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Jagd

Schweden: Samen erhalten Jagdrechte zurück

Schwedens Oberster Gerichtshof spricht den Samen die alleinige Vergabe der Jagdrechte zu. 300'000 Hobby-Jäger bangen um ihre Privilegien.

Redaktion Wild beim Wild · 2. November 2020

In Schweden hat der Oberste Gerichtshof in einem Urteil dem indigenen Volk der Samen die alleinige Vergabe der Jagdrechte für Kleinwild und Fisch zugesprochen.

Für die Samen ein historisch bedeutender Moment, für die schwedischen Hobby-Jäger ein Ärgernis. Es droht die Eskalation eines langen schwelenden Konfliktes: Wem gehört das Land der Rentiere?

Jahrtausendealte Rechte anerkannt

Das Argument der Samen-Gemeinde Girjas, das letztlich auch den Obersten Gerichtshof überzeugte: Seit Tausenden von Jahren hätten sie hier gejagt, gefischt und das Land als Weideland für ihre Rentiere genutzt. Bis der schwedische Staat kam und ihnen, aus ihrer Sicht, immer mehr Land und damit ihre Lebensgrundlage nahm.

Zwischen 20’000 und 40’000 Menschen gehören der Gruppe der Samen in Schweden an. Rund 4’700 von ihnen sind Rentierbesitzer, wie die Familie von Ylva Sarri. Sie begrüsst das Urteil, denn die schwedischen Hobby-Jäger würden mit ihren Hunden die Rentiere ängstigen und die Arbeit der Samen behindern. Regelmässig fangen die Halter ihre Tiere ein, um sie zu schlachten und Fleisch und Fell zu verkaufen.

300’000 Hobby-Jäger bangen um Privilegien

Joachim Almgren ist einer von über 300’000 schwedischen Hobby-Jägern im Land, der nun bangt, mit seinen Hunden in Zukunft nur noch eingeschränkt jagen zu können. Hobby-Jagd und Fischfang sind bei den Schweden beliebte Freizeitaktivitäten, auf die sie ungern verzichten würden. Was, wenn andere Samen-Gemeinden dem Vorbild von Girjas Sameby folgen und vor Gericht ziehen, um die alleinige Vergabe der Jagdrechte zu erstreiten? Welches ist das höhere Gut: das Wohl der Rentiere oder das Jagdrecht der schwedischen Hobby-Jägerschaft? Das Dossier Jagdmythen zeigt, warum die Interessen der Hobby-Jägerschaft regelmässig über dem Tierschutz stehen.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: Im Dossier Wilderei und Jagdkriminalität in der Schweiz dokumentieren wir Fälle, Rechtsfragen und wiederkehrende Muster. Die wissenschaftlichen Belege stehen in der Übersicht Studien zu den Auswirkungen der Hobby-Jagd.

Die Position der IG Wild beim Wild: Die IG Wild beim Wild lehnt die Hobby-Jagd ab. Unser Vorbild ist der Kanton Genf, der seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt: ohne Jagdzeiten, ohne Jagdhunde, ohne Treibjagden, ohne Hochsitze, ohne die Tierquälerei und die Kriminalität, die anderswo zur Jagdsaison gehören. Was dort seit über fünfzig Jahren funktioniert, widerlegt jedes Positionspapier von JagdSchweiz. Ein Verband, der seine Politik auf Behauptungen stützt, die er in den eigenen Dokumenten widerlegt, ist keine Fachorganisation, sondern eine Fabrik für Fehlinformationen.

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