Bolsonaro bewaffnet Bevölkerung trotz Jagdverbot
In Brasilien wurden unter Präsident Bolsonaro täglich über 200 Jagdscheine ausgestellt, obwohl die Jagd im Land verboten ist.
Seit in Brasilien der rechtspopulistische Jair Bolsonaro Präsident ist, sind täglich über 200 Jagdscheine ausgestellt worden – und das, obwohl die Hobby-Jagd in dem südamerikanischen Land eigentlich verboten ist.
193’539 Jagdscheine in weniger als drei Jahren
Die Bewaffnung der brasilianischen Bevölkerung ist eines der wichtigsten Aushängeschilder des Bolsonarismus. In zwei Jahren und acht Monaten haben die Behörden 193’539 Bescheinigungen für Hobby-Jägerinnen und Hobby-Jäger ausgestellt. Damit darf theoretisch lediglich das aus Europa eingeführte Wildschwein erlegt werden.
Mit dem Amtsantritt Bolsonaros ist die Erteilung von Jagdgenehmigungen sprunghaft gestiegen. Allein zwischen Januar und August dieses Jahres sind bereits 75’289 Jagdscheine erteilt worden. Das ist ein Anstieg von 243 %. Die Zahl der legalisierten Hobby-Jägerinnen und Hobby-Jäger Brasiliens ist damit auf 250’000 gestiegen.
30 Waffen und 90’000 Munition pro Person
Durchgesetzt hat Bolsonaro, dass ein Hobby-Jäger inzwischen 30 Waffen besitzen darf, darunter auch Schnellfeuergewehre. Jeder Killer kann zudem bis zu 90’000 Munition pro Jahr kaufen.
Wieviele europäische Wildschweine es in Brasilien gibt, ist unbekannt. Die steigende Zahl von Hobby-Jägerinnen und Hobby-Jägern schlägt sich nicht in einer Verringerung der Wildschweinbestände im Land nieder. Im Gegenteil: Ihre Verbreitung hat sich sogar erhöht. Anstatt die Ausbreitung des Wildschweins zu kontrollieren, verbreiten einige Hobby-Jäger das Wildschwein sogar illegal im ganzen Land.
Die geringen Abschussquoten lassen zudem zweifeln, ob das Wildschwein der Hauptgrund für einen Antrag auf einen Jagdschein ist. Nachforschungen haben ergeben, dass die Menschen die Wildschweine als Vorwand nutzen, um sich zu bewaffnen und die verbotene Sportjagd auszuüben.
«Stellen wir uns einen Tag vor, an dem das Wildschwein in Brasilien kein Problem mehr ist. Wird die Armee diese Waffe einsammeln? Mit anderen Worten: Brasilien schafft Situationen, in denen es sehr schwierig ist, zurückzukehren», so Ivan Marques, Mitglied des brasilianischen Forums für öffentliche Sicherheit.
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