Warum bewaffnete Hirten der falsche Weg sind
Die Forderung nach bewaffneten Hirten klingt nach einer schnellen Lösung im Konflikt mit dem Wolf. Doch sie birgt mehr Probleme als Chancen.
Der Einsatz von Schusswaffen im steilen, unübersichtlichen Gelände der Alpen ist riskant.
Hirten sind in erster Linie Tierhalter, nicht ausgebildete Wildhüter oder Polizisten. Eine Waffe erhöht die Gefahr von Fehlabschüssen, Unfällen und Missverständnissen – für Menschen, Hunde und Wildtiere gleichermassen.
Erfahrungen aus Frankreich zeigen, dass Verteidigungsabschüsse die Zahl der Wolfsrisse kaum senken. Wölfe sind anpassungsfähig, und einzelne Abschüsse lösen das Grundproblem nicht. Wirklich wirksam bleibt nur ein gut kombinierter Herdenschutz aus Behirtung, Hunden, Zäunen und angepasster Weideführung.
Wenn Hirten selbst zur Waffe greifen dürfen, untergräbt das den Schutzstatus des Wolfs. Der Wolf ist eine nach internationalem Recht geschützte Art. Ein faktisches «Schussrecht» schwächt diesen Schutz und kann das Vertrauen in die staatliche Regulierung zerstören.
Bewaffnete Hirten senden ein gefährliches Signal: Statt Konflikte mit Prävention, Planung und Koordination zu lösen, setzt man auf Konfrontation. Das fördert Polarisierung und kann den gesellschaftlichen Konflikt um den Wolf weiter verschärfen.
Der Ruf nach Waffen ist ein Ausdruck von Frust, aber kein nachhaltiges Konzept. Herdenschutz, Prävention, professionelle Wildhüter und faire Entschädigungen sind langfristig sinnvoller, sicherer – und auch mit dem Artenschutz vereinbar.
Es muss berücksichtigt werden, dass der Wolf heutzutage in Teilen der Kantone Wallis und Graubünden sowie im westlichen Waadtländer Jura flächig besiedelt ist. Wolfsbestände regulieren sich in dieser Situation selbst durch ihre Territorialität: Wo ein Rudel lebt, siedelt sich kein neues an. Nach Ansicht der Wissenschaft kann dort auch ohne Regulierung eine Abflachung des Bestandswachstums erwartet werden.
Das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) will noch 2025 einen Bericht vorlegen, der klären soll, unter welchen Bedingungen bewaffnete Hirten rechtlich und praktisch möglich wären. Dabei stehen Fragen nach Ausbildung, Haftung, Kontrolle und Tierschutz im Zentrum.
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