2. April 2026, 19:54

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Fuchs Schweiz: Meistgejagter Beutegreifer ohne Lobby

In der Schweiz werden jedes Jahr rund 19’000 Rotfüchse auf der Niederjagd erschossen. Die meisten von ihnen landen im Abfall. Für den Fuchs gibt es in der Schweiz keine Abschussplanung, keine Kontingente und keine wissenschaftlich anerkannte Regulierungsnotwendigkeit. Er wird ganzjährig bejagt – per Niederjagd, Passjagd, Baujagd und mit Sonderbewilligungen in der Schonzeit. Laut Tierschutzgesetz (Art. 26 TSchG) muss ein «vernünftiger Grund» für das Töten eines Tieres vorliegen. Für die Fuchsjagd existiert keiner, der einer wissenschaftlichen Prüfung standhält.

Was für ein Widerspruch: Das Tier, das in der Schweiz die wichtigste Rolle als natürlicher Mäusejäger, Aasverwerter und Seuchenregulierer spielt, wird als «Raubzeug» klassifiziert und dient Hobby-Jägern als lebendige Zielscheibe. Mindestens 18 wildbiologische Studien über mehr als 30 Jahre beweisen konsistent: Die Fuchsjagd reguliert Bestände nicht, sie destabilisiert sie. Sie taugt nicht zur Seuchenbekämpfung – im Gegenteil. In Luxemburg ist die Fuchsjagd seit 2015 verboten: Die Bestände sind stabil geblieben, die Befallsrate mit dem Fuchsbandwurm ist von 40 auf unter 10 Prozent gesunken. Im Kanton Genf gibt es seit über 50 Jahren keine Milizjagd – ohne «Fuchsexplosion», ohne Seuchen, ohne Chaos. JagdSchweiz schrieb 2011 selbst: «Wildtierbestände regulieren sich grundsätzlich – auch in unserer Kulturlandschaft – von selbst.»

Dieses Dossier bündelt die wichtigsten Fakten zum Fuchs in der Schweiz: seine ökologische Rolle als Gesundheitspolizist und Mäuseregulator, die wissenschaftliche Widerlegung der Jagdargumente, die politischen Mechanismen, die seine sinnlose Verfolgung schützen – und die Frage, warum eine Praxis, die nachweislich kontraproduktiv ist, im 21. Jahrhundert fortgeführt wird. Wer tiefer einsteigen will, findet in unserem Dossier zur Jagd in der Schweiz die umfassendste Materialbasis.

Was dich hier erwartet

  • Biologie und Lebensweise: Wer der Rotfuchs ist, wie er lebt, warum er als Kulturfolger und Anpassungskünstler alle Lebensräume der Schweiz besiedelt.
  • Ökologische Bedeutung: Warum der Fuchs als Mäuseregulator, Aasverwerter und Gesundheitspolizist mehr für die Ökosysteme leistet als jeder Hobby-Jäger.
  • Kompensatorische Reproduktion: Der wissenschaftliche Mechanismus, der erklärt, warum Fuchsjagd zu mehr Füchsen führt – und warum Luxemburg, Genf und der Nationalpark dies beweisen.
  • Fuchsbandwurm, Tollwut, Räude: Wie die Hobby-Jagdlobby Krankheitsängste instrumentalisiert – und was die Daten tatsächlich zeigen.
  • Bedrohungen: Hobby-Jagd, Baujagd, Nachtjagd, Verwechslungsabschüsse, Strassenverkehr und die systematische Entmenschlichung eines faszinierenden Beutegreifers.
  • Luxemburg und Genf: Die Erfolgsmodelle, die das gesamte Jagdnarrativ widerlegen.
  • Politik und Lobby: Wie JagdSchweiz die Fuchsjagd verteidigt – und warum die Argumente nicht halten.
  • «Wussten Sie?» – 25 Fakten zum Fuchs, die das Jagd-Narrativ widerlegen.
  • Alternativen: Was stattdessen funktioniert.
  • Was sich ändern müsste: Konkrete politische Forderungen.
  • Argumentarium: Antworten auf die häufigsten Behauptungen der Hobby-Jagdlobby zum Fuchs.
  • Quicklinks: Alle relevanten Beiträge, Studien und Dossiers.

Biologie und Lebensweise: Der anpassungsfähigste Beutegreifer Europas

Der Rotfuchs (Vulpes vulpes) gehört zur Familie der Hunde (Canidae) und ist das am weitesten verbreitete Landraubtier der Erde. In der Schweiz ist er die einzige einheimische Fuchsart. Erwachsene Tiere erreichen eine Rumpflänge von 60 bis 90 Zentimetern, eine Schwanzlänge (Lunte) von rund 40 Zentimetern und ein Gewicht von 5 bis 8 Kilogramm. Die charakteristische rotbraune Fellfarbe variiert je nach Region und Jahreszeit, die Schwanzspitze ist weiss. Die aufrecht stehenden, dreieckigen Ohren kann der Fuchs in fast alle Richtungen drehen und so Geräusche präzise lokalisieren.

