Deutsche möchten mehr Tierschutz: Bundesregierung ignoriert den klaren Willen der Bevölkerung
Umfrage mit 1'500 Personen belegt: Tierschutz ist Mehrheitswille, Trophäen-Hobby-Jagd wird klar abgelehnt
Deutschland bezeichnet sich gerne als Tierschutz-Nation.
Dass dieser Anspruch in der Realität nicht eingelöst wird, zeigt nun eine repräsentative Umfrage mit über 1’500 Teilnehmenden, die die Organisation Humane World for Animals (ehemals Humane Society International) im Januar 2026 vom Meinungsforschungsinstitut Ipsos durchführen liess. Das Ergebnis ist eindeutig: Vier von fünf Befragten gaben an, dass Tierschutz für sie sehr wichtig oder wichtig ist. Gleichzeitig klafft zwischen diesem gesellschaftlichen Wert und der tatsächlichen Politik eine tiefe Lücke.
Politik weit hinter der Bevölkerung
Nur 21,7 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die Bundesregierung derzeit genug für den Tierschutz tut. Knapp zwei Drittel erwarten deutlich mehr Engagement von der CDU-geführten Regierung. Bemerkenswert: Fast die Hälfte der befragten CDU/CSU-Wählerinnen und -Wähler wünscht sich ebenfalls, dass die eigene Regierung beim Tierschutz erheblich aktiver wird. Tierschutz ist also kein Links-Rechts-Thema – er ist ein breiter gesellschaftlicher Konsens.
Sylvie Kremerskothen Gleason, Landesdirektorin von Humane World for Animals Deutschland, fasst es zusammen: «Die Menschen sind der Politik weit voraus. Tierschutz hat einen festen Platz in der Mitte der Gesellschaft, auch jenseits parteipolitischer Grenzen. Es gibt ein klares Mandat für die Tiere, das unsere politischen Entscheidungsträgerinnen und -träger ernst nehmen müssen.»
Klare Ablehnung der Trophäen-Hobby-Jagd
Besonders brisant ist der Befund zur Trophäen-Hobby-Jagd: Deutschland ist mit Abstand der grösste Importeur von Jagdtrophäen geschützter Tierarten innerhalb der gesamten EU – und wird weltweit nur von den USA übertroffen. Zwischen 2015 und 2024 wurden 7.151 Trophäen geschützter Arten nach Deutschland importiert. Dass die Bevölkerung diese Praxis mehrheitlich ablehnt, ist dem Bericht zufolge klar belegt. Hobby-Jäger, die Elefanten, Löwen oder andere bedrohte Tierarten abschiessen und die Körperteile als Trophäen mit nach Hause bringen, können dabei nicht auf gesellschaftliche Akzeptanz zählen.
Dies fügt sich in ein breiteres Bild: Die Tierrechte und der Schutz wildlebender Tiere stehen in der öffentlichen Wahrnehmung weit über den Interessen einer kleinen Lobby von Hobby-Jägern.
Was die Menschen konkret fordern
Die Umfrage zeigt auch konkrete Forderungen der Bevölkerung. Sieben von zehn Befragten befürworten eine bundesweite Kastrationspflicht für freilaufende Katzen – eine Massnahme, die angesichts von Millionen Strassenkatzen in Deutschland als längst überfällig gilt. Vier von fünf Befragten sprechen sich zudem für eine verpflichtende Kennzeichnungspflicht auf verarbeiteten Lebensmitteln aus, die klar ausweist, welche Art von Eiern verwendet wurde – ob Käfig-, Boden-, Freiland- oder Bioeier.
Die Botschaft der Umfrage ist unmissverständlich: Die Debatte dreht sich nicht mehr darum, ob Tiere besser geschützt werden sollen, sondern darum, wie konsequent dies politisch endlich umgesetzt wird.
Bundesregierung unter Druck
Der Tierschutz-Barometer 2026 erscheint zu einem politisch brisanten Zeitpunkt. Während die neue Bundesregierung beim Jagdgesetz – etwa bei der Aufnahme des Wolfes ins Bundesjagdgesetz – klar zugunsten der Hobby-Jagd-Lobby entschieden hat, zeigt die Umfrage, dass dieser Kurs dem erklärten Willen der Bevölkerung diametral entgegensteht. Tierschutz als «Nischenpolitik» zu behandeln, wie es die Studie der aktuellen Regierung attestiert, ist demokratisch nicht zu rechtfertigen.
Der vollständige Humane World for Animals Tierschutz-Barometer 2026 ist auf der Website der Organisation frei zugänglich. Die Naturschutz-Debatte in Deutschland wird durch solche Zahlen eine neue Qualität erhalten.
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