Rettet Rillette: Kampf um ein Wildschwein in Frankreich
Wildschweine sind bekannt dafür, dass sie gerne Wiesen und Weiden umpflügen. In den Köpfen mancher Menschen tauchen sie nur als leckerer Braten auf. In Frankreich aber hat eines die Herzen erobert.
Ein Wildschwein, das von den örtlichen Behörden eingeschläfert werden sollte, ist in Frankreich zu einer Berühmtheit geworden, die von Tierschützern und der französischen Schauspielerin Brigitte Bardot unterstützt wird.
Das Wildschwein, das nach der französischen Gourmetspezialität Rillette genannt wurde (einer langsam gekochten Fleischpastete), wurde von Elodie Cappé, der Besitzerin des Pferdehofs Saint-Clair in Chaource (Region Auvergne-Rhône-Alpes), gerettet.
Rillette wurde erstmals im April 2023 verletzt aufgefunden, nachdem sie einer Hobby-Jagd entkommen war. Cappé kümmerte sich um das Wildschwein, hielt es in einem sicheren Gehege und liess es impfen.
Die Behörden der Region Aube und die Französische Agentur für Biodiversität (OFB) forderten jedoch, Rillette in ein geeignetes Schutzgebiet zu bringen – oder sie zu töten, da die Gefahr einer Erkrankung und der Gefährdung der öffentlichen Sicherheit bestehe, berichtete die Zeitung Le Figaro.
Aktivisten rufen zu #SaveRillette auf
Cappé weigert sich, das Tier auszuhändigen, und riskiert nun drei Jahre Haft und eine Geldstrafe von 150’000 Euro.
Hashtags zur Unterstützung von Rillette haben sich in den sozialen Medien verbreitet und gehen viral, darunter #sauvezrillette (rettet Rillette) und #vivrensemmble (zusammenleben).
Eine Petition zur Rettung des Wildschweins hat seit Anfang Dezember 173’810 Unterschriften gesammelt, während der französische Musik-Youtuber Monsieur Seby im Dezember 2024 ein Lied mit dem Titel «La Chanson pour sauver Rillette» (Das Lied zur Rettung von Rillette) für seine über 900’000 Follower geschrieben hat.
Die französische Schauspielerin und Sängerin Brigitte Bardot hat sich ebenfalls zu Wort gemeldet. In einer handschriftlichen Notiz, die auf X veröffentlicht wurde, bezeichnete Bardot die Beamten, die das Wildschwein töten wollten, als «Mörder».
Der Fall Rillette ist der jüngste in einer spannungsgeladenen Debatte über die Rolle der Wildschweine in Europa. Auch in der Schweiz wird die Hobby-Jagd auf Wildschweine kritisch hinterfragt.
Welchen Beitrag leisten Wildschweine zu Ökosystemen in Europa?
Einheimische Wildschweine spielen eine entscheidende Rolle bei der Erhaltung der Artenvielfalt, wie eine Studie der Universität Queensland im Jahr 2021 ergab.
Die Forscher beschrieben die Säugetiere als «zufällige Waldgärtner», die durch das Beschneiden von Setzlingen und den Bau von Geburtsnestern in flachen, trockenen Wäldern zu einer grösseren Baumvielfalt beitragen.
Durch das Umgraben des Bodens auf der Suche nach Nahrung schaffen sie komplexe Mikrohabitate, die Vögeln und anderen Kleintieren helfen, sich zu ernähren. Ein Beweis dafür, dass Wildtiere als unsichtbare Landschaftsarchitekten wirken.
Die gemeinnützige Organisation Rewilding Britain bezeichnet die Art als «den Inbegriff eines Bodenökosystem-Ingenieurs». Die meisten Rewilding-Projekte im Vereinigten Königreich verwenden jedoch domestizierte Schweine wie die Tamworth-Rasse, um eine ähnliche Funktion zu erfüllen, da es Gesetze gibt, die die Wiedereinführung von Wildschweinen in der britischen Landschaft verhindern.
Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unseren Dossiers zur Kritik an der Hobby-Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte. Die wissenschaftlichen Belege stehen in der Übersicht Studien zu den Auswirkungen der Hobby-Jagd.
Die Position der IG Wild beim Wild: Die IG Wild beim Wild lehnt die Hobby-Jagd ab. Unser Vorbild ist der Kanton Genf, der seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt: ohne Jagdzeiten, ohne Jagdhunde, ohne Treibjagden, ohne Hochsitze, ohne die Tierquälerei und die Kriminalität, die anderswo zur Jagdsaison gehören. Was dort seit über fünfzig Jahren funktioniert, widerlegt jedes Positionspapier von JagdSchweiz. Ein Verband, der seine Politik auf Behauptungen stützt, die er in den eigenen Dokumenten widerlegt, ist keine Fachorganisation, sondern eine Fabrik für Fehlinformationen.
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