Füchse sind Einzelgänger mit einem flexiblen Sozialsystem. In ländlichen Gebieten beansprucht ein Fuchs ein Revier von 100 bis 350 Hektar (im Schweizer Jura), in Städten wie Zürich nur rund 30 Hektar. Die Reviere werden mit Urin und Kot markiert und gegen Artgenossen verteidigt. Dieses Territorialsystem ist ein natürlicher Regulierungsmechanismus: Frei werdender Lebensraum wird von anderen Füchsen rasch wieder besetzt, nicht durch Vermehrung, sondern durch Zuwanderung.

Die Paarungszeit (Ranzzeit) fällt in die Wintermonate Dezember bis März. Die Fähe ist nur während zwei bis drei Tagen im Januar oder Februar empfängnisfähig. Nach einer Tragzeit von rund 50 bis 63 Tagen gebiert sie durchschnittlich vier bis sechs Welpen. In stabilen, nicht bejagten Populationen pflanzt sich nur die ranghöchste Fähe des Familienverbands fort – «Geburtenbeschränkung statt Massenelend», wie der Biologe Erik Zimen dieses Phänomen beschrieb. Wird das Sozialgefüge durch Bejagung zerstört, reproduzieren sich nahezu alle Fähen, die Wurfgrössen steigen, und die Population kompensiert die Verluste innert kürzester Zeit.

Der Fuchs ist ein ausgesprochener Nahrungsopportunist. Sein Speiseplan umfasst Feldmäuse (Hauptnahrung, rund 80 Prozent), Obst und Beeren, Würmer, Insekten, Aas, Abfälle und gelegentlich Vögel oder Kaninchen. Der tägliche Nahrungsbedarf entspricht umgerechnet etwa 15 bis 20 Mäusen. Diese Ernährungsbreite macht ihn zu einem der wichtigsten natürlichen Regulatoren von Mäuse- und Nagerpopulationen – mit direkten positiven Auswirkungen auf Landwirtschaft und Gesundheit.

Die natürliche Lebenserwartung eines Fuchses beträgt bis zu acht Jahre. In stark bejagten Gebieten werden 95 Prozent aller Füchse nicht älter als vier Jahre. Im Schweizerischen Nationalpark, wo der Fuchs vollständig geschützt ist, reguliert sich die Population seit Jahrzehnten stabil, keines seiner Beutetiere ist ausgestorben, und es gibt weder Seuchen noch «Bestandsexplosionen».

Mehr dazu: Tierquälerei: Fuchsmassaker in der Schweiz und Schluss mit der Fuchsjagd

Ökologie: Gesundheitspolizist, Mäusejäger und Aasverwerter

Der Fuchs ist eine ökologische Schlüsselfigur. Seine Funktionen im Ökosystem sind vielfältig, messbar und durch keine Hobby-Jagd ersetzbar:

Als Mäuseregulator hält der Fuchs Populationen von Feldmäusen, Wühlmäusen und anderen Kleinsäugern in Schach. Ein einzelner Fuchs frisst jährlich mehrere tausend Mäuse. Das hat direkte Auswirkungen auf die Landwirtschaft (weniger Ernteausfälle durch Mäusefrass), auf die Forstwirtschaft (weniger Wurzelschäden an jungen Bäumen) und auf die menschliche Gesundheit: Weniger Mäuse bedeuten weniger Zecken, weniger Borreliose, weniger Hantavirus. Aktuelle Forschungsarbeiten zeigen, dass der Fuchs einer unserer wertvollsten Verbündeten im Kampf gegen die Borreliose ist.

Als Aasverwerter beseitigt der Fuchs Tierkadaver und verhindert damit die Ausbreitung von Krankheiten. Diese Rolle als «Gesundheitspolizist» wird in der Jagdliteratur gerne romantisiert, in der Jagdpraxis aber konterkariert: Wer Füchse erschiesst, eliminiert genau jene Tiere, die diese Funktion ausüben.

Als Samenverbreiter trägt der Fuchs über seinen Kot Samen von Beeren und Früchten in neue Gebiete und fördert damit die Pflanzenvielfalt. Auch diese Funktion ist ökologisch dokumentiert und durch keine Jagdmethode ersetzbar.

