Unkultur

Magdenau: Bauernhof ermutigt Kinder zur Mäusejagd gegen Langeweile

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Tiere quälen gegen Langeweile: Aufgrund der Corona-Krise sind die Schulen in der Schweiz momentan geschlossen. Daher warb die Bauernhofspielgruppe „Heufäger“ der Familie Jud-Peterer in Magdenau damit, dass Schüler bei der Jagd auf Mäuse unterstützen können. 

Dies sei eine „sinnvolle“ Beschäftigung gegen Langeweile in der Ausnahmesituation findet Nicole Jud-Peterer, die mit ihrem Ehemann Marcel und den drei Kindern Lio (12), Enya (10) und Neva (6) einen Bauernhof mit Milchwirtschaft kurz nach dem Weiler Magdenau an der Strecke Richtung Wolfertswil bewirtschaftet. Von Abstandhalten und zu Hause bleiben in der momentanen Corona-Krise keine Spur. PETA Schweiz kritisiert den Vorschlag scharf. Denn das Fangen und Töten von Tieren Kindern vermittelt, dass Tiere Störfaktoren seien und es in Ordnung wäre, sie zu töten. Die Tierrechtsorganisation forderte die Familie daher Ende März in einem bisher unbeantworteten Schreiben auf, Tierleid nicht weiter als Freizeitbeschäftigung zu verharmlosen und anzupreisen. Die Organisation sieht die Spielgruppe in der Pflicht, Kinder über die positiven Eigenschaften von Mäusen aufzuklären und Freizeitangebote zu bewerben, für die kein Tier leiden muss.

„Es ist skandalös, dass die Bauernhofspielgruppe in Magdenau Schüler zum Töten fühlender Lebewesen animiert. Kinder sollten beigebracht bekommen, empathisch zu handeln und Tiere als fühlende und leidensfähige Mitgeschöpfe zu begreifen“, so Fachreferentin Nadja Michler im Namen von PETA Schweiz. „Noch dazu ist das Töten der Mäuse unnötig, da durch die Anwesenheit von Beutegreifern wie Füchsen oder Mardern der Bestand natürlich reguliert wird. Auch Mäuse sind ein Teil der Natur und haben gleichermassen das Recht, ihren Lebensraum zu nutzen.“

Fuchsjagd-Stopp als Lösung für „Mäuseplage“ – natürliche Feinde fördern

Gerade in der Landwirtschaft werden Mäuse teilweise als vermeintliches „Ärgernis“ oder „Plage“ wahrgenommen. PETA Schweiz weist darauf hin, dass es geeignetere Massnahmen gibt, als jährlich Millionen der hochintelligenten Tiere mit Gift oder Fallen zu töten. Allen voran empfiehlt die Tierrechtsorganisation nachdrücklich, die Fuchsjagd flächendeckend zu verbieten – denn Untersuchungen zufolge ernährt sich jeder Fuchs von rund 3.000 bis 5.000 Mäusen pro Jahr. Hobby-Jäger stellen den nützlichen Tieren mit Fallen, Gewehren und der Baujagd nach. Dabei ernähren sich Füchse nicht nur von Mäusen, sondern sichern auch ihren Beutearten das Überleben, indem sie schwache und kranke Tiere erbeuten und Krankheitsherde somit sofort eliminieren. Zusätzlich könnten zur Vergrämung weitere natürliche Feinde der Nager gefördert werden, etwa Greifvögel durch das Anbringen von Sitzstangen.

Mäuse sind faszinierende Tiere – Kindern Wissen vermitteln

PETA Schweiz ruft dazu auf, Kindern spannendes Wissen über Tiere zu vermitteln, statt ihnen fälschlicherweise schlechte Eigenschaften zuzusprechen. Mäuse zum Beispiel können Freundschaften knüpfen und sind sehr anhänglich. Ihren Nachwuchs ziehen die äusserst verspielten, neugierigen Nager zusammen in „Gruppennestern“ auf. Genau wie wir Menschen fühlen auch sie sich einsam und können ängstlich oder gestresst sein, wenn sie keine Gesellschaft haben. Darüber hinaus verfügen sie über ein komplexes Kommunikationssystem und kommunizieren vor allem über hochfrequente Töne im Ultraschallbereich, die für Menschen nicht wahrnehmbar sind. Um ihre Auserwählten für sich zu gewinnen, zwitschern Mäuse sogar.