Luchs Juro schwimmt vom Schwarzwald in die Schweiz
Erstmals dokumentiert: Ein GPS-besenderter Luchs quert den Rhein bei Laufenburg und streift durch die Kantone Baselland, Aargau und Solothurn. Die Wanderung zeigt, wie dringend intakte Wildtierkorridore gebraucht werden.

In den frühen Morgenstunden eines Märztages schwamm Luchs Juro durch den Rhein bei Laufenburg und betrat Schweizer Boden.
Was für den zweijährigen Luchskuder wohl Routine war, ist für die Wildtierforschung ein bedeutender Moment: Erstmals konnte das Luchsmonitoring der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg per GPS-Daten verfolgen, wie ein Luchs vom Südschwarzwald in die Schweiz wandert.
Nach der Rheinquerung wanderte Juro bis in die Ausläufer des Juragebirges. Er durchstreift seither die Kantone Baselland, Aargau und Solothurn, kehrt aber auch immer wieder in die Nähe des Rheins zurück.
Der wahrscheinliche Grund für die Reise ist biologischer Natur: Auf der Suche nach einer Partnerin hat Luchs Juro in der Ranzzeit den Südschwarzwald verlassen. Er überquerte im März den Rhein bei Laufenburg, sehr wahrscheinlich um sein Glück in dem Land zu suchen, aus dem das zweijährige Tier einst zugewandert sein könnte.
Ein Korridor unter Druck
Die Wanderung wirft Licht auf ein strukturelles Problem. Das Hochrheintal zwischen Schwarzwald und dem Schweizer Jura ist eine Barriere, die wandernde Wildtiere einschränkt. Es gibt nur noch wenige unverbaute Abschnitte des Rheins, die eine Querung in und aus der Schweiz ermöglichen. Und auch sie verengen sich immer weiter durch Bauvorhaben.
Auf seinem Weg in die Schweiz querte Juro bei Binzen zweimal die A98 und in Bad Säckingen die B34. Die Daten zeigen, welche Wildtierkorridore genutzt werden und in welchen weiteren Bereichen Korridore oder Grünbrücken notwendig sind.
Für KORA-Expertin Kristina Vogt ist der genetische Austausch zwischen den Populationen entscheidend: Die Luchsbestände im Schwarzwald sind Teil der Oberrheinischen Luchsmetapopulation. Ein Austausch zwischen den Schweizer und den Baden-Württembergischen Luchsvorkommen sei unerlässlich, um eine stabile Luchspopulation im Dreiländereck zu etablieren.
Kommt Juro zurück?
Ob der Luchskuder in der Schweiz ein Revier und ein Weibchen findet oder in den Südschwarzwald zurückkehrt, ist laut FVA offen. Da es sich wahrscheinlich um eine Ranz-Wanderung handelt, sei eine Rückkehr denkbar. Erst wenn er sechs Monate nicht mehr nachgewiesen werden kann, gilt er nicht mehr als sesshaft.
In Baden-Württemberg werden unterdessen aktiv weibliche Luchse ausgewildert, um die Population zu stärken. Bis zu zehn möglichst weibliche Luchse sollen im Schwarzwald ausgewildert werden. Das Projekt wird seit 2023 durch die FVA in enger Zusammenarbeit mit dem Landesjagdverband Baden-Württemberg, dem WWF und dem Zoologischen Garten Karlsruhe umgesetzt.
Juro liefert derweil wertvolle Daten, auch wenn er es selbst nicht weiss. Was die Beutegreifer in der Schweiz für ihr Überleben brauchen, ist kein Mitleid, sondern Raum: durchlässige Landschaften, unverbaute Rheinufer, funktionierende Korridore. Juro zeigt, dass es diese Wege noch gibt. Und wie schmal sie geworden sind.
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