Die Hobby-Jagdlobby argumentiert, der Fuchs müsse «reguliert» werden, um Bodenbrüter und Feldhasen zu schützen. Die Daten widerlegen dies grundlegend: In Deutschland wurden in zehn Jahren rund 10 Millionen Füchse erschossen – und die Feldhasen-Bestände gingen im selben Zeitraum um die Hälfte zurück, die Fasanenbestände um 75 Prozent, Rebhühner verschwanden fast vollständig. Der Rückgang dieser Arten ist auf die Zerstörung von Lebensräumen durch intensive Landwirtschaft zurückzuführen – nicht auf den Fuchs. Luxemburgs Umweltministerin stellte klar: «Es gibt keine wissenschaftlichen Nachweise dafür, dass das Fuchsjagdverbot für den Rückgang gewisser Vogelarten verantwortlich ist.»

Mehr dazu: Fuchsjagd ohne Fakten: Wie JagdSchweiz Probleme erfindet und Jagd und Biodiversität: Schützt Jagd wirklich die Natur?

Kompensatorische Reproduktion: Warum Fuchsjagd zu mehr Füchsen führt

Das zentrale wissenschaftliche Argument gegen die Fuchsjagd ist die kompensatorische Reproduktionsdynamik. Sie ist kein Einzelbefund, sondern eines der am besten dokumentierten Phänomene der Populationsbiologie. Mindestens 18 wildbiologische Studien über mehr als 30 Jahre beweisen konsistent: Fuchsjagd reguliert nicht.

Der Mechanismus ist klar: Werden Füchse durch Hobby-Jagd dezimiert, reagiert die Population mit erhöhter Geburtenrate. In stabilen, unbejagten Populationen pflanzt sich nur die ranghöchste Fähe fort, die Wurfgrösse ist klein. Sobald das Sozialgefüge durch Bejagung zerrissen wird, reproduzieren sich nahezu alle Fähen, die Wurfgrössen steigen auf das Drei- bis Vierfache, und Füchse aus angrenzenden Gebieten wandern in die frei gewordenen Reviere ein. Studien belegen: Selbst bei einem Abschuss von drei Vierteln eines Bestands ist im nächsten Jahr wieder dieselbe Anzahl Tiere vorhanden.

Robert Brunold, Präsident des kantonalen Patentjäger-Verbandes Graubünden, sagte es offen: «Nötig ist die Niederjagd nicht, aber berechtigt. So könne man sich auch fragen, ob es sinnvoll sei, Beeren und Pilze im Wald zu sammeln!» Peter Juesy, ehemaliger Jagdinspektor des Kantons Bern, formulierte es nüchterner: «Wildbiologisch ist die Fuchsjagd nicht sinnvoll, der Bestand lässt sich so nicht regulieren.»

Was die Praxiserfahrung bestätigt:

Im Schweizerischen Nationalpark wird der Fuchs seit über 100 Jahren nicht bejagt. Der Bestand ist stabil. Keines seiner Beutetiere ist ausgestorben. Es gibt keine «Fuchsexplosion».

Im Kanton Genf gibt es seit 1974 keine Milizjagd. Auch hier keine «Fuchsexplosion», keine Seuchen, stattdessen wachsende Biodiversität und 30’000 überwinternde Wasservögel.

In Luxemburg ist die Fuchsjagd seit 2015 verboten. Die Wildkamera-Zählungen zeigen einen stabilen, gleichbleibenden Bestand. Die Horrorszenarien des luxemburgischen Jagdverbands sind nicht eingetreten.

In deutschen Nationalparks (Bayerischer Wald, Berchtesgaden u.a.) ist die Fuchsjagd eingestellt oder stark eingeschränkt – mit durchweg positivem Fazit.

Mehr dazu: Warum die Hobby-Jagd als Populationskontrolle scheitert und Luxemburg verlängert Fuchsjagdverbot

Fuchsbandwurm, Tollwut, Räude: Wie Angst die Fuchsjagd am Leben hält

Die Hobby-Jagdlobby wechselt ihre Legitimationsargumente, sobald eines wissenschaftlich widerlegt ist. Erst war es die Tollwut, dann der Fuchsbandwurm, dann die Räude, dann die Borreliose. Die Jagdpraxis bleibt dieselbe – nur das Label ändert sich.

Tollwut: Die terrestrische Tollwut gilt in der Schweiz seit 1998 als ausgerottet. Sie wurde nicht durch Abschüsse besiegt, sondern durch Impfköder. Die Schweizerische Tollwutzentrale folgerte bereits: Eine jägerische Reduktion von Fuchspopulationen sei «offensichtlich nicht möglich und die Jagd zur Tollwutbekämpfung sogar kontraproduktiv». Die massenhafte Bejagung hatte die Krankheit verbreitet statt eingedämmt – weil sie Wanderbewegungen verstärkte und das Sozialgefüge zerstörte. Das Argument «Tollwutbekämpfung» verschwand, die Fuchsjagd blieb.

