders schaden, haben wir in Laubbläser vertreiben Igel aus ihrem Zuhause beschrieben.

Was jetzt im Garten zu tun ist

  • Laub unter Hecken, Sträuchern und auf Beeten liegen lassen. Es schützt auch den Boden vor Frost.
  • Einen Laub- oder Asthaufen in einer ruhigen Ecke anlegen und über den Winter ungestört lassen, am besten dauerhaft.
  • Kompost- und Laubhaufen im Winter nicht umsetzen und nie mit der Gabel hineinstechen.
  • Ast- und Reisighaufen nicht verbrennen. Wer sie entfernen muss, schichtet sie vorher von Hand um.
  • Lichtschächte und Teiche mit einer Ausstiegshilfe sichern, etwa einem Brett mit Querleisten.

Weitere Gefahren wie Mähroboter, Netze oder Schneckenkörner sammeln wir im Dossier «Wildtiere im Faktencheck».

Wann ein Igel Hilfe braucht

Ein Jungigel sollte im November mindestens etwa 500 Gramm wiegen, ausgewachsene Igel deutlich über ein Kilogramm (Igelzentrum Zürich). Liegt das Gewicht deutlich darunter, oder wirkt ein Tier krank, verletzt oder geschwächt, torkelt es oder bleibt es liegen, sollte eine Igelstation die Situation beurteilen. Gesunde Igel brauchen weder Zufütterung noch eine Überwinterung in menschlicher Obhut. Einen Igel länger als ein paar Tage selbst zu halten, ist nur mit Bewilligung erlaubt.

Gefüttert wird nur nach Rücksprache mit einer Igelstation, mit Katzenfutter und nie mit Milch, denn Igel vertragen keine Laktose. Und wer einen schlafenden Igel entdeckt, lässt ihn schlafen.

Kommentar: Mut zur Unordnung

Ein Garten mit Laub unter der Hecke und einem Asthaufen in der Ecke ist nicht ungepflegt, er ist bewohnt. Der Igel steht auf der Roten Liste und ist Tier des Jahres 2026. Seine grössten Feinde sind nicht Fuchs oder Dachs, die seit jeher zu seinem Leben gehören, sondern Strassen, Gartengeräte und Gärten, in denen kein Platz mehr für ihn bleibt. Gegen all das hilft im Winter etwas Einfaches: liegen lassen.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unseren Dossiers zur Hobby-Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte. Was die Forschung dazu sagt, zeigt Jagd im Faktencheck: die Studienlage.

Die Position der IG Wild beim Wild: Die IG Wild beim Wild lehnt die Hobby-Jagd ab. Unser Vorbild ist der Kanton Genf, der seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt: ohne Jagdzeiten, ohne Jagdhunde, ohne Treibjagden, ohne Hochsitze, ohne die Tierquälerei und die Kriminalität, die anderswo zur Jagdsaison gehören. Was dort seit über fünfzig Jahren funktioniert, widerlegt jedes Positionspapier von JagdSchweiz. Ein Verband, der seine Politik auf Behauptungen stützt, die er in den eigenen Dokumenten widerlegt, ist keine Fachorganisation, sondern eine Fabrik für Fehlinformationen.

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