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Jagd

Christophe Darbellays Wolfskrieg: Polemik gegen die Fakten

Im Wallis sind viele Herden noch immer nicht oder miserabel geschützt, ganz besonders im Oberwallis. Die Besitzer sind oft keine professionellen Züchter, sondern Hobby-Tierhalter.

Redaktion Wild beim Wild — 13. August 2025

Christophe Darbellay ist als Schweizer Hobby-Jäger ein Gewalttäter.

Seit 2017 ist er Staatsrat des Kantons Wallis. Von 2003 bis 2015 gehörte er dem Nationalrat an. Von 2006 bis 2016 präsidierte er die CVP Schweiz.

Christophe Darbellay verfolgt das Ziel, die Zahl der Wolfsrudel im Wallis von geschätzten elf auf lediglich drei zu reduzieren. Diese drastische Massnahme geht vielen Natur- und Umweltschützern zu weit.

Zudem argumentieren sie, dass bereits vor der Jagd per präventiven Abschüssen die Angriffsrate auf Schafe rückläufig war – insbesondere dank Schutzmassnahmen wie Herdenschutz.

Christophe Darbellay hat sich einen Ruf geschaffen, wissenschaftliche Erkenntnisse zu ignorieren oder falsch zu interpretieren. Abschüsse zum Beispiel können die Reproduktion fördern – ein Phänomen, das gegen das Ziel einer Regulierung spricht.

Der Nationalrat Christophe Clivaz wirft Christophe Darbellay Populismus und ein «Trump-mässiges» Vorgehen vor – er giesse Öl ins Feuer, statt sachlich zu agieren.

Die Berner Konvention bestätigt im Oktober 2024: „Proaktive“ Abschüsse – also präventives Erlegen ohne konkreten Schaden – seien illegal.

Im Dezember 2024 eröffnete der Ausschuss der Berner Konvention ein Untersuchungsverfahren gegen die Schweiz, weil man Teile des regulierenden Jagdsystems (z. B. eine Mindestanzahl von 12 Rudeln und präventive Abschüsse) als nicht konform mit der Konvention erachtet. Es gibt keinerlei Ausnahme oder Genehmigung durch die Berner Konvention, für eine Wolfsjagd, wie sie Christophe Darbellay oder der Bundesrat Albert Rösti der Öffentlichkeit vorfabuliert.

Die Schweiz hat die Berner Konvention am 12. März 1981 unterzeichnet und sie am 1. Juni 1982 ratifiziert. Seitdem ist sie völkerrechtlich verpflichtet, die darin enthaltenen Schutzbestimmungen – etwa für geschützte Arten wie den Wolf – in nationales Recht umzusetzen.

Tier- und Naturorganisationen betonen, dass der Hauptschutz vor Wolfsangriffen auf Nutztiere durch Herdenschutzhunde, elektrische Zäune und Hirtenpräsenz erreicht wird. Daten aus Graubünden zeigen, dass Wolfsrisse stark sinken, wenn Herden gut geschützt werden – teilweise auf nahezu null.

Anstatt ganze Rudel präventiv zu töten, fordern Umweltschützer ein gezieltes Vorgehen gegen nachweislich problematische Tiere. Der Vorteil: Die sozialen Strukturen im Rudel bleiben intakt, was unkontrollierte Vermehrung eher verhindert.

Die IG Wild beim Wild erinnert daran, dass der Wolf ein heimischer Beutegreifer ist, der durch die Schweiz zieht, und ein essenzieller Teil des Ökosystems und der Biodiversität ist. Insbesondere für den Waldumbau. Der Wolf spielt eine Rolle bei der Waldverjüngung. Er reguliert bestimmte Huftiere, die Schäden im Wald anrichten, nachhaltiger als Hobby-Jäger. Vor dem Hintergrund des Klimawandels und der anhaltenden Bedrohungen durch Schädlinge und Krankheiten ist die Schaffung von robusteren und nachhaltigeren Waldökosystemen unerlässlich. Ein anhaltend hoher Jagddruck hat den Bestand von Reh und Hirsch nicht auf gewünschte Höhe reguliert, sondern auf hohem Niveau hochproduktiv gehalten. Erst mit der Ankunft des Wolfes und anderer Beutegreifer konnten die Bestände in bestimmten Gebieten verringert werden. Der Dreiklang Pflanzen, Pflanzenfresser und Prädatoren ist Natur und funktioniert schon seit Jahrmillionen.

Die Hauptkritik an Darbellay ist nicht nur, dass er Wölfe grundlos töten will, sondern wie er es tun will. Grossflächig, präventiv, ohne spezifischen Schadensnachweis unter Vernachlässigung von Herdenschutzmassnahmen, die nachweislich wirken, und mit politischer Symbolik, die die Debatte emotional auflädt. Zudem missachtet er das Völkerrecht der Berner Konvention und illegale Jagdmethoden im Wallis.

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