Fuchsbandwurm: Die Behauptung «weniger Füchse = weniger Fuchsbandwurm = weniger Risiko» klingt logisch, ist aber widerlegt. Eine vierjährige französische Studie (2017) zeigte: In Gebieten mit intensiver Bejagung stieg die Befallsrate der Füchse von 40 auf 55 bis 75 Prozent. Im jagdfreien Kontrollgebiet blieb sie konstant. In Luxemburg sank die Befallsrate nach dem Fuchsjagdverbot von 40 auf unter 10 Prozent. Die Bejagung destabilisiert Territorialstrukturen, erhöht Wanderbewegungen und fördert damit die Verbreitung des Parasiten. Am Fuchsbandwurm erkranken in der Schweiz jährlich weniger als 30 Personen – sehr viel weniger, als bei Jagdunfällen zu Schaden kommen. In der Regel stecken sich vor allem Hobby-Jäger selbst an, durch den Umgang mit erlegten Tieren.

Räude: Die Fuchsräude tritt in bejagten und unbejagten Populationen gleichermassen auf. Jagddruck und der damit verbundene Stress schwächen das Immunsystem der Tiere und erhöhen die Anfälligkeit für Krankheiten. Die Behauptung, Fuchsjagd schütze vor Räude, ist epidemiologisch nicht belegt.

Borreliose: Hier verkehrt sich das Argument vollständig: Weniger Füchse bedeuten mehr Mäuse, mehr Mäuse bedeuten mehr Zecken, mehr Zecken bedeuten mehr Borreliose und mehr Hantavirus. Am Hantavirus erkranken in Deutschland jährlich bis zu 2’000 Personen – rund 800 Prozent mehr als am Fuchsbandwurm. Wer Füchse erschiesst, schadet der Gesundheit der Bevölkerung.

Mehr dazu: Jagd und Wildtierkrankheiten und Niederjagd und Wildkrankheiten

Bedrohungen: Ein Leben unter permanentem Beschuss

Der Fuchs ist in der Schweiz nicht geschützt. Er ist jagdbar, praktisch ganzjährig bejagt, und seine Tötung unterliegt keiner behördlichen Planung. Das macht ihn zum Freiwild – zum Tier im juristischen Niemandsland.

Niederjagd: Tagsüber werden Füchse in den meisten Kantonen im Rahmen der Niederjagd geschossen. Es gibt keine Kontingente und keine behördlich festgelegten Abschusszahlen. Die Tiere dienen als lebendige Zielscheiben.

Passjagd und Nachtjagd: In der Nacht sitzen Hobby-Jäger an Kirrungen (Futterstellen) im und am Wald und warten auf das «Raubwild», das die kantonalen Verordnungen trotz angeblichem Nachtjagdverbot ausdrücklich freigeben. Ob Zürich, Graubünden, Solothurn oder Aargau: Das Muster wiederholt sich. Offiziell gilt das Nachtjagdverbot im Wald, die Ausnahmen für «Raubwild» höhlen es systematisch aus.

Baujagd: Eine der grausamsten Jagdmethoden überhaupt. Scharf gemachte Hunde werden in Fuchs- und Dachshöhlen gehetzt. Die eingesperrten Tiere erleiden Todesangst, werden gebissen und getrieben. Gemäss Art. 4 des Tierschutzgesetzes ist es verboten, Hunde auf andere Tiere zu hetzen. Dennoch wird genau das im Rahmen der Fuchsjagd legalisiert und tausendfach praktiziert. 64 Prozent der Schweizer Bevölkerung befürworten ein Verbot der Baujagd.

Verwechslungsabschüsse: Füchse werden regelmässig mit geschützten Arten verwechselt – insbesondere mit Wildkatzen, die sich in der Schweiz wieder ausbreiten. Die Konsequenzen für Hobby-Jäger sind minimal.

Strassenverkehr: Jährlich fallen rund 7’000 Füchse dem Verkehr zum Opfer. Jagddruck erhöht die Wanderbewegungen und treibt Füchse in unbekannte Gebiete – auch über Strassen.

Entsorgung statt Verwertung: Die meisten erlegten Füchse werden im Abfall entsorgt. Sie werden nicht gegessen, ihr Pelz wird meist nicht genutzt. Das JagdSchweiz-Positionspapier von 2025 behandelt Füchse als «herrenlose öffentliche Sache» und als Rohstoff mit schwankendem Pelzpreis. Nicht als fühlendes Individuum.

