Kommunikationsversagen beim Amt für Jagd und Fischerei Graubünden
Am 21. August riss ein Wolf im Oberengadiner Val Fex 36 Schafe. Ein Vorfall, der nicht nur Fragen zum Herdenschutz aufwirft, sondern auch das Informationsmanagement des Amts für Jagd und Fischerei Graubünden (AJF) in ein schlechtes Licht rückt.
Für die insgesamt rund 700 Schafe auf der Alp bestand ein sogenanntes einzelbetriebliches Herdenschutzkonzept (EHK).
Das eigentlich Skandalöse ist jedoch das Verhalten der Behörde. In ihrer umgehenden Stellungnahme gegenüber dem Schweizer Fernsehen verschwieg sie, dass die Tiere ungeschützt waren. Stattdessen sprach Co-Leiter und Hobby-Jäger Adrian Arquint davon, dass der Vorfall die «Grenzen des Herdenschutzes» zeige. Eine Aussage, die in der Öffentlichkeit den falschen Eindruck erweckte, der Wolf habe 36 «geschützte» Schafe gerissen. Das ist schlicht Irreführung.
Eine Behörde, die wiederholt Fakten verschleiert, verspielt Vertrauen. Hier wurde nicht informiert, hier wurde Stimmung gemacht – auf Kosten des Wolfs und der Sachlichkeit.
Die Schuld liegt nicht beim Wildtier, sondern bei Menschen, die Schutzkonzepte nicht konsequent umsetzen – und bei Behörden, die die Öffentlichkeit gezielt im Unklaren lassen. Das Amt für Jagd und Blödsinn hat hier nicht nur ein Kommunikationsdesaster produziert, sondern bewusst Ängste geschürt und Wolfsabschussforderungen befeuert.
Transparenz und Ehrlichkeit wären gefragt gewesen. Stattdessen erleben wir die altbekannte Täter-Opfer-Umkehr: Der Wolf als Monster, der Mensch als Opfer. In Wahrheit ist es umgekehrt.
Statt Schutzmassnahmen wird ein Szenario umgesetzt, das die Population destabilisiert – und zwar nicht aus Unwissen, sondern wider besseres Wissen.
Kritik von Wildtierschutz Schweiz
Die Organisation Wildtierschutz Schweiz spricht von einem klaren Kommunikationsversagen. Behörden müssten «vollständig und transparent» informieren, um eine sachliche Debatte zu ermöglichen. Unklare oder irreführende Darstellungen schürten Ängste, lenkten von menschlichen Versäumnissen ab und förderten Forderungen nach Wolfsabschüssen.
Die 36 toten Schafe sind Opfer eines Systems, das zu oft Verantwortung auf den Wolf abwälzt. Statt die Lücken beim Herdenschutz klar zu benennen, wird reflexartig der Beutegreifer zum Sündenbock erklärt. Damit werde nicht nur die öffentliche Meinung manipuliert, sondern auch der gesellschaftliche Konsens über den Umgang mit dem Wolf untergraben.
Verstoss gegen das Tierschutzgesetz?
Juristisch könnte der Fall noch ein Nachspiel haben. Das Aussetzen von Nutztieren ohne ausreichende Schutzmassnahmen widerspricht dem Schweizer Tierschutzgesetz und den Vorgaben zur Sömmerung. Wildtierschutz Schweiz fordert daher, dass nicht der Wolf, sondern die verantwortlichen Halter für diese Versäumnisse zur Rechenschaft gezogen werden.
Solange es erlaubt sei, Schafe während bis zu sieben Tagen unbeaufsichtigt auf Alpen zu lassen, seien ähnliche Ereignisse vorprogrammiert, so die Organisation. «Wer den Wolf dafür verantwortlich macht, trägt nicht zur Lösung bei – er gefährdet die Nutztiere, den Artenschutz und täuscht die Bevölkerung.»
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