25. Juli 2026, 14:36

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Jagdruhe bei Hitzewellen und auf Brandflächen

Wildtiere brauchen nach Hitzewellen und Bränden Ruhe statt zusätzlichen Jagddruck. Der Vorstoss fordert automatische Sperrfristen.

1. Motion

Der Regierungsrat wird beauftragt, dem Grossen Rat eine Revision der kantonalen Jagdgesetzgebung (………) vorzulegen, mit der im Kanton (………) die Ausübung der Hobby-Jagd bei Extremwetterereignissen und auf brandgeschädigten Flächen ausgesetzt wird. Die Revision hat insbesondere sicherzustellen, dass:

  • die Hobby-Jagd während der von MeteoSchweiz ausgerufenen Hitzewarnung ab Stufe 3 automatisch und ohne behördlichen Einzelentscheid ruht, solange die Warnung gilt und für die zwei darauffolgenden Tage;
  • die Hobby-Jagd auf Flächen, die durch Waldbrand geschädigt wurden, sowie in einem angemessenen Umkreis um diese Flächen für mindestens fünf Jahre untersagt wird;
  • bei ausserordentlich grossflächigen Bränden die Sperrfrist durch die zuständige Stelle verlängert werden kann;
  • die zuständige Stelle die betroffenen Perimeter unverzüglich ausscheidet, öffentlich zugänglich publiziert und die Aufhebung der Sperre an eine dokumentierte Beurteilung der Regeneration von Lebensraum und Wildtierbestand knüpft;
  • allfällige Ausnahmen für seuchenpolizeilich begründete Eingriffe abschliessend geregelt, befristet und öffentlich begründet werden.

Der Regierungsrat berücksichtigt in seiner Vorlage die erforderlichen Übergangsbestimmungen, insbesondere im Hinblick auf bestehende Jagdplanungen sowie laufende Jagdverhältnisse.

2. Kurze Begründung

Hitzewellen und Waldbrände haben in der Schweiz zugenommen und treffen Wildtiere in einer Phase, in der ihr Energiehaushalt ohnehin am Limit ist. Bei anhaltender Hitze reduzieren Wildtiere ihre Aktivität, sind auf Wasser und thermische Rückzugsräume angewiesen und meiden offene Flächen. Die Rehbrunft fällt in die heissesten Wochen des Jahres, Rehböcke legen dann weite Strecken zurück, fressen kaum und verlieren an Körpergewicht. Zusätzlicher Jagddruck in dieser Phase bedeutet vermeidbares Leiden und erhöht das Risiko von Fehlschüssen und langen Nachsuchen.

Nach einem Waldbrand fehlen Nahrung und Deckung über Jahre. Untersuchungen aus Südeuropa zeigen, dass Brandflächen auch zehn Monate nach dem Ereignis kaum natürliche Regeneration aufweisen. Wer in dieser Situation die verbliebenen Tiere bejagt, verhindert den Wiederaufbau der Bestände.

Bemerkenswert ist die geltende Ungleichbehandlung: Bei Hitzewarnungen werden Sportanlässe abgesagt, Tiertransporte eingeschränkt und der Bevölkerung wird empfohlen, die Mittagshitze zu meiden. Die Ausübung der Hobby-Jagd bleibt davon unberührt, obwohl Jagdverbände selbst auf die Hitzebelastung der Wildtiere hinweisen.

Andere Staaten kennen entsprechende Instrumente. Portugal untersagte 2019 mit der Portaria n.º 283/2019 die Jagd auf grossflächig abgebrannten Gebieten samt Schutzzone bis zum Ende der Jagdsaison, weil die reguläre Sperrfrist als ungenügend beurteilt wurde. In spanischen Regionen bestehen mehrjährige Nutzungsbeschränkungen für Brandflächen. In der Schweiz fehlt eine vergleichbare Regelung.

Das Bundesjagdgesetz legt den Rahmen für Schutz und Nutzung wildlebender Säugetiere und Vögel fest. Die Kantone verfügen jedoch über einen erheblichen Gestaltungsspielraum bei Jagdsystem, Jagdplanung und zusätzlichen Schutzbestimmungen. Innerhalb dieses Spielraums kann der Kanton (………) eine automatische Jagdruhe bei Hitzewarnung sowie eine mehrjährige Sperrfrist für Brandflächen einführen.

Laut Bundesrecht muss kein Kanton in der Schweiz die Hobby-Jagd vorsehen. Es ist das Recht der Kantone, zu entscheiden, ob die Jagd zugelassen wird oder nicht. Entscheidet sich ein Kanton gegen oder auch nur teilweise gegen die Jagd, kann er dies laut Bundesverfassung frei tun. Der Kanton Genf hat sich längst für diesen vorbildlichen Weg entschieden.

Mit der vorliegenden Motion wird der Regierungsrat beauftragt, eine klare gesetzliche Grundlage zu schaffen, die Wildtiere nach Extremereignissen wirksam schützt, vermeidbares Tierleid reduziert und die Jagdpraxis an die Realität des Klimawandels anpasst.

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