Politik schützt Hobby-Jäger – Tiere zahlen den Preis
In der Schweiz werden jedes Jahr meist sinnfrei über hunderttausend Wildtiere durch die Hobby-Jagd getötet.
Laut offiziellen Statistiken waren es allein 2024 über 130’000 Tiere, darunter Hirsche, Rehe, Füchse, Gämsen oder Wildschweine.
Hinzu kommen ungezählte Vögel und nicht dokumentierte Fälle von angeschossenen, qualvoll verendenden Tieren. Die Hobby-Jagd bleibt ein Relikt aus vergangenen Jahrhunderten, blutige Freizeitbeschäftigung, getarnt als „Tradition“ und politisch bestens abgesichert.
Mit rund 30’000 Mitgliedern ist die Schweizer Jägerschaft gut organisiert – und hervorragend vernetzt. Ihr militanter Dachverband Jagd Schweiz versteht sich explizit als politische Kraft, die „in allen jagdpolitischen Belangen aktiv mitgestaltet“. Das bedeutet: Ein Interessenverband mit direktem Zugang zu Behörden, Kommissionen und Parlamenten, ein Paradebeispiel dafür, wie Lobbyismus Tier- und Umweltschutz aushebelt.
In Bundesbern und in den Kantonen sitzen zahlreiche miserabel ausgebildete Hobby-Jäger in politischen Schlüsselpositionen in Jagdverwaltungen, Kommissionen oder gar in der Gesetzgebung selbst. Damit ist der Bock längst zum Gärtner geworden. Kritische Stimmen werden marginalisiert, während die Jagdlobby systematisch Narrative streut: vom „notwendigen Eingriff ins ökologische Gleichgewicht“ bis zur vermeintlichen „Hegepflicht“. Wissenschaftlich haltbar ist davon wenig.
Gesetzgebung im Sinne der Hobby-Jäger
Die Revision des Jagdgesetzes 2020 zeigte exemplarisch, wie weit die Politik bereit ist, den Forderungen der Hobby-Jagd nachzugeben. Geplant war damals, streng geschützte Arten wie Wolf, Luchs oder Biber für präventive Abschüsse freizugeben, auch ohne konkrete Schäden. Nur dank des Volksentscheids wurde dieses Vorhaben gestoppt.
Doch kaum fünf Jahre später hat der Bundesrat mit der neuen Jagdverordnung 2025 erneut eine Hintertür geöffnet. Der Herdenschutz wurde aufgeweicht, die Abschussregelungen vereinfacht. Besonders der Wolf steht wieder im Fadenkreuz. Tierschutz- und Umweltorganisationen sprechen von einem Rückschritt ins 19. Jahrhundert.
Die Botschaft ist klar: Die Politik schützt weiterhin das Hobby weniger, auf Kosten der Tiere und des ökologischen Gleichgewichts.
Skandale und fragwürdige Praktiken
- Tessin 2022: Der Kanton erlaubte den Abschuss säugender Hirschkühe. Die Kälber blieben unweigerlich zurück. Die Kälber sind damit dem Tod geweiht. Ein klarer Bruch mit Tierschutzgrundsätzen.
- Tierleid durch Fehlschüsse: Laut Tierschutzberichten werden jährlich Hunderte Tiere verletzt aufgefunden. „Anschüsse“, Schüsse, die nicht sofort töten, verursachen massives, oft unsichtbares Leid. Hobby-Jäger sind die miserabelsten Schützen aller aktiven Schusswaffenbenutzer.
- Jagdunfälle: Seit 2000 wurden in der Schweiz über Dutzende tödliche Jagdunfälle gezählt. Ein Risiko nicht nur für Tiere, sondern auch für Menschen.
Trotz dieser Fakten bleibt die Mär vom „verantwortungsvollen Hobby-Jäger“ politisch unantastbar.
Die Jägerschaft betont immer wieder ihren angeblichen „Hegeauftrag“. Doch Hege bedeutet im heutigen Kontext oft nichts anderes als Bestandspflege nach eigenem Gutdünken, nicht nach ökologischen Notwendigkeiten. Wildtiere werden dezimiert, um ein bestimmtes Beuteschema zu sichern. In Regionen mit intensiver Fütterung wird Wild sogar künstlich „gehegt“, um es im Herbst vor die Flinten zu treiben.
Ökologische Zusammenhänge, natürliche Regulation durch Beutegreifer oder moderne Wildtiermanagementkonzepte werden dabei systematisch ignoriert. Die Wissenschaft ist längst weiter, die Politik hingegen verharrt im Schulterschluss mit der Jagdlobby.
Die Hobby-Jagd dient vor allem den Interessen einer gut vernetzten Minderheit. Tiere werden zum Spielball einer Politik, die Macht und Einfluss höher bewertet als ethische Massstäbe oder moderne ökologische Konzepte.
Die Schweiz rühmt sich ihrer direkten Demokratie. Doch beim Thema Hobby-Jagd zeigt sich ein anderes Bild: Eine kleine, einflussreiche Minderheit bestimmt über Leben und Tod Zehntausender Wildtiere. Der Rest der Bevölkerung wird mit Mythen, Jägerlatein und Angstkampagnen über Beutegreifer in Schach gehalten.
Solange politische Parteien, Verwaltung und Gesetzgebung Jagdinteressen über Tierwohl, Ethik und Wissenschaft stellen, bleibt die Frage offen: Wer schützt die Tiere vor der Politik?
Denn solange das Hobby einiger weniger als „Tradition“ verklärt und gesetzlich privilegiert bleibt, werden es weiterhin die Wildtiere sein, die den Preis zahlen mit ihrem Leben.
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