Spaniens Schweinefarmen vergiften Lagune
Spaniens Schweineindustrie ist massgeblich für das massive Fischsterben in der Salzwasserlagune Mar Menor verantwortlich.
Untersuchung zeigt, dass die Rolle der Schweineindustrie bei der Verschmutzung einer der grössten Salzwasserlagunen Europas grösser ist, als öffentlich zugegeben.
Fünf Tonnen tote Fische
Anwohnende in der südöstlichen Region Murcia schlugen im August Alarm, als zahlreiche tote Fische an den Ufern der Lagune Mar Menor angespült wurden. Innerhalb weniger Tage stieg die Zahl der verrottenden Kadaver auf mehr als fünf Tonnen an.
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler machten jahrzehntelange nitrathaltige Abwässer für die Auslösung riesiger Algenblüten verantwortlich, die das Wasser sauerstoffarm gemacht hatten, sodass die Fische unter Wasser im Grunde erstickten.
In einer viermonatigen Untersuchung von Lighthouse Reports und Reportern von elDiario.es und La Marea wurde untersucht, wie die intensive Schweinezucht zu einer der schlimmsten Umweltkatastrophen der letzten Jahre in Spanien beigetragen hat.
In einem Bericht des spanischen Umweltministeriums aus dem Jahr 2019 wurde geschätzt, dass diese Schweinefarmen – die damals fast 800’000 Tiere zählten – für 17 % des Stickstoffs im Grundwasser des Mar Menor verantwortlich sind.

«Es wurden erhebliche Mängel bei den Einrichtungen zur Lagerung von Tierabfällen festgestellt – die Abdichtung ist fast nicht vorhanden, sodass die Abfälle direkt in den Boden sickern können, was zu einer Verunreinigung des Grundwassers führt», heisst es im Bericht.
«Es ist offensichtlich, dass die Hauptquelle der Verschmutzung die intensive Landwirtschaft im Einzugsgebiet des Mar Menor ist, aber es gibt etwa 450 Schweinefarmen im Einzugsgebiet, über die niemand spricht», sagte María Giménez Casalduero. «Es ist, als würden wir der Schweineindustrie Amnestie gewähren.»
Spaniens boomende Schweinefleischexporte
Die Zahl der Schweine in der Region Murcia ist auf ein Rekordniveau gestiegen. Im vergangenen Jahr wurden in ganz Spanien mehr als 56 Millionen Schweine geschlachtet, 3 Millionen mehr als 2019.
«Mar Menor ist ein Weckruf», sagte Giménez Casalduero. «Wenn man China mit Schinken beliefern will, muss man dafür Territorium zerstören und eine Müllhalde für die Abfälle des internationalen Schweinefleischmarktes werden.»
«Die Schweinemastbetriebe sind ohne jegliche Kontrolle gewachsen und haben eine Blase geschaffen, die von den internationalen Märkten und insbesondere den Exporten nach China angetrieben wurde», sagte Andrés Pedreño Cánovas, Soziologieprofessor an der Universität von Murcia. «Aber Blasen platzen immer, und diese wird ein verwüstetes, verschmutztes Gebiet in der Krise zurücklassen.»
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