05.10.2026, 22:45

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Fuchsjagd stoppen – Landrat Glarus anschreiben

Der Kanton Glarus hat im Juni 2026 die Petition zur wissenschaftlichen Überprüfung der Fuchsjagd abgelehnt – mit Verweis auf die Bundeskompetenz, ohne eine einzige Studie zu nennen. Die Antwort von Landammann Dr. Markus Heer umfasst drei Absätze. Auf den offenen Brief der IG Wild beim Wild mit sieben konkreten Fragen und zwei Wochen Frist folgte keine Antwort. Am 14. Juni 2026 fanden Landratswahlen statt; die neue Mitgliederliste 2026–2030 wird in den nächsten Wochen publiziert.

Du kannst etwas tun, egal in welchem Kanton du lebst. Wende dich direkt an deinen Kantonsrat oder deine Nationalrätin. Das ist legal, wirksam und braucht nur wenig Zeit.

Wichtig: Verlass dich nicht allein auf die E-Mail. Wir haben aus mehreren Kantonen Rückmeldungen erhalten, dass Nachrichten zur Hobby-Jagd auf den Fuchs teils als unzustellbar zurückkommen. Ob das an fehlerhaften Adressen oder an einem gezielten Filter liegt, lässt sich von aussen nicht sagen. Setze deshalb besser auf mehrere Kanäle: Schreib einen Brief, ruf an oder such das persönliche Gespräch. Du kannst dich auch direkt an die Parteien und Fraktionen wenden – oft ist eine Nachricht ans Partei- oder Fraktionssekretariat wirksamer als an einzelne Ratsmitglieder. Ein Anruf oder ein Brief lässt sich nicht so leicht ausfiltern wie eine E-Mail und hinterlässt oft mehr Eindruck.

Musterbrief – kopiere diesen Text in dein Mailprogramm

Betreff: Fuchsjagd Glarus – bitte handeln Sie

Sehr geehrte Frau [Name] / Sehr geehrter Herr [Name]

Ich wende mich als Bürgerin / Bürger direkt an Sie, weil mich die Praxis der Fuchsjagd in unserem Kanton beschäftigt.

Der Glarner Regierungsrat hat im Juni 2026 die Petition zur wissenschaftlichen Überprüfung der Fuchsjagd mit drei Absätzen abgelehnt und keine einzige Studie zitiert. Der Verweis auf das Bundesrecht beantwortet die falsche Frage: Kein Bundesgesetz zwingt den Kanton Glarus, Füchse zu schiessen. Die Petition fragte nicht, ob es erlaubt ist, sondern ob es nötig und zweckmässig ist.

Die Forschungslage ist eindeutig: Kompensationseffekte gleichen Abschüsse rasch aus – höhere Geburtenraten, Zuwanderung (Baker & Harris 2006; Rushton et al. 2006; Kämmerle et al. 2019). Der Kanton Luzern, der als einziger Kanton Krankheitsdaten beim erlegten Fuchs erhebt, zeigt: Von 2’217 getöteten Füchsen hatten nur 39 einen Krankheitsbefund – über 98 Prozent waren gesund. Beim Fuchsbandwurm ist die Jagd sogar kontraproduktiv: Eine französische Studie aus dem Raum Nancy (Comte et al. 2017) zeigt, dass intensive Bejagung die Prävalenz von 44 auf 55 Prozent erhöhte. In Luxemburg sank sie nach dem Jagdverbot 2015 von rund 40 auf unter 10 Prozent.

Füchse schützen zudem vor Zeckenkrankheiten: Sie regulieren Nager als Borreliose-Reservoire. Wer Füchse schiesst, schwächt diesen Schutzwall. Der Schweizerische Nationalpark ist seit 1914 jagdfrei – über hundert Jahre, keine Bestandsexplosion, keine Seuchenprobleme. Der Kanton Genf kommt seit 1974 ohne Hobby-Jagd aus, für rund eine Million Franken pro Jahr Wildtiermanagement.

