Escobars Nilpferde sterilisiert
2021 setzte Kolumbien auf Verhütung, 2026 auf einen Tötungsplan für rund 80 Flusspferde. Nach dem Regierungswechsel ist alles wieder offen.
Um die unkontrollierte Vermehrung einzudämmen, haben Tierschutzorganisationen 24 Nilpferde sterilisiert.
GonaCon statt Abschuss
Die Behörden in Kolumbien haben 24 Nilpferde auf der ehemaligen Farm des verstorbenen Drogenbarons Pablo Escobar sterilisiert.
Die Wildtiere hätten sich unkontrolliert vermehrt, erklärte die Umweltschutzorganisation Cornare. Escobar hatte zwei Nilpferde sowie weitere exotische Tiere wie Giraffen, Zebras und Kängurus auf der Farm gehalten. Nach seinem Tod wurden alle Tiere verkauft – bis auf die Nilpferde. Diese pflanzten sich zu einer Herde von 80 Tieren fort.
24 Nilpferden sei anhand von Pfeilen ein Medikament namens GonaCon verabreicht worden, teilte Cornare weiter mit. Dabei handle es sich um ein Verhütungsmittel, das sowohl bei Männchen als auch bei Weibchen wirksam sei. Weitere elf Nilpferde seien auf herkömmliche Art sterilisiert worden.
Escobars Farm ist nun Touristenattraktion
Die vermutlich grösste Nilpferd-Herde ausserhalb Afrikas hatte zunehmend für Probleme gesorgt. «Die Anwesenheit dieser Tiere in einem Ökosystem, das nicht ihr eigenes ist, hat Folgen wie die Verdrängung der örtlichen Fauna.» Die Tiere hätten auch mehrfach Fischer angegriffen, erklärte der Cornare-Mitarbeiter David Echeverri.
Nach Escobars Tod 1993 hatte es Streit um den Besitz seiner 400 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Bogotá gelegenen Farm gegeben. Der private Tierpark «Hacienda Napoles» wurde schliesslich als Attraktion für Touristinnen und Touristen geöffnet.
Nachtrag 2026: Von der Verhütung zum Tötungsplan
Die Sterilisationen von 2021 haben das Wachstum der Herde nicht aufgehalten. 2022 setzte das kolumbianische Umweltministerium das Flusspferd auf die Liste der invasiven Arten. Studien aus den Jahren 2022 und 2023 gingen von rund 170 bis 215 Tieren aus, ohne Eingriffe könnten es bis 2035 über 1000 sein. Anfang September 2024 verpflichtete das Verwaltungsgericht von Cundinamarca das Umweltministerium in erster Instanz, innert drei Monaten Massnahmen zu ergreifen, um die Population im Magdalena Medio zu beseitigen, etwa durch Sterilisation, Einzäunung oder Abschuss.
Am 13. April 2026 genehmigte das Umweltministerium unter Ministerin Irene Vélez ein Protokoll, nach dem rund 80 Tiere noch im laufenden Jahr getötet werden sollten. Vorgesehen waren Kosten von 7,2 Milliarden Pesos, rund 2 Millionen Dollar. Die Flusspferde sollten zuerst betäubt und dann eingeschläfert werden, falls das nicht gelingt, erschossen. Die Umsetzung wurde an die regionalen Umweltbehörden Cornare, Corantioquia, Corpoboyacá und CAS delegiert. Eine Rückführung nach Afrika schloss die Ministerin aus. Tierschutzorganisationen protestierten, Senatorin Andrea Padilla nannte den Entscheid «grausam». Ende April 2026 bot Anant Ambani, Sohn des indischen Milliardärs Mukesh Ambani, an, die 80 Tiere in seinem Tierzentrum Vantara in Jamnagar aufzunehmen. Eine Antwort der Regierung ist nicht bekannt.
Mit dem Regierungswechsel im August 2026 kam die Kehrtwende. Der neue Umweltminister Fabio Arjona stellte im September 2026 einen Aktionsplan vor, der private Geldgeber, weitere Behörden und eine App für Sichtungen vorsieht. Tötungen erwähnt er nicht. Arjona hatte zuvor erklärt, tödliche Kontrolle sei für ihn «keine Lösung». Laut der Zeitung «El Colombiano» kam das bewilligte Geld nie bei Cornare an. Berichte über bereits durchgeführte Tötungen waren bis Mitte Oktober 2026 nicht auffindbar.
Der Fall zeigt, was Verhütung leisten kann und was nicht: Sie wirkt nur, wenn sie früh und konsequent eingesetzt wird. Wer jahrzehntelang zuwartet, landet bei der Frage nach Massentötungen. Mehr zu den Anfängen des Programms im Artikel «Pablo Escobars Flusspferde sollen Verhütungsmittel erhalten», zu nicht-tödlichen Alternativen im Faktencheck, zum Thema Wildtiere vergrämen und dazu, wie der Heimtierhandel die Artenvielfalt gefährdet. Weitere Beiträge in der Kategorie Wildtiere.
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