Mehr dazu: Füchse wegen der Jagd in permanenter Todesangst und Verbot der sinnlosen Fuchsjagd ist überfällig

Luxemburg und Genf: Die Erfolgsmodelle, die das Jagd-Narrativ widerlegen

Luxemburg und der Kanton Genf liefern den unwiderlegbaren Praxisbeweis dafür, dass die Fuchsjagd unnötig ist.

Luxemburg: Seit dem 1. April 2015 ist die Fuchsjagd verboten, der Fuchs wurde aus der Liste der jagdbaren Arten gestrichen. Auch nach dem Regierungswechsel 2023 (die Grünen flogen aus der Koalition) wurde das Verbot beibehalten. Der neue Umweltminister Serge Willmes (CSV) bestätigte: Die Daten geben keinen Anlass, das Fuchsjagdverbot aufzuheben. Die Ergebnisse nach über zehn Jahren sind eindeutig: Kein Anstieg der Fuchspopulation (stabil laut Wildkamera-Monitoring), kein Einbruch bei Hasen oder Fasanen, keine Probleme mit Tollwut oder Fuchsbandwurm. Im Gegenteil: Die Befallsrate mit dem Fuchsbandwurm sank von rund 40 Prozent (2014, unter Bejagung) auf unter 10 Prozent (2023, ohne Bejagung). Damit hat Luxemburg das Hauptargument der Jagdlobby empirisch widerlegt.

Kanton Genf: Seit 1974 gibt es keine Milizjagd mehr. Das Wildtiermanagement wird von professionellen Wildhütern übernommen. Der Fuchs wird nicht bejagt. Die Artenvielfalt ist gestiegen, die Vogelwelt hat sich von wenigen Hundert auf 30’000 überwinternde Wasservögel entwickelt. Die Kosten für das professionelle Wildtiermanagement betragen rund eine Million Franken pro Jahr – das entspricht einer Tasse Kaffee pro Einwohnerin.

Nationalparks: Im Schweizerischen Nationalpark wird der Fuchs seit über 100 Jahren nicht bejagt. Der Bestand ist stabil. In deutschen Nationalparks (Bayerischer Wald, Berchtesgaden) zeigt sich dasselbe Bild: Einstellung der Fuchsjagd ohne negative Folgen.

Die Schlussfolgerung ist unbequem klar: Ein dauerhaftes Fuchsjagdverbot ist möglich, führt nicht zu Chaos und entzieht den Angstargumenten der Hobby-Jagdlobby die Grundlage. Was in Luxemburg, Genf und zahlreichen Nationalparks seit Jahren gelebte Praxis ist, kann schweizweit Realität werden.

Mehr dazu: Genf und das Jagdverbot und Wie die Schweiz Füchse nachts weiter abknallt und was Genf längst besser macht

Politik und Lobby: Wie JagdSchweiz die Fuchsjagd verteidigt

Am 27. November 2025 veröffentlichte JagdSchweiz ein Positionspapier zur Fuchsbejagung. Der Tenor: Die Fuchsjagd sei «sinnvoll und nützlich» und müsse «unbedingt beibehalten» werden. Kritik von Natur- und Tierschutzorganisationen wird als emotional und faktenarm abgetan. Ein Blick auf die Struktur des Papiers zeigt das Muster:

Füchse werden als «herrenlose öffentliche Sache» und als Rohstoff mit schwankendem Pelzpreis behandelt. Entscheidend sind Jagdrecht, Jagdstrecke und Markt – nicht das Tier als fühlendes Individuum. Das Positionspapier ignoriert systematisch die Erfahrungen aus Luxemburg, Genf und fuchsjagdfreien Nationalparks. Es zeichnet dramatische Szenarien (Bestandsexplosion, Seuchengefahr, Artenverlust), die in keinem einzigen jagdfreien Gebiet eingetreten sind. Und es verschweigt die amtlichen Zahlen zur Jagdpraxis: Im Kanton Graubünden führen jährlich rund 1’000 Anzeigen und Bussen gegen Hobby-Jäger Buch über das Ausmass handwerklicher Fehler und regelwidriger Schüsse. Bei 7’079 erlegten Füchsen im Jagdjahr 2022/23 konnten die Hobby-Jäger nicht einmal bestimmen, ob sie eine Fähe oder einen Rüden geschossen hatten.

Das Positionspapier steht in direktem Widerspruch zur eigenen früheren Aussage: JagdSchweiz schrieb am 29. August 2011 öffentlich: «Wildtierbestände regulieren sich grundsätzlich – auch in unserer Kulturlandschaft – von selbst.» Damit hat der Dachverband der Schweizer Hobby-Jäger das eigene Kernargument schriftlich dekonstruiert.

