Feuerwerk trifft Wildtiere: Doppelstress durch Knallerei und Hobby-Jagd
Volksabstimmung voraussichtlich Ende 2026 – Wildtiere im Kreuzfeuer von Hobby-Jagd und Silvesterknallerei.
Die Schweiz stimmt ab.
Voraussichtlich am 29. November 2026 oder am 28. Februar 2027 entscheidet die Bevölkerung über die sogenannte Feuerwerksinitiative, die besonders lautes und belastendes Feuerwerk im privaten Bereich deutlich einschränken will.
Das Initiativkomitee und der Trägerverein haben beschlossen, die Initiative vors Volk zu bringen. Der Schweizer Tierschutz STS ist Teil der Trägerschaft und wird aktiv Kampagne führen.
Für Wildtiere ist das eine überfällige Nachricht.
Was die Initiative will
Im Zentrum der Initiative stehen nicht das Feuerwerk als solches, sondern die besonders lauten und belastenden Feuerwerkskörper im privaten Gebrauch. Leisere Alternativen sowie organisierte öffentliche Feuerwerke sollen weiterhin möglich bleiben. Das Parlament hatte einen Gegenvorschlag diskutiert, der jedoch nur einen kleinen Teil des Problems adressiert hätte – und in der Schlussabstimmung gescheitert ist. Nun liegt die Entscheidung beim Volk.
Feuerwerk als Bedrohung für Wildtiere
Der plötzliche Knall eines Feuerwerkskörpers löst bei Wildtieren sofortige Panik aus. Rehe, Füchse, Vögel und viele andere Tiere flüchten blindlings, verlassen ihre angestammten Einstandsgebiete, trennen sich von ihren Jungtieren oder stossen in der Dunkelheit gegen Hindernisse. Die Folgen reichen von akutem Stress und Erschöpfung bis zu Verletzungen und Tod. Besonders betroffen sind überwinternde Vögel rund um Silvester sowie brütende Vögel und Jungtiere rund um den Nationalfeiertag am 1. August.
Das ist kein Randphänomen. Es ist eine jährlich wiederkehrende, flächendeckende Stressattacke auf die Tierwelt der Schweiz.
Doppelstress: Hobby-Jagd und Feuerwerk
Was in der öffentlichen Debatte bisher kaum thematisiert wird: Wildtiere in der Schweiz leben nicht im Frieden. Sie sind das ganze Jahr über dem Verfolgungsdruck durch die Hobby-Jagd ausgesetzt – Schüsse, Jagdhunde, Treibjagden, Fallen. Dieses permanente Bedrohungsszenario hält Wildtiere in einem Zustand chronischen Stresses, der ihre Immunfunktion schwächt und ihre Lebenserwartung verkürzt.
Lautes Privatfeuerwerk trifft also nicht auf erholte, unbehelligte Tiere. Es trifft auf Individuen, die bereits durch die Hobby-Jagd dauerhaft unter Druck stehen. Der additive Effekt ist verheerend. Wer den Tieren wirklich helfen will, muss beide Stressquellen im Blick behalten: die Hobby-Jagd als strukturelles Problem und das Feuerwerk als saisonale Eskalation.
Wildtiere brauchen mehr
Die Feuerwerksinitiative ist ein vernünftiger, überfälliger Schritt. Dass Privatpersonen mit besonders lauten Knallkörpern unreguliert ganze Landschaften beschallen dürfen, ist wissenschaftlich nicht zu rechtfertigen. Es gibt leisere Alternativen, es gibt organisierte öffentliche Veranstaltungen und es gibt keinen validen Grund, warum das Recht auf privaten Lärm schwerer wiegen soll als das Wohlbefinden von Millionen von Tieren.
Was die Initiative allerdings nicht leistet: Sie ändert nichts an der grundlegenden Situation der Wildtiere in der Schweiz. Der chronische Stress durch die Hobby-Jagd bleibt. Die Initiative ist ein Pflaster – kein Heilmittel. Wildtiere brauchen jagdfreie Rückzugsgebiete, keine blosse Knallpause an Silvester oder am Nationalfeiertag.
Trotzdem: Ja zur Feuerwerksinitiative. Weil jede Entlastung zählt. Weil Wildtiere keine Lobby haben. Und weil eine Gesellschaft, die Tiere ernst nimmt, nicht braucht, was in Privatgärten gezündet wird.
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