Hoffnung für das Rebhuhn
Früher sagten die Bauern: «Erster Mai – erstes Ei!» Pünktlich mit Beginn des Wonnemonats lagen bei «Familie Rebhuhn» bis zu 20 Eier im Nest. Trotz der beachtlichen Anzahl an Eiern gab es in den letzten dreissig Jahren kaum Nachwuchs. Der Rebhuhn-Bestand ist in vielen Gebieten praktisch eingebrochen. «Nur in wenigen Regionen kann man heute noch
Früher sagten die Bauern: «Erster Mai – erstes Ei!» Pünktlich mit Beginn des Wonnemonats lagen bei «Familie Rebhuhn» bis zu 20 Eier im Nest. Trotz der beachtlichen Anzahl an Eiern gab es in den letzten dreissig Jahren kaum Nachwuchs. Der Rebhuhn-Bestand ist in vielen Gebieten praktisch eingebrochen. «Nur in wenigen Regionen kann man heute noch Rebhühner in der Feldflur beobachten», sagt Dr. Andreas Kinser von der Deutschen Wildtier Stiftung. Die intensive Landwirtschaft ist Hauptfaktor für den dramatischen Rückgang der Rebhühner: Sie finden kaum noch Verstecke vor ihren Feinden und für eine erfolgreiche Kükenaufzucht im Sommer fehlen vor allem die Insekten.
Stoppelfelder als Nahrungsquelle fehlen
Im Winter ernähren sich Rebhühner fast ausschliesslich von Blättern – am beliebtesten sind die frischen Spitzen von Raps und Wintergetreide. Trotzdem schätzen sie den Luxus von energiereicher Kost wie Pflanzensamen. Früher halfen ihnen Getreidekörner über den Winter, die nach der Ernte auf den Feldern liegen geblieben sind. Doch diese Stoppelfelder werden inzwischen schon im Herbst umgebrochen und stehen als Nahrungsquelle nicht mehr zur Verfügung. Unter der Leitung der Universität Göttingen wird niedersächsischen Rebhühnern noch bis in den Mai regelmässig ein Eimer Weizen pro Brutpaar zugefüttert. Die Massnahme ist Teil eines europäischen Rebhuhn-Projektes (North Sea Region-Interreg Projekt PARTRIDGE), durch das in vier internationalen Regionen ein Teil der Feldflur im Sinne des Rebhuhns aufgewertet werden soll.
Blühstreifen erhöhen Brutchancen
Der wichtigste Effekt der gezielten Fütterung der Rebhühner ist jedoch nicht die verbesserte Nahrungssituation: «Wir wollen erreichen, dass möglichst wenige Rebhühner nach dem Winter abwandern, sondern in unserem Projektgebiet bleiben», sagt Biologe Dr. Eckhard Gottschalk von der Abteilung Naturschutzbiologie der Universität Göttingen. «Dort haben wir für die Rebhühner strukturreiche Blühstreifen angelegt und ihre Chancen für eine erfolgreiche Brut und Kükenaufzucht sind deutlich höher als in der umgebenden Landschaft», so Gottschalk weiter. Diese freiwilligen Artenschutzleistungen werden den Landwirten mit einem finanziellen Ausgleich aus Projektmitteln honoriert. «Um auch jenseits der Projektgebiete das Rebhuhn zu erhalten, fordern wir mehr öffentliche Fördermittel für Landwirte, die Rücksicht auf Wildtiere wie Rebhühner nehmen», erklärt Kinser.
Projekt PARTRIDGE: 30 % mehr Biodiversität
Das internationale Projekt PARTRIDGE soll demonstrieren, dass es möglich ist, die Biodiversität in der Agrarlandschaft um 30 % zu erhöhen. Der Gradmesser für den Erfolg des Projektes ist die Entwicklung der Rebhuhnpopulation. In den untersuchten Landschaften werden dafür jeweils etwa sieben Prozent der Flächen im Sinne der Wildtiere aufgewertet.
Neben dem «Game and Wildlife Conservation Trust» als Projektträger des Dach-Projektes und den Demonstrationsregionen in England und Schottland beteiligen sich Institutionen aus Belgien, den Niederlanden und Deutschland an dem Projekt. PARTRIDGE wird über das EU-Interreg Nordseeprogramm gefördert. Mehr zu Umwelt und Naturschutz.
Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unseren Dossiers zur Hobby-Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte. Die wissenschaftlichen Belege stehen in der Übersicht Studien zu den Auswirkungen der Hobby-Jagd.
Die Position der IG Wild beim Wild: Die IG Wild beim Wild lehnt die Hobby-Jagd ab. Unser Vorbild ist der Kanton Genf, der seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt: ohne Jagdzeiten, ohne Jagdhunde, ohne Treibjagden, ohne Hochsitze, ohne die Tierquälerei und die Kriminalität, die anderswo zur Jagdsaison gehören. Was dort seit über fünfzig Jahren funktioniert, widerlegt jedes Positionspapier von JagdSchweiz. Ein Verband, der seine Politik auf Behauptungen stützt, die er in den eigenen Dokumenten widerlegt, ist keine Fachorganisation, sondern eine Fabrik für Fehlinformationen.
Wildtiere brauchen eine Stimme
Einmal pro Woche: Recherchen, Petitionen und Hintergründe zur Hobby-Jagd. Kostenlos und jederzeit abbestellbar.
Unterstütze unsere Arbeit
Mit deiner Spende hilfst du, Tiere zu schützen und ihrer Stimme Gehör zu verschaffen.
Jetzt spenden →
