Yellowstone: Hobby-Jäger töten 20 Wölfe
20 Wölfe des Yellowstone-Nationalparks wurden von Hobby-Jägern getötet, nachdem sie den Park verlassen hatten. Ein ganzes Rudel gilt als ausgerottet.
Zwanzig der berühmten grauen Wölfe des Yellowstone-Nationalparks verliessen den Park und wurden in den letzten Monaten von Hobby-Jägern erschossen.
Das sind die meisten, die in einer einzigen Saison durch die Hobby-Jagd getötet wurden, seit die Beutegreifer vor mehr als 25 Jahren wieder in der Region angesiedelt wurden, so die Parkverwaltung.
Fünfzehn Wölfe wurden erschossen, nachdem sie über die Nordgrenze des Parks nach Montana gewandert waren. Fünf weitere starben in Idaho und Wyoming.
Die Parkverwaltung erklärte, dass die Todesfälle «einen bedeutenden Rückschlag für das langfristige Überleben der Art und für die Wolfsforschung» darstellen.
Ganzes Rudel ausgerottet
Ein Rudel, das Phantom Lake Rudel, gilt nun als «eliminiert», nachdem die meisten oder alle seine Mitglieder innerhalb von zwei Monaten ab Oktober getötet wurden.
Es verbleiben schätzungsweise 94 Wölfe im Yellowstone. Da die Jagdsaison in Montana noch einige Monate andauert und die Wolfsfangsaison gerade erst begonnen hat, rechnen die Parkverantwortlichen damit, dass noch mehr Wölfe sterben werden, nachdem sie aus Yellowstone, wo die Hobby-Jagd verboten ist, abgewandert sind.
Der Leiter des Parks, Cam Sholly, äusserte erstmals im vergangenen September seine Besorgnis über das Sterben von Wölfen in der Nähe der Parkgrenze. Kürzlich forderte er den Republikaner Greg Gianforte aus Montana auf, die Hobby-Jagd und den Fallenfang in dem Gebiet für den Rest der Saison einzustellen.
Sholly zitierte in einem Brief an Gianforte vom 16. Dezember die ausserordentliche Anzahl der in dieser Jagdsaison bereits getöteten Yellowstone-Wölfe.
Gouverneur verweigert Jagdstopp
Gianforte, ein begeisterter Hobby-Jäger und Fallensteller, ging in einem Antwortschreiben an Sholly nicht direkt auf die Forderung nach einem Jagdstopp ein.
«Sobald ein Wolf den Park verlässt und in den Staat Montana eindringt, kann er gemäss den von der staatlichen Wildtier-Kommission nach dem Gesetz von Montana erlassenen Vorschriften gejagt werden», schrieb Gianforte.
Gianforte hatte im vergangenen Jahr eine Verwarnung von einem Wildhüter aus Montana erhalten, nachdem er einen mit einem Funksender versehenen Wolf etwa 16 Kilometer nördlich des Parks gefangen und geschossen hatte, ohne an einem staatlich vorgeschriebenen Kurs zur Ausbildung von Fallenstellern teilzunehmen.
In seiner Antwort an Sholly erklärte der Gouverneur, Montana schütze sich vor Überjagung durch Regeln, die von der Wildtierkommission erlassen werden, die die Jagdsaison überprüfen kann, wenn die Fangmengen eine bestimmte Grenze überschreiten.
Für den Südwesten Montanas, einschliesslich der an den Park angrenzenden Gebiete, liegt diese Grenze bei 82 Wölfen. Nach Angaben von Montana Fish, Wildlife and Parks wurden in dieser Region in dieser Saison bisher 64 von insgesamt 150 Wölfen im ganzen Land getötet.
Neue Regeln erleichtern das Töten
Der jüngste Wolfsabschuss an der Grenze zwischen Montana und Yellowstone erfolgte am Neujahrstag. Die Wolfsjagd in diesem Gebiet wurde am 21. Dezember eröffnet. Nach den neuen Vorschriften können Hobby-Jägerinnen und Hobby-Jäger in Montana Wölfe mit Ködern wie Fleisch anlocken, um sie zu töten, und Fallensteller können jetzt zusätzlich zu Tellereisen auch Schlingen verwenden.
«Die Erlaubnis zum Fallenstellen und vor allem zum Auslegen von Ködern ist ein grosses Problem, vor allem, wenn diese Taktiken Wölfe aus dem Park locken», sagte der Sprecher von Yellowstone, Morgan Warthin.
Auf Drängen der republikanischen Gesetzgeber haben die Wildschutzbehörden von Montana im vergangenen Jahr die Jagd- und Fangvorschriften für Wölfe landesweit gelockert. Ausserdem wurden die seit langem geltenden Quoten für Wölfe in den an den Park angrenzenden Gebieten aufgehoben. Die Quoten, um deren Wiedereinführung Sholly Gianforte gebeten hatte, erlaubten es, jährlich nur wenige Wölfe entlang der Grenze zu töten.
Die ursprünglichen Quoten waren dazu gedacht, Rudel zu schützen, die Touristinnen und Touristen aus aller Welt nach Yellowstone locken, um einen Wolf in freier Wildbahn zu sehen.
Die Bemühungen Montanas, das Töten von Wölfen zu erleichtern, spiegeln die jüngsten Massnahmen in anderen Bundesstaaten wie Idaho und Wisconsin wider. Die Änderungen erfolgten, nachdem sich die Hobby-Jägerschaft und Viehzüchter erfolgreich für eine Reduzierung der Wolfspopulationen eingesetzt hatten.
Doch die zunehmende Aggressivität der Bundesstaaten gegenüber den Beutegreifern hat bei den Bundesbehörden für Wildtiere Besorgnis ausgelöst. Im September erklärte der U.S. Fish and Wildlife Service, er werde prüfen, ob der Schutz für mehr als 2’000 Wölfe in den nördlichen US-Rockies-Staaten, darunter Montana, Idaho und Wyoming, wiederhergestellt werden sollte.
Marc Cooke von der Interessengruppe Wolves of the Rockies sagte eine Gegenreaktion gegen Gianforte und den Staat voraus. «Die Menschen lieben diese Tiere und sie bringen dem Park eine Menge Geld ein. Das läuft auf die Kommerzialisierung von Wildtieren für eine kleine Minderheit von speziellen Interessengruppen hinaus.» Weitere Hintergründe zur Tierschutzproblematik finden sich in den Dossiers von Wild beim Wild.
Dossier: Wolf in der Schweiz: Fakten, Politik und die Grenzen der Jagd
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