Fuchsjagd stoppen – Grossen Rat Basel-Stadt anschreiben
Basel-Stadt ist nach Zug der zweite Kanton, dessen Regierung sich offen zeigt, auf die reguläre Fuchsjagd zu verzichten. Auslöser war eine Schriftliche Anfrage von Grossrätin Brigitta Gerber, die der Regierungsrat am 30. Juni 2026 beantwortet hat. Die Antwort ist bemerkenswert deutlich: Die Regierung steht «einer vertieften Prüfung eines Verzichts auf die reguläre Rotfuchs-Bejagung im Kanton Basel-Stadt offen gegenüber» und will diese Frage gemeinsam mit den Gemeinden vertiefen.
Anders als in den meisten Kantonen ist der Widerstand hier gering und die Richtung stimmt. Umso wichtiger ist es, dass die Mitglieder des Grossen Rats diese Öffnung jetzt politisch bestärken, damit aus der Prüfbereitschaft ein konkreter Beschluss wird.
Du kannst etwas tun, egal in welchem Kanton du lebst. Wende dich direkt an deinen Kantonsrat oder deine Nationalrätin. Das ist legal, wirksam und braucht nur wenig Zeit.
Wichtig: Verlass dich nicht allein auf die E-Mail. Wir haben aus mehreren Kantonen Rückmeldungen erhalten, dass Nachrichten zur Hobby-Jagd auf den Fuchs teils als unzustellbar zurückkommen. Ob das an fehlerhaften Adressen oder an einem gezielten Filter liegt, lässt sich von aussen nicht sagen. Setze deshalb besser auf mehrere Kanäle: Schreib einen Brief, ruf an oder such das persönliche Gespräch. Du kannst dich auch direkt an die Parteien und Fraktionen wenden – oft ist eine Nachricht ans Partei- oder Fraktionssekretariat wirksamer als an einzelne Ratsmitglieder. Ein Anruf oder ein Brief lässt sich nicht so leicht ausfiltern wie eine E-Mail und hinterlässt oft mehr Eindruck.
Musterbrief – kopiere diesen Text in dein Mailprogramm
Betreff: Fuchsjagd – bitte bleiben Sie am Thema dran
Sehr geehrte Frau [Name] / Sehr geehrter Herr [Name]
Ich wende mich als Bürgerin / Bürger direkt an Sie, weil mich die Praxis der Fuchsjagd in unserem Kanton beschäftigt.
Der Regierungsrat hat am 30. Juni 2026 auf die Schriftliche Anfrage von Grossrätin Brigitta Gerber geantwortet, er stehe einer vertieften Prüfung eines Verzichts auf die reguläre Rotfuchs-Bejagung offen gegenüber. Diese Haltung begrüsse ich ausdrücklich und bitte Sie, sie im Grossen Rat zu unterstützen und für einen zügigen, konkreten Entscheid zu sorgen.
Die Zahlen des Kantons selbst sprechen für einen Verzicht: In den letzten zehn Jahren wurden in Basel-Stadt durchschnittlich nur fünf Füchse pro Jahr jagdlich erlegt, während im selben Zeitraum durchschnittlich zehn Füchse jährlich als Fallwild durch Verkehr und Krankheit umkamen. Spezialabschüsse durch den Kanton gab es keine. Ein grossräumiges Regulationsziel verfolgt Basel-Stadt ohnehin nicht.
Die wissenschaftliche Grundlage ist eindeutig: Der Fachbericht, den der Kanton Zug bei SWILD in Auftrag gab (Mai 2026), zeigt, dass die Fuchsjagd Bestände nicht nachhaltig reguliert, die Seuchenbekämpfung nicht verbessert und nicht-letalen Schutzmassnahmen unterlegen ist. Genf (seit 1974) und Luxemburg (seit 2015) belegen, dass Wildtiermanagement ohne Fuchsjagd funktioniert.
Ein Verzicht auf die reguläre Bejagung bedeutet nicht, dass gar nicht mehr eingegriffen wird: Kranke, verletzte oder verhaltensauffällige Tiere kann die Wildhut weiterhin gezielt entnehmen. Infrage steht allein das routinemässige Töten gesunder Füchse ohne belegten Nutzen.
Ich danke Ihnen für Ihr Engagement und bitte Sie, den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen.
