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Jagd

Stille Wolfs-Ausrottung: Die Schweiz schiesst Welpen

Der Kanton Graubünden hat Ende Juli 2025 ein weiteres Gesuch für ein Massaker des Wolfsbestands beim Bundesamt für Umwelt (Bafu) eingereicht. Das Ziel: ab 1. September in allen Rudeln mit konkreten Hin- oder Nachweisen auf aktuellen Nachwuchs bis zu zwei Drittel der bestätigten Jungtiere erlegen zu können.

Redaktion Wild beim Wild — 1. September 2025

Während der Hoch- und Sonderjagd unterstützen Hobby-Jäger die Massaker. Wer den Wolf so «schützt», führt nicht Management, sondern Massenvernichtung im Schafspelz.

Von offizieller Seite klingt es harmlos: «Wir brauchen mehrere Jahre Erfahrung und Daten zur Wolfsregulation, um aussagekräftige Resultate zu deren Wirkung zu erhalten», sagt Hobby-Jäger Adrian Arquint, Leiter des Bündner Amts für Jagd und Blödsinn, gegenüber SRF News am 27.8.2025.

Ein Satz wie aus dem Lehrbuch für beruhigende Behördenrhetorik. Doch wer genauer hinschaut, erkennt: Es ist nichts anderes als ein Ablenkungsmanöver. Gleichzeitig verschleiert man damit, dass es sehr wohl Studien gibt, die schon jetzt zeigen, dass ein Abschuss von Welpen gefährlich für die Populationsdynamik ist.

Denn die Wissenschaft ist längst klar. Internationale Studien zeigen seit Jahren, was passiert, wenn Welpen abgeschossen werden: Die Population kippt. Die IWJ-Studie (Griesberger et al. 2022) belegt, dass schon eine Erhöhung der Welpenmortalität von 50 auf 76 % ausreicht, um das Wachstum ins Negative zu drehen. Und Populationsanalysen warnen: Bei rund 40 % Jungtiersterblichkeit und 30 % bei Erwachsenen ist die Stabilität dahin. Graubünden und Wallis wollen 66 % der Welpen töten – eine Zahl, die den Kollaps fest einplant. In Verbindung mit weniger Reproduktion oder zusätzlichem Sterben von Weibchen, Fehlabschüssen usw. droht sogar das lokale Aussterben.

Trotzdem setzt Graubünden – gemeinsam mit dem Wallis, Bundesrat Albert Rösti und dem BAFU – genau auf diese Strategie. Die Verantwortlichen wissen sehr genau, was sie tun. Das macht es noch schlimmer.

Von «Erfahrungen sammeln» kann also keine Rede sein. Es geht nicht ums Lernen, sondern ums Durchsetzen. Ums Umsetzen einer Politik, die wider besseres Wissen die Zerstörung einer geschützten Art riskiert. Oder genauer: einkalkuliert.

Das Märchen vom vorsichtigen Herantasten mag der Bevölkerung gefallen. In Wahrheit ist es ein Täuschungsmanöver. Der Wolf wird nicht «reguliert», er wird systematisch ausgedünnt – bis zu dem Punkt, an dem eine stabile Population nicht mehr existiert. Dass dabei internationale Verpflichtungen wie die Berner Konvention oder die Biodiversitätsstrategie verletzt werden, scheint nebensächlich. Der Wille der Mehrheit der Bevölkerung wird auch missachtet.

So bleibt am Ende nur die bittere Erkenntnis: Was hier betrieben wird, ist kein «Wildtiermanagement». Es ist eine schleichende Wiederausrottung – getarnt als Lernprozess, verkauft als Vorsicht, in Wahrheit aber eiskalt geplant.

Dossier: Wolf Schweiz: Fakten, Politik und Grenzen der Jagd

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