Die irrsinnige Jagd auf Wölfe in der Schweiz
Zu Fuss, aus dem Geländewagen, in kleinen Hütten, die der Helikopter in den Wald hinauf flog oder auch illegal mit Hundefutter angelockt, wurden die Wölfe massakriert. Mit Hilfsmitteln wie Wärmebildkameras und Nachtsichtgeräten, die auf der Jagd normalerweise verboten und verpönt sind. Alle Register wurden gezogen und Gesetze gebrochen.
Während des proaktiven Wolfsmassakers, die letzten fünf Monate, wurden in der Schweiz bis Ende Januar etwa 100 Wölfe geschossen.
Dafür streiften vorwiegend nach Einbruch der Dunkelheit die Wildhüter der Kantone Tausende Stunden durch die Wildnis und störten den Lebensraum aller Wildtiere. Eine Belastung, welche nicht nur die Wildhüter an ihre Grenzen brachte.
17’000 Arbeitsstunden allein im Wallis
Alleine im Wallis erforderte das Wolfsmassaker im vergangenen Jahr knapp 17’000 Arbeitsstunden. Die 26 Wildhüter leisteten laut der Dienststelle für Jagd und Blödsinn über ihr gesamtes Tätigkeitsfeld verteilt 6’400 Überstunden. Im Schnitt sind das 250 Überstunden pro Wildhüter, was bei einem Vollzeitpensum rund sechs Arbeitswochen entspricht.
Das Wolfsmassaker 2024/25 hat den Steuerzahlern Millionen Franken Kosten verursacht – eine Zahl, die angesichts des tatsächlichen Schadens, den Wölfe verursachen, und in Zeiten des Sparens, vollkommen absurd ist. Wie Studien belegen, scheitert die Hobby-Jagd als Populationskontrolle.
Wölfe leisten einen wichtigen ökologischen und ökonomischen Auftrag. Fast die Hälfte aller Wälder in der Schweiz schützt Siedlungen oder Infrastrukturen vor Naturgefahren. Wölfe helfen dem Wald, insbesondere dem Schutzwald und der Verjüngung des Waldes.
Wegen der hohen Wilddichte haben Jungbäume oft kaum eine Chance zu wachsen. Gerade seltene Arten wie die Weisstanne leiden massiv darunter. Das Problem des Wildverbisses kann durch mehr Beutegreifer wie Wölfe und Luchse gelöst werden. Mehr zur Biodiversität und dem ökologischen Nutzen von Beutegreifern.
Wälder sind essenziell für den Klimaschutz. Bäume nehmen Kohlendioxid aus der Luft auf und speichern es langfristig. Eine Studie der University of Leeds zeigt, dass sich mit der Rückkehr der Wölfe pro Jahr eine zusätzliche Million Tonnen CO₂ binden liesse. Besonders bemerkenswert: Die Forscher haben berechnet, dass jeder einzelne Wolf zur Speicherung von 6’080 Tonnen CO₂ jährlich beitragen würde. Basierend auf aktuellen Berechnungen zum Wert von CO₂ wäre jedes Tier damit theoretisch rund 170’000 Franken «wert».
Bund kürzt Herdenschutzgelder
Besonders skandalös ist, dass der Bund unter der Regie von Bundesrat Albert Rösti sogar Gelder für den Herdenschutz kürzt, obwohl dieser nachweislich Angriffe um bis zu 100 % reduzieren kann. Die Anzahl Risse ist nicht vom Wolfsbestand abhängig, sondern von den Herdenschutzmassnahmen. So gab es in der Vergangenheit Jahre mit besonders vielen Schäden trotz tiefen Wolfsbestands. Der grösste Teil der getöteten Nutztiere wird aus ungeschützten Alpen gerissen.
7’000 Stunden waren die Waadtländer Wildhüter für das Wolfsmassaker im Einsatz, andere wichtige Aufgaben blieben laut den Behörden deshalb liegen. Sechs Wölfe wurden im Waadtländer Jura massakriert, dafür waren die Beamten 115 Nächte unterwegs. Heisst: Die Wildhüter verbrachten im Schnitt 20 Nächte im Wald für einen toten Wolf.
Der Kanton bezweifelt, dass die 30 in der Waadt gerissenen Tiere einen solchen personellen und letztlich auch finanziellen Aufwand rechtfertigen.
Waadtländer Umweltverantwortlicher fordert Umdenken
Stattdessen hofft der Waadtländer Umweltverantwortliche Vassilis Venizelos auf besseren Herdenschutz. «Für 2025 wünsche ich mir, dass weniger Zeit, weniger Geld und weniger Energie in die Regulierung und mehr in den Schutz investiert wird», sagt Venizelos. Doch der Bund macht unter der Regie von Umweltminister Albert Rösti (57) nicht mit, ziehe sich aus dem Herdenschutz zurück, kritisiert er. «Das ist Unsinn!» Das Genfer Modell zeigt, dass Wildtiermanagement ohne Hobby-Jagd funktioniert.
Die Hobby-Jagd auf unschuldige Jungtiere, das willkürliche Eliminieren ganzer Rudel, systematische Abschiessen «falscher Wölfe» sowie die Geld- und Ressourcenverschwendung zeigen: Das ist in einem zivilisierten Land unwürdig. Mehr zum Tierschutzproblem der Hobby-Jagd.
Dossier: Wolf Schweiz: Fakten, Politik und Grenzen der Jagd
Mitmach-Aktion: Fordert bei Eurer Gemeinde aufgrund der katastrophalen Politik von Bundesrat Albert Rösti (SVP) ein Erlassgesuch für die Bundes- und Kantonssteuern aufgrund des neulich bewilligten Abschusses von Wölfen in der Schweiz. Den Musterbrief könnt ihr hier downloaden: https://wildbeimwild.com/ein-appell-fuer-eine-veraenderung-in-der-schweiz/

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