Freundliche Grüsse
[Ihr Name]
[Ihr Wohnort]
Was der Basler Regierungsrat gesagt hat
Zur fairen Einordnung: Basel-Stadt hat die Fuchsjagd nicht abgeschafft und auch nicht beschlossen, sie abzuschaffen. Der Regierungsrat erklärt seine Bereitschaft, den Verzicht ernsthaft zu prüfen. Das ist eine bewusste Öffnung, aber noch kein Endpunkt.
Aufschlussreich sind die Zahlen, die der Kanton selbst nennt: durchschnittlich fünf jagdlich erlegte Füchse pro Jahr, doppelt so viel Fallwild, keine Spezialabschüsse. Basel-Stadt betreibt schon heute keine grossräumige Bestandsregulation, sondern greift situationsbezogen ein, etwa bei kranken oder verletzten Tieren. Genau diese Eingriffe durch die Wildhut sollen auch bei einem allfälligen Verzicht auf die reguläre Bejagung möglich bleiben.
Der Regierungsrat verweist zudem auf die städtische Struktur des Kantons und mahnt, Erkenntnisse aus grossflächigen ländlichen Regionen liessen sich nicht ungeprüft übertragen. Das ist ein legitimer Vorbehalt. Er ändert nichts daran, dass die Richtung der Antwort auf eine Öffnung hinausläuft.
Der Zuger Befund als Grundlage
Der Basler Vorstoss stützt sich auf einen Bericht, den nicht eine Tierschutzorganisation verfasst hat, sondern eine Fachstelle im Auftrag des Kantons Zug selbst. Der SWILD-Bericht von Dr. Claudia Kistler und Dr. Fabio Bontadina (Mai 2026) kommt zum Schluss: Die Hobby-Jagd reguliert den Fuchsbestand nicht, weil Füchse Verluste durch frühere und fruchtbarere Reproduktion sowie Zuwanderung ausgleichen. Bei Krankheiten ist die Jagd wirkungslos bis kontraproduktiv, die Tollwut wurde durch die orale Impfkampagne ab 1978 besiegt und nicht durch die Flinte. Beim Schutz von Nutztieren sind Zäune und Herdenschutz wirksamer als das Töten von Füchsen.
Die ausführliche Darstellung des Berichts und der Zuger Behördenreaktion findest du in unserem Beitrag «Kanton Zug: Behörden bremsen Fuchsjagd nach Studie».
Der Zuger SWILD-Bericht
Der Kanton Zug hat als bisher einziger Schweizer Kanton auf die Fuchsjagd-Petition von Pascal Wolf mit einer echten wissenschaftlichen Studie reagiert. Die Direktion des Innern gab im Herbst 2025 bei SWILD – Stadtökologie, Wildtierforschung, Kommunikation – einen Fachbericht in Auftrag. Die zweite Version erschien im Mai 2026 und wurde der Jagdkommission am 16. Juni 2026 vorgelegt.
Das Ergebnis ist eindeutig: Die aktuell praktizierte Fuchsjagd kann Bestände nicht nachhaltig regulieren, verbessert die Seuchenbekämpfung nicht und ist für den Schutz von Nutztieren gegenüber nicht-letalen Methoden unterlegen. Die Erfahrungen aus Genf (seit 1974) und Luxemburg (seit 2015) bestätigen: Wildtiermanagement funktioniert ohne Hobby-Jagd auf den Rotfuchs.
Die vollständige Studie ist öffentlich zugänglich: Wissenschaftliche Grundlagen zur Fuchsjagd
Wo du die Kontaktdaten findest
Der Grosse Rat des Kantons Basel-Stadt hat 100 Mitglieder. Anders als in manchen Kantonen gibt es kein einheitliches E-Mail-Muster: Die Kontaktangaben stehen auf der Profilseite jedes Mitglieds unter grosserrat.bs.ch/mitglieder. Über die Fraktionsseiten der Parteien findest du die Mitglieder zusätzlich nach Partei gebündelt.
Was in Basel-Stadt bisher passiert ist
📌 Nach Bern und Luzern: Basel hinterfragt die Fuchsjagd
Im Basler Grossen Rat verlangt eine Grossrätin eine wissenschaftliche Prüfung.
📌 Basel-Stadt prüft den Ausstieg aus der Fuchsjagd, angestossen durch einen Zuger Bericht
Der Regierungsrat erklärt sich offen für eine vertiefte Prüfung eines Verzichts. Fünf jagdlich erlegte Füchse pro Jahr, doppelt so viel Fallwild, kein Nutzen belegt.
🧠 Psychologie der Hobby-Jagd im Kanton Basel-Stadt
Warum die Fuchsjagd auch in einem städtischen Kanton mit kaum Jägern fortbesteht.
