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Hubertusmesse Zürich: Pfarrerin bittet um Verzicht auf Mahnwache

Die Stadtkirche St. Peter lehnt die Übernahme der Bewilligungsgebühr ab und verweist auf ihr Eigentum am Platz. Am 25. Oktober hatte der Dom Arlesheim den Jagdgegnern die Kollekte geschenkt.

Redaktion Wild beim Wild · 30. Oktober 2026
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Am Sonntag, 15. November 2026, um 10 Uhr feiert die reformierte Kirche St. Peter in der Zürcher Altstadt wieder ihre Hubertusmesse. Laut der Pfarrerin versammeln sich dort jeweils rund 400 Personen, darunter die neu zu brevetierenden Hobby-Jäger und Jagdaufseher des ganzen Kantons Zürich mit ihren Angehörigen. Organisator ist JagdZürich, der Verband der Zürcher Hobby-Jäger. Vor der Kirche steht an diesem Morgen ab 9.15 Uhr die Tierrechtsgruppe Hunt Watch mit einer stillen Mahnwache, die von der Stadt Zürich bewilligt ist. Die zuständige Pfarrerin hätte das lieber verhindert.

Was die Pfarrerin schrieb

Hunt Watch hatte Pfarrerin Cornelia Camichel Bromeis am 28. Oktober angeschrieben; die Korrespondenz hat die Gruppe der IG Wild beim Wild zur Verfügung gestellt, sie liegt der Redaktion vor. Die Gruppe wies darauf hin, dass die Hubertuslegende keine Geschichte über massvolles Jagen ist, sondern über das Aufhören: Hubertus legt nach der Begegnung mit dem Hirsch die Waffe nieder. Sie fragte die Kirchgemeinde, ob diese bereit sei, die Bewilligungsgebühr der Stadt von knapp 100 Franken für die Mahnwache zu übernehmen.

Die Antwort kam am 29. Oktober und ist deutlich. Die Kirchgemeinde könne die Mahnwache «nicht finanziell unterstützen». Dann der Hinweis, dass die St. Peterhofstatt oberhalb der Treppe Eigentum der Kirchgemeinde sei und «entsprechende Veranstaltungen mit uns abgesprochen werden müssten». Und schliesslich: «Persönlich würde ich es begrüssen, wenn Sie von einer Mahnwache im Zusammenhang mit unserem Gottesdienst absehen würden.»

Die Pfarrerin begründet ihre Haltung mit dem Dialog. Sie habe in den vergangenen Jahren viele Gespräche mit Hobby-Jägern geführt und «einen sorgfältigen und verantwortungsbewussten Umgang mit der Jagd kennengelernt». JagdZürich auszuschliessen erachte sie nicht als zielführend.

Dieser Eindruck sagt aus Sicht der IG Wild beim Wild mehr über die Gesprächspartner als über die Jagd: Die Pfarrerin hat sich Sand in die Augen streuen lassen. Im Kanton Zürich wurden von 2015 bis 2025 insgesamt 21’846 Füchse erschossen, im Schnitt rund 2’000 pro Jahr, zuletzt 1’675, ohne Abschussplanung und ohne jeden Nutzen für Mensch oder Natur; die Zahlen stehen im Dossier zur Fuchsjagd im Kanton Zürich. Dazu kommen die Treibjagden, bei denen Hunde und Treiber die Tiere aus der Deckung hetzen und Schüsse auf flüchtende Tiere fallen. Wer das betreibt, handelt nicht verantwortungsvoll, sondern quält nichtmenschliche Tiere aus Zeitvertreib. Dass es anders geht, zeigt der Kanton Genf seit 1974: Dort kümmern sich staatliche Wildhüter um die Wildtiere, ohne hetzende Jagdhunde, ohne Fehlschüsse schlechter Schützen und ohne die Wilderei-, Alkohol- und Gewaltfälle, die die IG Wild beim Wild in der Rubrik Kriminalität und Jagd laufend dokumentiert. Genau diese Praxis segnet die Kirche St. Peter mit, wenn sie den frisch brevetierten Hobby-Jägern einen Gottesdienst ausrichtet.

Die Kollekte der diesjährigen Messe geht laut der Pfarrerin an den Arbeitskreis Kirche und Tiere (AKUT).

Hunt Watch bleibt

Hunt Watch nahm die Absage zur Kenntnis und antwortete, eine friedliche Mahnwache sei «kein Verzicht auf Dialog», sondern eine legitime Form des öffentlichen Protests. Die Mahnwache findet am bewilligten Standort statt, der Zugang zur Kirche bleibt frei, der Gottesdienst wird nicht beeinträchtigt. Die Pfarrerin schloss den Austausch mit einem Satz: «Dann sehen wir uns am 15. November!»

