Schweiz als Schlusslicht bei Schutzgebieten
Die Schweiz inszeniert sich gern als Naturland, doch bei den Schutzgebieten ist sie europäisches Schlusslicht. Während in der EU grossflächige Nationalparks, Natura‑2000‑Gebiete und neue Reservate für Wildtiere ausgewiesen werden, verharrt die Schweiz seit Jahren auf einem zu tiefen Niveau. Für viele Arten, die auf störungsarme Lebensräume angewiesen sind, bleibt der Druck hoch, insbesondere durch die Hobby-Jagd, Forstwirtschaft, Tourismus und Infrastruktur.
«Wer noch übrig ist»
In Skandinavien, im Alpenraum und in Teilen Südeuropas entstehen neue Grossschutzgebiete, in denen zumindest ein Teil der Landschaft aus der Nutzung genommen wird.
Diese Gebiete bieten Wildtieren Rückzugsräume, in denen sie ihre natürlichen Verhaltensweisen ausleben können, ohne permanent bejagt oder vertrieben zu werden.
Die Schweiz hingegen diskutiert seit Jahren über kleinräumige Patches, Sonderregeln und Ausnahmen, statt eine klare Strategie für echte Wildnis und grossräumige ökologische Vernetzung zu entwickeln. Das Ergebnis ist ein Fleckenteppich aus teilweise übernutzten Schutzflächen, in denen jagdliche Interessen, forstliche Nutzung und touristische Erschliessung häufig höher gewichtet werden als die Bedürfnisse der Wildtiere. Besonders problematisch ist, dass ausgerechnet sensible Arten wie Rothirsch, Gämse oder grosse Beutegreifer selten grossflächige störungsarme Zonen vorfinden.
Parallel dazu verschärft sich die Biodiversitätskrise. In unserem Bereich Biodiversität dokumentieren wir, wie Lebensräume fragmentiert werden, wie Hobby-Jagd und Landnutzung auf bedrohte Arten wirken und wie schwer sich die Politik mit verbindlichen Zielen tut. Während die EU sich zumindest formell ambitionierte Flächenziele setzt und neue Schutzkategorien etabliert, bleiben Schweizer Ziele oft vage oder unverbindlich und werden regelmässig verfehlt. Während EU-Länder im Schnitt rund ein Viertel ihrer Fläche sichern, kommt die Schweiz je nach Zählweise nur auf etwa zehn Prozent.
Gerade im Alpenraum zeigt sich der Unterschied deutlich: Wo Nachbarländer Nationalparks, Wildruhezonen und jagdfreie Kerngebiete ausbauen, setzt die Schweiz weiterhin stark auf «Nutzungsoptimierung» und jagdliche Steuerung. Damit wird das eigentliche Potenzial von Schutzgebieten unterlaufen: Wildtiere sollen nicht nur überleben, sondern in funktionierenden Ökosystemen leben können. Solange Schutzgebiete primär als Verhandlungsmasse zwischen Nutzergruppen behandelt werden, statt als Rückgrat einer ernst gemeinten Biodiversitätsstrategie, bleibt die Schweiz das Schlusslicht und Wildtiere zahlen den Preis.
Mehr zum Thema Hobby-Jagd: Die wissenschaftlichen Belege stehen in der Übersicht Studien zu den Auswirkungen der Hobby-Jagd.
Die Position der IG Wild beim Wild: Die IG Wild beim Wild lehnt die Hobby-Jagd ab. Unser Vorbild ist der Kanton Genf, der seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt: ohne Jagdzeiten, ohne Jagdhunde, ohne Treibjagden, ohne Hochsitze, ohne die Tierquälerei und die Kriminalität, die anderswo zur Jagdsaison gehören. Was dort seit über fünfzig Jahren funktioniert, widerlegt jedes Positionspapier von JagdSchweiz. Ein Verband, der seine Politik auf Behauptungen stützt, die er in den eigenen Dokumenten widerlegt, ist keine Fachorganisation, sondern eine Fabrik für Fehlinformationen.
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