Kanton Zug hat 2025 als einziger Kanton eine unabhängige Studie bei SWILD in Auftrag gegeben. Das Ergebnis (Mai 2026): Fuchsjagd reguliert nichts, verbessert die Seuchenbekämpfung nicht, nicht-letale Methoden sind überlegen. Glarus könnte denselben Weg einschlagen.

Der Kanton Genf kommt seit 1974 ohne Hobby-Jagd aus – und damit faktisch auch ohne Fuchsjagd: Nur staatliche Wildhüter dürfen dort eingreifen, in den letzten zwei Jahren ohne einen einzigen Regulierungsabschuss.

Ich bitte Sie, sich im Landrat für eine wissenschaftlich fundierte Überprüfung der Fuchsjagd einzusetzen – statt auf Bundeskompetenz zu verweisen, wenn der Bund selbst Handlungsspielraum lässt.

Freundliche Grüsse
[Ihr Name]
[Ihr Wohnort]

Was im Kanton Glarus entschieden wurde

Landammann Dr. Markus Heer antwortete im Juni 2026 auf die Petition von Pascal Wolf mit drei Absätzen. Kernaussage: Der Bund erlaube die Jagd, also sei alles in Ordnung. Wissenschaftliche Studien wurden nicht erwähnt. Die IG Wild beim Wild sandte daraufhin einen offenen Brief mit sieben konkreten Fragen an Landammann Heer und setzte eine Frist von zwei Wochen. Eine Antwort blieb aus.

Der Kanton Zug hat denselben Handlungsspielraum genutzt und eine unabhängige Studie in Auftrag gegeben. Das Ergebnis: Die Fuchsjagd ist wissenschaftlich nicht begründbar. Glarus hat diesen Weg nicht beschritten – und schweigt auf Nachfrage.

Die sieben Fragen an den Glarner Regierungsrat

Der offene Brief der IG Wild beim Wild an Landammann Heer stellte folgende Fragen, auf die keine Antwort erfolgte:

1. «Keine Hinweise» – aber keine Quelle: Auf welche Daten stützt sich die Feststellung, die Fuchsbejagung widerspreche der Nachhaltigkeit nicht? Hat der Kanton die wissenschaftliche Literatur je gesichtet?

2. «Darf» ist nicht «muss»: Das Bundesrecht erlaubt die Fuchsjagd. Es verpflichtet nicht dazu. Warum beantwortet der Regierungsrat eine Frage, die niemand gestellt hat – und lässt die gestellte Frage unbeantwortet?

3. Die wissenschaftliche Befundlage: Kompensationseffekte bei der Fuchsbejagung sind seit Jahrzehnten dokumentiert. Luzern zeigt: über 98 Prozent der erlegten Füchse waren gesund. Luxemburg: Fuchsbandwurm-Prävalenz sank nach Verbot von rund 40 auf unter 10 Prozent. War dem Regierungsrat diese Befundlage bekannt?

4. Jagdfreie Räume als Praxistest: Kanton Genf – seit 1974 ohne Hobby-Jagd, eine Million Franken pro Jahr, keine prophezeiten Probleme. Schweizerischer Nationalpark – jagdfrei seit 1914, über hundert Jahre dokumentiert. Hat der Regierungsrat diese Erfahrungen berücksichtigt?

5. Stimmen aus der Jägerschaft: Zürcher Hobby-Jäger Franz Balmer: «Wir schaden dem Ansehen der Jagd mehr, als dass wir ihm nützen.» Wildtierbiologin Sandra Gloor: Der Abschuss eines Fuchses bewirke «absolut nichts». Ex-Präsident der Bündner Jägerschaft Robert Brunold: «Nötig ist die Niederjagd nicht.» Worauf stützt der Glarner Regierungsrat seine gegenteilige Gewissheit?

6. Tierschutzgesetz: Art. 4 Abs. 2 TSchG verbietet, Tieren ungerechtfertigt Leiden zuzufügen. Wie rechtfertigt der Kanton das jährliche Töten von Füchsen, wenn er eine Prüfung dieses Nutzens ausdrücklich ablehnt?