Die Eigentumsfrage ist dabei offen. Öffentlich belegt ist, dass der Kirchturm der Stadt Zürich gehört und das Kirchenschiff der Kirchgemeinde. Für die Mahnwache massgebend ist die Bewilligung der Stadt, und die liegt vor.

Die Kirche sagt Dialog und meint die Hobby-Jagd

Das Argument des Dialogs hat einen Haken. In den Gesprächsraum der Hubertusmesse werden Hobby-Jäger eingeladen, mit Jagdhörnern, Brevetierungsfeier und Apéro. Wer draussen still ein Schild hochhält, soll möglichst nicht kommen. JagdZürich beschreibt auf seiner Website, worum es dem Verband bei der Messe geht: Sie fördere «das gemeinsame, verantwortungsvolle Handeln für ein gesellschaftlich bedeutendes Handwerk: Die Jagd!». Hubertus habe sich «vom wilden, zügellosen Jäger zum christlich-gemässigten Jäger und Heger» gewandelt. Genau diese Umdeutung einer Bekehrungsgeschichte in ein Gütesiegel für das Töten von Wildtieren hat die IG Wild beim Wild bereits im Oktober in ihrer Medienmitteilung zur diesjährigen Hubertusmesse in St. Peter kritisiert.

Die Brevetierung findet Jahr für Jahr in dieser Kirche statt. 2021 begrüsste der kantonale Fischerei- und Jagdverwalter die frisch Brevetierten dort in der «verschworenen Gemeinschaft der Jäger». Das Jagdbrevet stellt der Kanton aus. Dass die Übergabe in einem Gottesdienst stattfindet, verleiht der Hobby-Jagd eine kirchliche Weihe, die kein Jagdgesetz vorsieht.

Arlesheim hat es anders gemacht

Wie Kirche auch reagieren kann, zeigte der katholische Dom Arlesheim am 25. Oktober. Der Gemeinderat bewilligte die Mahnwache von Hunt Watch ausdrücklich im Sinne der Meinungs- und Versammlungsfreiheit, der leitende Pfarrer begrüsste die Gruppe persönlich mit veganer Verpflegung, dankte jeder Aktivistin und jedem Aktivisten per Handschlag und sprach ihr die gesamte Kollekte der Hubertusmesse zu. Die IG Wild beim Wild hat darüber berichtet, nachdem sie die Messe zuvor kritisiert hatte.

Ganz anders Möhlin AG: Dort verweigerte der Gemeinderat Hunt Watch 2024 die Bewilligung für eine Mahnwache vor der christkatholischen Kirche, Olivier Bieli zog den Entscheid an den Regierungsrat weiter. In Zürich ist die Lage klarer: Die Stadt bewilligt die Mahnwache gegen Gebühr, wie jede Kundgebung auf öffentlichem Grund. Die Kirchgemeinde St. Peter kann sie nicht verhindern, sie kann nur hoffen, dass niemand kommt.

Mitmachen am 15. November

Die Mahnwache von Hunt Watch beginnt am Sonntag, 15. November 2026, um 9.15 Uhr vor der Kirche St. Peter an der St. Peterhofstatt in Zürich und dauert bis spätestens 12.15 Uhr. Sie ist still, visuell und bewilligt. Wer ein Zeichen gegen die kirchliche Verklärung der Hobby-Jagd setzen will, ist willkommen. Hunt Watch hat dazu ein Facebook-Event «Mahnwache gegen gewaltverherrlichende Hubertusmesse» eingerichtet, über das man sich anmelden und die Mahnwache weiterempfehlen kann.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: Im Dossier Rolle und Kritik der Hobby-Jäger beleuchten wir Ausbildung, Macht und Selbstbild der Hobby-Jäger. Die wissenschaftlichen Belege stehen in der Übersicht Studien zu den Auswirkungen der Hobby-Jagd.

Die Position der IG Wild beim Wild: Die IG Wild beim Wild lehnt die Hobby-Jagd ab. Unser Vorbild ist der Kanton Genf, der seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt: ohne Jagdzeiten, ohne Jagdhunde, ohne Treibjagden, ohne Hochsitze, ohne die Tierquälerei und die Kriminalität, die anderswo zur Jagdsaison gehören. Was dort seit über fünfzig Jahren funktioniert, widerlegt jedes Positionspapier von JagdSchweiz. Ein Verband, der seine Politik auf Behauptungen stützt, die er in den eigenen Dokumenten widerlegt, ist keine Fachorganisation, sondern eine Fabrik für Fehlinformationen.

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