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Kriminalität & Jagd

Wolfswelpen in der Schweiz im Kreuzfeuer

Die proaktive Wolfsregulierung basiert weder auf wissenschaftlichen Fakten noch auf Wissen über Wölfe, sondern auf lautstarker Propaganda.

Redaktion Wild beim Wild — 10. Juli 2025

Bundesrat Albert Rösti und sein Umweltdepartement wurden mehrmals nicht nur vom Justizdepartement darauf hingewiesen, dass die Abschusspolitik mit der neuen Jagdverordnung nicht mit der Berner Konvention vereinbar ist. Vergeblich.

Mit fadenscheinigen politischen Argumenten, ohne vorherige Konsultation und „gegen den Willen des Volkes“ wurde in der Schweiz eine massive Lockerung des Wolfsschutzes in Kraft gesetzt.

Der Wolf ist immer noch eine geschützte Tierart. Dies bedeutet, dass Wölfe nicht grundlos getötet, gefangen, gehalten oder gestört werden dürfen, insbesondere nicht während der Aufzuchtzeit; und ihre Wurfstätten dürfen nicht beschädigt oder zerstört werden.

Es besteht 2025 die Absicht, im Kanton Graubünden eine zusätzliche rote Linie bei der „Regulierung“ unschuldiger Wölfe zu überschreiten. Das Amt für Jagd und Blödsinn unter der Leitung von Adrian Arquint, Marcel Michel sowie Arno Puorger plant ab dem 1. September im Rahmen der sogenannten ‚Basisregulierung‘ mit Unterstützung von Hobby-Jägern zwei Drittel der diesjährigen Welpen zu töten, die keine Schuld auf sich geladen haben – ihr einziges Vergehen besteht darin, geboren worden zu sein und als „Zwei-Drittels-Quote“ eingestuft zu werden. Das könnte im schlimmsten Fall den Tod von Dutzenden Wolfswelpen während des Massakers zur Folge haben!

Aus der Absicht und Begründung des Kantons geht hervor, dass die proaktive Wolfsregulierung ausschliesslich zum Ziel hat, die Wolfspopulation kantonsweit zu reduzieren, um das Konfliktpotenzial zu minimieren. Der Kanton reagiert also nicht situativ oder selektiv auf Probleme oder Schäden, die als begründete Ausnahmen im Sinne der Berner Konvention gelten könnten, sondern will die Population generell und grossflächig dezimieren, koste es, was es wolle. Was als Regulation verkauft wird, ist ein ideologisch motiviertes Eliminationsprojekt, das die für das Ökosystem so wichtigen Wölfe verdrängen soll. Dies, zugunsten der längst aus den Fugen und Proportionen geratenen Weidewirtschaft mit ihren schädlichen Folgen für Flora und Fauna im alpinen Bereich.

Es ist international verpönt und ethisch nicht vertretbar, Wolfswelpen zu töten. Die Schweiz wird auch immer wieder von der Berner Konvention für ihre Wolfspolitik kritisiert. Ausserdem wird der neu verwendete Begriff ‚Basisregulierung‘ weder im Jagdgesetz noch in der Jagdverordnung definiert oder erwähnt.

Das miserable Jagdunwesen im Kanton Graubünden ist weit über die Kantonsgrenzen bis ins Ausland bekannt. Die Bündner Jagd ist schlichtweg hochkriminell und von Gewalt, Unwissenschaftlichkeit und Tierquälerei geprägt. Nur ist unser Rechtssystem bisher nicht so weit, das im Strafrecht zu berücksichtigen. Jedes Jahr werden über 1’000 Ordnungsbussen gegen die Bündner Hobby-Jäger ausgesprochen und dutzende Anzeigen eingereicht. Zudem sind die Gewalttäter laut Studien zur Nachsuche und Vergleichen mit Wildhütern die miserabelsten Schützen im Land. Der Kanton Graubünden gilt als Vorzeigemodell der Ignoranz, Manipulation sowie Inkompetenz und dies nicht nur im Wolfsmanagement.

Hobby-Jäger leben Speziesismus. Speziesismus ist vergleichbar mit Rassismus und Sexismus und das ist keine Kultur oder Tradition.

Die natürliche Regulation durch Beutegreifer wie Wolf, Luchs oder Fuchs erfolgt selektiv, dynamisch und verhaltensökologisch angepasst – ein komplexes Wechselspiel, das sadistische Abschusspläne eines mit Gewalttätern kontaminierten Amtes in Bern oder Graubünden niemals ersetzen können. Die Hobby-Jagd ersetzt kein ökologisches Gleichgewicht. Praktizierte Dezimierungsjagd ist ein Paradebeispiel für Naturentwertung unter dem Deckmantel nachhaltiger Bewirtschaftung.

Es muss berücksichtigt werden, dass der Wolf heutzutage in Teilen der Kantone Wallis und Graubünden sowie im westlichen Waadtländer Jura flächig besiedelt ist. Wolfsbestände regulieren sich in dieser Situation selbst durch ihre Territorialität, wo ein Rudel lebt, siedelt sich kein neues an. Nach Ansicht der Wissenschaft kann dort auch ohne Regulierung eine Abflachung des Bestandswachstums erwartet werden.

Dank des verbesserten Herdenschutzes ist auch die Zahl der Tötungen bis Ende September 2024 massiv zurückgegangen. Im Kanton Graubünden um 35 % und im Kanton Wallis um 15 %. 2023 war die Zahl der Tötungen schweizweit bereits um 40 % gegenüber 2022 gesunken. Auch im Jahr 2024 fanden die meisten Tötungen in ungeschützten oder unzureichend geschützten Beständen statt. Der Rückgang der Risse setzte bereits im Jahr 2023 ein, noch bevor erstmals präventiv Wölfe abgeschossen wurden. Letztendlich ist der Rückgang des Risses vor allem das Ergebnis eines verstärkten Herdenschutzes ab 2022, als zum ersten Mal eine deutliche Erhöhung der Finanzmittel für Schutzmassnahmen beschlossen wurde.

Eine ähnliche Situation kann man in Brandenburg in Deutschland beobachten. 58 Wolfsrudel leben in Brandenburg – mehr als in jedem anderen Land. In Brandenburg hat die zunehmende Anzahl an Wölfen zu einem Rückgang der Hirschpopulation, insbesondere von Rot- und Damwild, geführt, was dem Wald und Ökosystem zugutekommt. Hobby-Jäger in Oder-Spree schossen 2024/25 nur 128 Rothirsche; früher waren es 800.

Petition: Stoppen Sie die Dezimierung von Wolfswelpen

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