Ein Gericht in Bellinzona hat rechtskräftig bestätigt, dass die Kritik an einer Gewaltkultur im Umfeld von JagdSchweiz nicht als Verleumdung gewertet werden kann. Das Fuchsjagd-Narrativ ist ein Paradebeispiel dafür, wie Lobby-Interessen politische Faktenresistenz erzeugen.

Mehr dazu: Fuchsjagd ohne Fakten: Wie JagdSchweiz Probleme erfindet und Wie Jagdverbände Politik und Öffentlichkeit beeinflussen

«Wussten Sie?» – 25 Fakten zum Fuchs, die das Jagd-Narrativ widerlegen

  • Jährlich werden in der Schweiz rund 19’000 Füchse auf der Niederjagd erschossen. Die meisten landen im Abfall.
  • Für die Fuchsjagd gibt es in der Schweiz keine Abschussplanung, keine Kontingente und keinen wissenschaftlich anerkannten Regulierungsgrund.
  • Mindestens 18 wildbiologische Studien über mehr als 30 Jahre belegen konsistent: Fuchsjagd reguliert nicht und taugt zur Seuchenbekämpfung nicht.
  • JagdSchweiz schrieb 2011 selbst: «Wildtierbestände regulieren sich grundsätzlich – auch in unserer Kulturlandschaft – von selbst.»
  • In Luxemburg ist die Fuchsjagd seit 2015 verboten. Die Bestände sind stabil, die Befallsrate mit dem Fuchsbandwurm sank von 40 auf unter 10 Prozent.
  • Im Kanton Genf gibt es seit 1974 keine Milizjagd – ohne «Fuchsexplosion», ohne Seuchen, mit steigender Biodiversität.
  • Im Schweizerischen Nationalpark wird der Fuchs seit über 100 Jahren nicht bejagt. Der Bestand ist stabil, keines seiner Beutetiere ist ausgestorben.
  • In stark bejagten Populationen reproduzieren sich nahezu alle Fähen und die Wurfgrössen steigen auf das Drei- bis Vierfache – kompensatorische Reproduktion erzeugt mehr Füchse, nicht weniger.
  • Die terrestrische Tollwut wurde in der Schweiz nicht durch Abschüsse besiegt, sondern durch Impfköder. Die Tollwutzentrale bezeichnete die Fuchsjagd zur Tollwutbekämpfung als «kontraproduktiv».
  • Eine französische Studie zeigte: Intensive Bejagung erhöhte die Fuchsbandwurm-Befallsrate auf 55 bis 75 Prozent – im jagdfreien Kontrollgebiet blieb sie bei 40 Prozent.
  • Ein einzelner Fuchs frisst jährlich mehrere tausend Mäuse. Weniger Füchse bedeuten mehr Mäuse, mehr Zecken, mehr Borreliose und mehr Hantavirus.
  • Am Hantavirus erkranken in Deutschland jährlich bis zu 2’000 Personen – rund 800 Prozent mehr als am Fuchsbandwurm.
  • Füchse ernähren sich zu rund 80 Prozent von Mäusen. Die Jagdbegründung «Schutz der Feldhasen» ist faktisch falsch, da Füchse gesunde Hasen praktisch nie erbeuten.
  • In Deutschland wurden in zehn Jahren rund 10 Millionen Füchse erschossen – und die Feldhasenbestände gingen im selben Zeitraum um die Hälfte zurück.
  • 64 Prozent der Schweizer Bevölkerung befürworten ein Verbot der Baujagd. Nur 21 Prozent wünschen ihre Beibehaltung.
  • Bei 7’079 erlegten Füchsen im Jagdjahr 2022/23 konnten die Hobby-Jäger nicht bestimmen, ob sie eine Fähe oder einen Rüden geschossen hatten.
  • Die Baujagd hetzt scharf gemachte Hunde in Fuchs- und Dachshöhlen – gemäss Tierschutzgesetz ist es verboten, Hunde auf andere Tiere zu hetzen.
  • Hobby-Jäger erhalten in vielen Kantonen Spezialbewilligungen, um Füchse auch während der Schonzeit (16. Juni bis 31. August) zu töten – als «Hegejagd» deklariert.
  • Jährlich fallen rund 7’000 Füchse in der Schweiz dem Strassenverkehr zum Opfer. Jagddruck erhöht Wanderbewegungen und damit das Unfallrisiko.
  • Der gesamtschweizerische Fuchsbestand wird auf über 100’000 Tiere geschätzt – ohne jede Abschussplanung wird knapp ein Fünftel davon jedes Jahr erschossen.
  • Luxemburg hat 2024 – auch unter einer neuen, konservativen Regierung – das Fuchsjagdverbot ausdrücklich bestätigt.
  • Der Fuchs dient im Ökosystem als Mäuseregulator, Aasverwerter und Samenverbreiter – Funktionen, die kein Hobby-Jäger ersetzen kann.
  • Im Kanton Genf kostet das professionelle Wildtiermanagement rund eine Million Franken pro Jahr – eine Tasse Kaffee pro Einwohnerin.
  • Stadtfüchse in Zürich, Basel, Lausanne und anderen Städten leben friedlich neben Menschen. Konflikte entstehen fast ausschliesslich durch Fütterung und Vermüllung.
  • Ein Gericht in Bellinzona hat rechtskräftig bestätigt, dass die Kritik an einer Gewaltkultur im Umfeld von JagdSchweiz nicht als Verleumdung gewertet werden kann.

