Fischwilderei am Lago Maggiore: Wenn nur das fehlende Papier zum Delikt wird
Fünfzig getötete Fische, ein beschlagnahmtes Boot, tausend Euro Beute. Zur Rechenschaft gezogen wird nur, wer die Bewilligung vergisst, nicht, wer tötet.
«Dreihundert Franken»
In den italienischen Gewässern des Lago Maggiore hat die Polizia Provinciale di Varese einen 57-jährigen Tessiner ertappt, wie er nachts seine Netze einholte.
Rund anderthalb Kilometer sogenannte «reti volanti» hatten etwa fünfzig Fische gefangen, darunter mehrere Felchen, gut zehn Kilo, geschätzter Wert um die tausend Euro. Boot, Netze und Fang wurden beschlagnahmt, der Mann wegen Fischwilderei an die Staatsanwaltschaft Varese überwiesen.
Das Delikt ist das fehlende Papier, nicht der Tod von fünfzig Tieren
Bemerkenswert ist, woran sich der Vorwurf entzündet: nicht am Töten der Tiere, sondern an der fehlenden Bewilligung. Wer die passende Lizenz löst, darf dieselben fünfzig Fische ganz legal ersticken lassen. Fische sind fühlende Wirbeltiere, sie empfinden Schmerz, Angst und Stress. Ob ein Mensch sie mit oder ohne Behördenstempel aus dem Wasser reisst, ändert an ihrem Leiden nichts.
Hobby-Fischerei und Hobby-Jagd folgen derselben Logik
Das Muster kennen wir von der Hobby-Jagd: Eine Freizeitbeschäftigung, die auf das Töten von Tieren ausgerichtet ist, wird als harmlose Tradition verklärt und sogar an Messen als attraktives Hobby beworben. Genau dagegen richtet sich unsere Petition «Keine Jagd-, Fischerei- und Tierbörsen in der Umwelt Arena Spreitenbach». Dass ausgerechnet ein fehlendes Formular die Grenze zwischen erlaubt und strafbar zieht, entlarvt die ganze Konstruktion.
In Italien drohen dem Täter immerhin Haft oder Busse. Wie zaghaft die Schweizer Justiz Wilderei dagegen ahndet, zeigt der Fall «300 Franken für eine Wölfin»: ein geschütztes Tier getötet, abgetan als Bagatelle.
Dass Ständerat Daniel Jositsch den Lebensschutz auch für Fische ins Tierschutzgesetz bringen will, ist überfällig. Solange das Leben eines Fisches rechtlich fast nichts zählt, bleibt die einzige Grenze, die wirklich zählt, ein Stück Papier. Mehr dazu in der Kategorie Tierrechte.
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