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Jagd

Fellwechsel: Coronakrise ist Super-GAU für Pelzindustrie

Pelz ist untrennbar mit Leid und Tod von Wildtieren verbunden. Dennoch versuchen Jagdverbände, Pelz wieder salonfähig zu machen und Nutzen dazu in erheblichem Masse auch Steuergelder aus staatlicher Förderung, wie zum Beispiel die Fellwechsel GmbH in Berlin. Die Fellwechsel GmbH hat aufgrund der Coronakrise, die zu einem Zusammenbruch des Pelzmarktes geführt hat, den Betrieb bis auf

Redaktion Wild beim Wild — 26. Juli 2020

Pelz ist untrennbar mit Leid und Tod von Wildtieren verbunden.

Dennoch versuchen Jagdverbände, Pelz wieder salonfähig zu machen und nutzen dazu in erheblichem Masse auch Steuergelder aus staatlicher Förderung, wie zum Beispiel die Fellwechsel GmbH in Berlin.

Die Fellwechsel GmbH hat aufgrund der Coronakrise, die zu einem Zusammenbruch des Pelzmarktes geführt hat, den Betrieb bis auf Weiteres eingestellt und tiefgefrorene Ware zwischengelagert, schreibt das Unternehmen auf seiner Webseite. Zudem sollen Hobby-Jäger auf ihre Gutschriften verzichten.

«Die Coronakrise hat zahlreiche Modeunternehmen und Designer getroffen, ebenso Handwerksbetriebe. Leider musste eine Gerberei bereits Insolvenz anmelden, die für Fellwechsel gearbeitet hat. Um die grossen Mengen von über 30’000 Fellen bearbeiten zu können, arbeitet Fellwechsel mit verschiedenen Partnern zusammen. Wie tiefgreifend die Verluste bei Designern, Händlern oder Kürschnern sind, ist derzeit nicht absehbar. Ebenso wenig, wie schnell Produktion und Nachfrage auf dem Weltmarkt wieder anlaufen.»

Bereits auf einer der grössten Messen der Pelzbranche, der MilanoOne, zeichnete sich Ende Februar 2020 ein düsteres Bild. Messebesucher blieben aus, insbesondere chinesische Kunden fehlten gänzlich. Die grossen Auktionshäuser wie SagaFur oder KopenhagenFur mussten auf Online-Auktionen umstellen, freilich ohne Erfolg: Die Verkaufsraten lagen teilweise bei null Prozent.

Fellwechsel: Kein Verständnis bei Tierschützern

Die Hobby-Jagd an sich fügt Wildtieren schon unnötiges Leid zu. Zudem sind sogenannte Ökopelze von Hobby-Jägern letztlich nur ein Etikettenschwindel auf Kosten der Tiere. Denn auch für diese Pelze sterben Wildtiere unnötig. Ausserdem werden beim Gerben keinesfalls nur natürliche Stoffe eingesetzt, wie es auf der Webseite von Fellwechsel heisst. Solche Praktiken reihen sich ein in die zahlreichen Jagdmythen, die wissenschaftlich nicht haltbar sind.

Die Pelzgewinnung aus zum grossen Teil tierquälerischer Hobby-Jagd wird kaum rentabel werden – das Projekt Fellwechsel dient deshalb vor allem als Propagandainstrument. Mit dem Hinweis auf vermeintlich «ökologisch korrekten» Pelz will man die gesellschaftlich geächtete Pelzkleidung wieder salonfähig machen und eine Rechtfertigung für die fragwürdige Verfolgung von Füchsen und anderen Beutegreifern schaffen. So wird in Verbindung mit der Vermarktung der Pelzprodukte behauptet, dass die Hobby-Jagd auf Fuchs und Co. notwendig und eine Nutzung der Felle daher nicht verwerflich sei.

Tatsächlich setzt sich hingegen immer mehr die Erkenntnis durch, dass die Hobby-Jagd auf Füchse oder Marder keineswegs notwendig, sondern ökologisch unsinnig ist und beispielsweise die Ausbreitung von Wildtierkrankheiten fördert. Das Genfer Modell beweist seit 1974, dass professionelles Wildtiermanagement ohne Hobby-Jagd funktioniert.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unseren Dossiers zur Kritik an der Hobby-Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte. Was die Forschung dazu sagt, zeigt Jagd im Faktencheck: die Studienlage.

Die Position der IG Wild beim Wild: Die IG Wild beim Wild lehnt die Hobby-Jagd ab. Unser Vorbild ist der Kanton Genf, der seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt: ohne Jagdzeiten, ohne Jagdhunde, ohne Treibjagden, ohne Hochsitze, ohne die Tierquälerei und die Kriminalität, die anderswo zur Jagdsaison gehören. Was dort seit über fünfzig Jahren funktioniert, widerlegt jedes Positionspapier von JagdSchweiz. Ein Verband, der seine Politik auf Behauptungen stützt, die er in den eigenen Dokumenten widerlegt, ist keine Fachorganisation, sondern eine Fabrik für Fehlinformationen.

Alle Beiträge werden von der IG Wild beim Wild sowie von externen Co-Autorinnen und Co-Autoren verfasst. Recherche, Strukturierung und redaktionelle Prozesse können dabei durch KI-gestützte Werkzeuge unterstützt werden.

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