Deutschland jagt Goldschakal
Sie sind selten zu sehen, doch es gibt sie seit Jahren in Deutschland: Goldschakale. Mehrfach schon rissen sie Schafe – auf Sylt bedeutet das nun das Todesurteil für eines der fuchsähnlichen Tiere.
Weitgehend unbemerkt haben sich Goldschakale in Deutschland immer mehr ausgebreitet – nun soll erstmals eines der geschützten Tiere erlegt werden.
Der Schakal soll auf Sylt zahlreiche Lämmer gerissen haben. Das Landesamt für Umwelt in Schleswig-Holstein erteilte daraufhin eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung. Es wäre der erste bestätigte Abschuss eines Goldschakals in Deutschland.
«In diesem Fall liegen gleich drei gewichtige Gründe vor, deshalb befürworte ich eine Ausnahmegenehmigung durch das Landesamt für Umwelt», hatte Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne) erklärt. Es gehe darum, weitere Schäden bei Nutztieren zu verhindern. Das Tier bedeute zudem eine Gefahr für Bodenbrüter. «Zudem hat die Deichschäferei eine besondere Bedeutung für den Küstenschutz.»
Die Tierrechtsorganisation PETA hat in einem Schreiben an das Landesumweltamt eine Umsiedlung des Tieres auf das Festland gefordert.
Kaum jemand bekommt mal einen zu sehen
Goldschakale sind nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt und gehören hierzulande nicht zu den regulär jagdbaren Arten. Die Tiere sind sehr scheu, sie meiden den Kontakt mit Menschen und sind nur selten zu sehen. Für Menschen stellen sie keine Gefahr dar, für kleinere Nutztiere wie Schafe schon. Die Risse auf Sylt waren seit dem 19. Mai entdeckt worden. Dass ein Goldschakal und nicht etwa ein wildernder Hund der Täter waren, wurde über Proben genetisch nachgewiesen.
Etwa zehn Kilogramm wiegt ein Goldschakal. Er ist grösser als ein Fuchs, kleiner als ein Wolf und geht meist nachts im Familienverband auf die Jagd. Canis aureus ist die einzige in Europa vorkommende Schakalart. In der afrikanischen Savanne lebt der Schabrackenschakal (Canis mesomelas), in Afrika südlich der Sahara der Streifenschakal (Canis adustus). Goldschakale hingegen sind im Nahen Osten, in Indien und in weiteren Regionen Asiens besonders häufig.
Der kleine Bruder des Wolfes breitet sich aus
In Europa siedelten Goldschakale ursprünglich vor allem im südöstlichen Balkan. Doch seit Jahrzehnten macht sich der kleine Bruder des Wolfes weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit auf den Weg in immer neue Gefilde. Die Art breitet sich der Large Carnivore Initiative for Europe (LCIE) zufolge in Mittel-, West- und Nordeuropa aus. Erste bestätigte Nachweise gab es hierzulande 1997 im südlichen Brandenburg, inzwischen kommt die Art weitverbreitet vor.
Während der Wolf in Deutschland und anderen mitteleuropäischen Ländern vor seiner Ausrottung schon einmal heimisch war, zieht es den eng mit ihm verwandten Goldschakal erstmals in diese Regionen. Nach LCIE-Hochrechnungen leben inzwischen etwa 150’000 Goldschakale in Europa. Zum Vergleich: Der Wolfsbestand in dieser Region wird auf 23’000 Tiere geschätzt.
Höchst flexibler Generalist
Die Tiere mit gelbgrauem Fell und fuchsähnlichem Puschelschwanz fressen eigentlich alles – von Kleinsäugern, Amphibien und Fischen bis hin zu Insekten, Aas und pflanzlicher Nahrung wie Äpfeln und Früchten. Sie sind Generalisten, die sich gut an verschiedene Lebensräume und Kulturlandschaften anpassen können. In Wolfsterritorien lassen sie sich allerdings nach bisherigen Erkenntnissen ungern nieder: Der grosse Bruder stellt eine tödliche Gefahr dar.
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