Alternativen: Was stattdessen funktioniert

Die Fuchsjagd ist nicht nur unnötig – sie ist kontraproduktiv. Was stattdessen funktioniert, ist erprobt und belegt:

Natürliche Selbstregulation zulassen: Fuchspopulationen regulieren sich über Nahrungsangebot, Territorialität, Krankheiten und soziale Mechanismen. In stabilen Populationen pflanzt sich nur die ranghöchste Fähe fort. Luxemburg, Genf und der Nationalpark beweisen dies seit Jahren und Jahrzehnten.

Entwurmungsköder statt Abschüsse: Die Bekämpfung des Fuchsbandwurms gelingt nachweislich besser durch Entwurmungsköder (Praziquantel) als durch Bejagung. Diese Methode reduziert die Befallsrate gezielt, ohne Territorialstrukturen zu zerstören und Wanderbewegungen auszulösen.

Professionelle Wildhüter statt bewaffnete Miliz: Nach Genfer Vorbild übernimmt staatlich angestelltes Fachpersonal die wenigen nötigen Eingriffe – transparent, tierschutzgerecht, nach ökologischen Kriterien, ohne Trophäenlogik und ohne Lustbefriedigung.

Hygiene und Prävention: Konflikte mit Stadtfüchsen lassen sich durch Hygienemassnahmen (geschlossene Abfallbehälter, keine Fütterung, geschützte Hühnerställe) besser lösen als durch Abschüsse, die frei gewordene Reviere sofort neu besetzen.

Lebensraumschutz und Vernetzung: Wildtierkorridore und zusammenhängende Grünflächen ermöglichen stabile Territorialstrukturen und reduzieren Konflikte mit dem Strassenverkehr.

Monitoring durch unabhängige Fachstellen: Die Bestandserhebung muss von der Hobby-Jagdlobby getrennt werden. Wer zählt, jagt und politisiert, kann nicht gleichzeitig objektive Daten liefern.

Mehr dazu: Alternativen zur Hobby-Jagd und Das Wildhütermodell – professionelles Wildtiermanagement mit Ehrenkodex

Was sich ändern müsste

  • Sofortiges Verbot der Fuchsjagd in der Schweiz: Es gibt keinen vernünftigen Grund für die massenhafte Tötung von Füchsen. Luxemburg, Genf und der Nationalpark beweisen, dass ein Verbot funktioniert. Die Fuchsjagd ist ein klarer Verstoss gegen Art. 26 TSchG. Mustervorstoss: Mustertexte für jagdkritische Vorstösse
  • Sofortiges Verbot der Baujagd: Die Baujagd ist tierschutzrechtlich nicht vertretbar, von der Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt und wissenschaftlich sinnlos. Sie muss bundesrechtlich verboten werden.
  • Verbot von Nachtjagd und Sonderbewilligungen auf Füchse: Die kantonalen Ausnahmen, die die Fuchsjagd während der Schonzeit und in der Nacht ermöglichen, müssen abgeschafft werden. Der Fuchs darf kein Tier im juristischen Niemandsland bleiben.
  • Trennung von Vollzug, Bestandserhebung und Interessenvertretung: Die Bestandserhebung und das Monitoring von Fuchspopulationen dürfen nicht von Hobby-Jagdverbänden durchgeführt werden, die ein wirtschaftliches Interesse an der Fortführung der Jagd haben.
  • Einsatz von Entwurmungsködern statt Abschüssen: Die Bekämpfung des Fuchsbandwurms muss auf wissenschaftlich belegte Methoden (Praziquantel-Köder) umgestellt werden, nicht auf eine Jagdpraxis, die das Problem nachweislich verschärft.
  • Schrittweiser Übergang zu professionellen Wildhüterstrukturen: Nach Genfer Vorbild, mit kantonalen Pilotprojekten, transparenter Kostenkalkulation und wissenschaftlicher Evaluation.

