28. Juni 2026, 14:08

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Jagd

Hirsche bei Bewusstsein getötet: Animal Equality deckt Tierschutzverstösse in spanischem Schlachthof auf

Undercover-Material aus Spanien zeigt acht schwere Verstösse gegen EU-Tierschutzrecht – Behörden leiteten Sanktionsverfahren ein.

Redaktion Wild beim Wild — 28. Juni 2026

Die Tierschutzorganisation Animal Equality hat am 16. Juni 2026 Videomaterial aus einem spanischen Schlachthof veröffentlicht, das schwere Verstösse gegen das europäische Tierschutzrecht dokumentiert.

Die Aufnahmen stammen aus dem Schlachtbetrieb «Vicente de Lucas» in Segovia und zeigen die Tötung von über 200 Hirschen.

Hirsche aus Naturschutzgebiet gefangen und geschlachtet

Die betroffenen Tiere stammten aus dem Monte de El Pardo, einem über 15’000 Hektar grossen Naturschutzgebiet nordwestlich von Madrid, in dem die Hobby-Jagd verboten ist. Die Hirsche wurden lebend gefangen, ihnen wurden die Geweihe verstümmelt, anschliessend wurden sie zum Schlachtbetrieb transportiert. Mehr als fünf Tiere starben bereits vor Beginn der Tötung in den Anlagen, vermutlich infolge von Stress und Angst durch die Gefangenschaft.

Acht schwere Verstösse gegen EU-Tierschutzrecht

Animal Equality identifizierte acht schwere Verstösse gegen die EU-Verordnung zum Schutz von Tieren zum Zeitpunkt der Tötung. Die Hirsche wurden in Gruppen gewaltvoll in die Betäubungsbox getrieben und dort nicht einzeln fixiert. Während die Tiere in Panik umherspringen, werden unkontrollierte Schüsse zur Betäubung abgegeben. Die Tiere mussten miterleben, wie ihre Artgenossen zusammenbrachen, teils schwer verletzt, aber nicht ausreichend betäubt.

Besonders erschütternd: Die Hirsche wurden kopfüber an einem Bein aufgehängt und die Kehle aufgeschnitten, obwohl einige Tiere noch deutliche Anzeichen von Bewusstsein zeigten: Sie bewegten Schwanz und Beine oder hoben den Kopf, während sie ausbluteten.

Behörden leiten Sanktionsverfahren ein

Nach spanischem Recht gilt das Versäumnis, Tiere vor der Tötung ordnungsgemäss zu betäuben, als sehr schwerer Verstoss und kann mit Geldstrafen zwischen 6’000 und 100’000 Euro geahndet werden. Die Regionalregierung von Kastilien und León hat nach der Strafanzeige von Animal Equality reagiert: Sie überprüfte Transportdokumente, leitete die Beschwerde an die veterinärmedizinischen Dienste weiter, führte zusätzliche Inspektionen durch, ordnete Korrekturmassnahmen bei der Tierhandhabung im Schlachtbetrieb an und leitete Schritte zur Eröffnung eines Sanktionsverfahrens ein.

Erste Dokumentation der Schlachtung von Hirschen in Spanien

Vanessa Raith, Direktorin von Animal Equality Deutschland, erklärte, dass es sich um die ersten veröffentlichten Aufnahmen von der Tötung von Hirschen in einem Schlachtbetrieb handelt. Das Leid der betroffenen Tiere stehe stellvertretend für Millionen von Tieren, die täglich in industriellen Schlachtanlagen getötet werden.

Was die Aufnahmen aus Segovia zeigen, ist kein bedauerlicher Einzelfall – es ist das Abbild eines Systems. Tiere, die in einem Naturschutzgebiet lebten, in dem selbst die Hobby-Jagd untersagt ist, wurden gefangen, verstümmelt und unter Verletzung elementarer Tierschutzvorschriften getötet. Die EU-Tierschutzverordnung existiert auf dem Papier. Was in Segovia dokumentiert wurde, zeigt, wie weit Praxis und Rechtsnorm auseinanderliegen.

Dass die Behörden überhaupt reagierten, ist dem Einsatz von Animal Equality zu verdanken, nicht einer funktionierenden Kontrollinfrastruktur. Wildtiere wie Hirsche sind im europäischen Tierschutzrecht systematisch schlechter gestellt als Nutztiere in Intensivhaltung. Ihr Tod dient weder der Nahrungsversorgung noch dem Naturschutz. Er dient dem Profit und er wird durch Behörden ermöglicht, die nicht hinschauen, bis jemand eine Kamera hineinbringt.

Der Fall Segovia sollte auch in der Schweiz und Deutschland zur Kenntnis genommen werden: Überall dort, wo Wildtiere kommerziell genutzt werden – ob durch Hobby-Jagd, Gehegejagd oder Wildgehege – fehlt es an unabhängiger Kontrolle. Die Folgen sind absehbar.

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