Deutschland: Bündnis fordert Schliessung der Skandal-Schliefanlage
Die Schliefanlage in Lemgo-Voßheide ist die älteste ihrer Art in Deutschland. Regelmäßig werden dort „raubwildscharfe“ Jagdhunde an den Füchsinnen Lilli und Lotta abgerichtet – eine besonders grausame Jagdpraxis, die aus gutem Grund in anderen europäischen Ländern verboten ist.
Die Schliefanlage in Lemgo-Vossheide ist die älteste ihrer Art in Deutschland. Regelmässig werden dort «raubwildscharfe» Jagdhunde an den Füchsinnen Lilli und Lotta abgerichtet – eine besonders grausame Jagdpraxis, die aus gutem Grund in anderen europäischen Ländern verboten ist.
Das Aktionsbündnis Fuchs, eine bundesweite Initiative von 60 Natur- und Tierschutzorganisationen, fordert die sofortige Schliessung der Anlage, die in jüngster Vergangenheit durch besonders skandalöse Zustände aufgefallen ist.
In der Schliefanlage werden derzeit die jungen Füchsinnen Lilli und Lotta in kleinen Zwingern gehalten, die gerade eben den gesetzlichen Mindestanforderungen genügen, obwohl Füchse in freier Natur grosse Reviere von mehr als 100 ha bewohnen. Für die Abrichtung der Jagdhunde werden die scheuen Füchsinnen in eine künstliche Bauanlage gesetzt, um dort vom Hund aufgespürt zu werden – auch wenn sie dabei von Gesetzes wegen durch Gitter vom Hund getrennt bleiben müssen, ist der Vorgang für die sensiblen Tiere eine schlimme Tortur. Ziel der Hobby-Jäger ist dabei, die Jagdhunde für die sogenannte Baujagd abzurichten, bei der Füchse und Dachse von scharfen Jagdhunden aus dem Bau vor die Flinten wartender Hobby-Jäger gehetzt werden.
Skandale in der Schliefanlage
Gerade die Schliefanlage in Lemgo-Vossheide ist dabei in der Vergangenheit durch besonders skandalöse Zustände aufgefallen – so wird den Betreibern vorgeworfen, die Füchse nicht regelmässig mit Wasser und Futter zu versorgen (Lippische Landeszeitung, 23.3.2018); gegen einen Schliefenwart wurde 2017 ein Bussgeldentscheid verhängt, weil er eine hochträchtige Füchsin für den Abrichtungsbetrieb eingesetzt hatte.
Juristen und Veterinärmediziner: Grausam und tierschutzwidrig
Ein vom Landkreis in Auftrag gegebenes Gutachten des renommierten Experten für Tierschutzrecht Dr. Christoph Maisack beurteilt den Betrieb in der Schliefanlage als «Abrichtung auf Schärfe», was nach dem Tierschutzgesetz verboten ist. Auch die Kreisveterinärin Dr. Heike Scharfenberg, die sich den Abrichtungs- und Prüfungsbetrieb in Lemgo-Vossheide angesehen hat, berichtet, dass die Füchse dort «erheblichem Stress» ausgesetzt seien.
Massive öffentliche Empörung
Die öffentliche Empörung über die grausame Praxis, Jagdhunde an lebenden Füchsen abzurichten, ist enorm: Ein Bericht des Aktionsbündnisses Fuchs über die in Brandenburg in eine Schliefanlage eingesperrte Jungfüchsin Foxi erreichte innerhalb von nur zwei Tagen knapp 150’000 Menschen; eine entsprechende Petition wurde bislang fast 90’000-mal unterschrieben. Zudem ist auch die Baujagd selbst höchst umstritten: Ein veterinärmedizinisches Gutachten aus der Schweiz kommt etwa zu dem Ergebnis, dass sie als «hochgradig tierquälerisch» zu bewerten sei.
Fuchsjagd ist sinnlos
Anders, als von Hobby-Jägern behauptet, ist die Hobby-Jagd auf Füchse keinesfalls notwendig: Wie eine umfassende Sammlung wissenschaftlicher Studien zeigt, ist die Bejagung von Füchsen zum vermeintlichen Schutz bedrohter Arten nutzlos. Darüber hinaus fördert die Hobby-Jagd sogar die Ausbreitung von Wildtierkrankheiten. Die Hobby-Jagd als Populationskontrolle scheitert nachweislich. Mehr zum Tierschutzproblem der Hobby-Jagd.
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