Argumentarium

«Ohne Fuchsjagd explodieren die Bestände.» In Luxemburg, Genf und dem Schweizerischen Nationalpark gibt es keine Fuchsjagd – und nirgends eine «Bestandsexplosion». Fuchspopulationen regulieren sich über Nahrungsangebot, Territorialität und soziale Mechanismen. Bejagung zerstört diese Mechanismen und löst kompensatorische Reproduktion aus. Das Argument ist nicht nur falsch, sondern beschreibt genau das Gegenteil der biologischen Realität: Mehr Fuchsjagd erzeugt mehr Füchse.

«Die Fuchsjagd schützt vor dem Fuchsbandwurm.» Die Befallsrate in Luxemburg sank nach dem Jagdverbot von 40 auf unter 10 Prozent. Eine französische Studie zeigte, dass intensive Bejagung die Befallsrate erhöht. Bejagung destabilisiert Territorialstrukturen und verstärkt Wanderbewegungen – genau das, was die Verbreitung des Parasiten fördert. Wirksam sind Entwurmungsköder, nicht Schrotladungen.

«Der Fuchs ist schuld am Rückgang der Feldhasen und Bodenbrüter.» In Deutschland wurden zehn Jahre lang rund 10 Millionen Füchse erschossen – Feldhasen gingen um die Hälfte zurück, Fasane um 75 Prozent, Rebhühner verschwanden fast. Luxemburgs Umweltministerin bestätigte: «Es gibt keine wissenschaftlichen Nachweise, dass das Fuchsjagdverbot für den Rückgang von Vogelarten verantwortlich ist.» Die Ursache ist Lebensraumverlust durch intensive Landwirtschaft, nicht der Fuchs. Der Fuchs als Sündenbock entlastet die Agrarpolitik und legitimiert die Hobby-Jagd.

«Die Baujagd ist nötig, um Fuchsbestände zu kontrollieren.» Die Baujagd ist die grausamste Jagdmethode, von 64 Prozent der Bevölkerung abgelehnt, tierschutzrechtlich problematisch (Hetzen von Hunden auf andere Tiere ist verboten) und reguliert nachweislich nichts. Sie dient der Lustbefriedigung von Hobby-Jägern, nicht dem Wildtiermanagement.

«Stadtfüchse sind ein Problem und müssen bejagt werden.» Stadtfüchse sind Kulturfolger, die sich an menschliche Lebensräume angepasst haben. Konflikte entstehen durch Fütterung und Vermüllung, nicht durch den Fuchs. Bejagung in Städten ist unpraktikabel, gefährlich und wirkungslos, weil frei werdende Reviere sofort neu besetzt werden. Die Lösung liegt in Hygiene, Prävention und Information – nicht in Waffen.

«Der Fuchs ist ein Schädling und gehört zur jagdbaren Art.» Der Fuchs ist ein ökologischer Schlüsselakteur: Mäuseregulator, Aasverwerter, Samenverbreiter und wichtigster natürlicher Gegenspieler von Nagerpopulationen. Der Begriff «Schädling» ist eine jägerische Projektion. In der Jägersprache heisst er «Raubzeug» – was die primitive Einstellung der Hobby-Jäger gegenüber Wildtieren kristallklar aufzeigt.

Quicklinks

Beiträge auf Wild beim Wild:

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Unser Anspruch

Die Fuchsjagd ist die am besten widerlegte Jagdpraxis in Europa. Kein anderes Wildtier wird so massenhaft getötet, so systematisch entmenschlicht und so hartnäckig mit Argumenten verteidigt, die in jedem fuchsjagdfreien Gebiet der Welt empirisch widerlegt sind. Der Fuchs ist kein Schädling. Er ist ein ökologischer Schlüsselakteur, ein faszinierender Kulturfolger und ein fühlendes Individuum mit Familienstrukturen, Sozialverhalten und Leidensfähigkeit.

IG Wild beim Wild dokumentiert diese Realität – mit Zahlen, Studien, Fallberichten und politischen Analysen. Wir tun das, weil 19’000 Füchse pro Jahr in der Schweiz keine Stimme haben. Und weil eine Praxis, die wissenschaftlich widerlegt, tierschutzrechtlich fragwürdig und gesellschaftlich mehrheitlich abgelehnt ist, nicht durch Tradition oder Lobbydruck legitimiert werden kann. Dieses Dossier wird laufend aktualisiert, wenn neue Studien, Zahlen oder politische Entwicklungen es erfordern.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.