7. Gesundheitsgefahr: Füchse regulieren Nager als Zecken-Reservoire und schützen so vor Borreliose. Intensive Fuchsbejagung erhöht laut Forschung die Fuchsbandwurm-Prävalenz. Die Tollwut wurde durch Impfköder besiegt, nicht durch Jagd. Wer also behauptet, die Fuchsjagd diene dem Gesundheitsschutz, muss erklären, warum dieselbe Jagd die Tollwut nicht eindämmen konnte, die Impfköder aber schon.

Den vollständigen Brief im Wortlaut: Offener Brief an den Glarner Landammann

Was die Wissenschaft sagt

Bestandsregulation: Kompensationseffekte gleichen Abschüsse rasch aus (Baker et al. 2002; Kämmerle et al. 2019; Rushton et al. 2006). Selbst der Abschuss von drei Vierteln eines Bestands ist im Folgejahr ausgeglichen.

Tollwut: Nicht die Jagd, sondern Impfköder-Programme ab 1978 haben die Tollwut besiegt. Letale Methoden können Seuchen verstärken.

Fuchsbandwurm: Intensive Bejagung erhöht die Prävalenz (eine französische Studie aus dem Raum Nancy, Comte et al. 2017). In Luxemburg sank sie nach dem Verbot 2015 von rund 40 auf unter 10 Prozent.

Borreliose: Füchse regulieren Nager als Zecken-Reservoire. In Gebieten mit höherer Beutegreifer-Aktivität treten 10–20 Prozent weniger zeckentragende Nager auf (Hofmeester et al., Proc. Royal Soc. B).

Nationalpark / Genf: Jagdfrei seit 1914 bzw. 1974 – keine Bestandsexplosionen, keine schlechtere Krankheitslage.

Vollständige Studienübersicht: Studien: Auswirkung der Hobby-Jagd auf Wildtiere

Der Zuger SWILD-Bericht

Der Kanton Zug hat als bisher einziger Schweizer Kanton auf die Fuchsjagd-Petition von Pascal Wolf mit einer echten wissenschaftlichen Studie reagiert. Die Direktion des Innern gab im Herbst 2025 bei SWILD – Stadtökologie, Wildtierforschung, Kommunikation – einen Fachbericht in Auftrag. Die zweite Version erschien im Mai 2026 und wurde der Jagdkommission am 16. Juni 2026 vorgelegt.

Das Ergebnis ist eindeutig: Die aktuell praktizierte Fuchsjagd kann Bestände nicht nachhaltig regulieren, verbessert die Seuchenbekämpfung nicht und ist für den Schutz von Nutztieren gegenüber nicht-letalen Methoden unterlegen. Die Erfahrungen aus Genf (seit 1974) und Luxemburg (seit 2015) bestätigen: Wildtiermanagement funktioniert ohne Hobby-Jagd auf den Rotfuchs.

Die vollständige Studie ist öffentlich zugänglich: Wissenschaftliche Grundlagen zur Fuchsjagd

Wo du die Kontaktdaten findest

Der Glarner Landrat (60 Mitglieder) veröffentlicht keine E-Mail-Adressen in der offiziellen Mitgliederliste. Die aktuelle Zusammensetzung findest du unter gl.ch/parlament/landrat. Die Kontaktdaten der einzelnen Landrätinnen und Landräte laufen in der Regel über die jeweiligen Parteien; am einfachsten erreichst du sie über die Fraktions- oder Parteisekretariate.

Was im Kanton Glarus bisher passiert ist

📌 Glarus lehnt Petition zur Fuchsjagd ab, ohne die Evidenz zu prüfen
Drei Absätze, keine einzige Studie. Eine Analyse der Ausweichargumente.

📌 Offener Brief an den Glarner Landammann zur Ablehnung der Fuchsjagd-Petition
Sieben Fragen an Landammann Dr. Markus Heer, zwei Wochen Frist – keine Antwort.

🧠 Psychologie der Hobby-Jagd im Kanton Glarus
Was hinter einer Ablehnung steht, die auf jede wissenschaftliche Prüfung verzichtet.

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