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Dortmunds Jagdmesse: Eine Ethikkommission, die nicht jagt

Seit Jahren verkauft die Messe «Jagd & Hund» in Dortmund Jagdreisen auf Elefanten, Löwen und andere Wildtiere als Freizeitvergnügen. Eine eigens eingesetzte Ethikkommission der Stadt sollte diese Praxis prüfen. Doch bis heute bleibt unklar, ob sie überhaupt ernsthaft arbeitet.

Redaktion Wild beim Wild — 13. Februar 2026
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Jedes Jahr pilgern Tausende Hobby-Jägerinnen und -Jäger nach Dortmund, wenn in den Westfalenhallen die Messe «Jagd & Hund» ihre Tore öffnet.

Vor den Eingängen stehen Tierschutzorganisationen, die gegen Angebote von Trophäenjagdreisen protestieren. Die Messe inszeniert sich als Treffpunkt für «Waidgerechtigkeit» und «Naturverbundenheit», während im Innern der Hallen Abschüsse auf Wildtiere als touristische Erlebnisse vermarktet werden.

In der Kategorie Hobby-Jagd auf wildbeimwild.com zeigen wir seit Jahren, wie sehr sich solche Veranstaltungen von einer zeitgemässen Ethik im Umgang mit Wildtieren entfernt haben. Auf der Messe in Dortmund wird diese Diskrepanz jedoch besonders deutlich, weil hier internationale Jagdreiseanbieter, Jagdverbände und Waffenindustrie dicht beieinander auftreten.

Die Ethikkommission als Feigenblatt

Auf politischen Druck hin hat der Dortmunder Stadtrat 2023 eine Ethikkommission eingesetzt, die sich mit der Grosswildjagd und den Messeangeboten befassen sollte. Offiziell geht es darum, zu prüfen, ob Trophäenjagdreisen mit den Werten der Stadt vereinbar sind. In der Praxis ist bis heute kaum erkennbar, dass das Gremium tatsächlich arbeitet: Es ist unklar, wie oft die Kommission getagt hat, ob es Protokolle gibt und welche Kriterien für die Bewertung der Jagdreisen gelten sollen.

Statt Transparenz und klare Leitlinien zu schaffen, wirkt die Kommission wie ein politisches Feigenblatt. Während auf der Messe weiterhin Reisen auf Elefanten und andere Wildtiere angeboten werden, bleibt die Stadt Antworten schuldig. Die Verantwortung wird in eine undurchsichtige Struktur ausgelagert, die für die Öffentlichkeit praktisch unsichtbar ist.

Trophäenjagd als Geschäftsmodell

Die Argumentation der Jagdreiseanbieter folgt einem bekannten Muster: Trophäenjagd diene angeblich dem Artenschutz und der lokalen Bevölkerung, weil Jagdlizenzen Geld in die Kassen von Staaten und Gemeinden spülen würden. So wird etwa im Zusammenhang mit Botswana von einer «Überpopulation» an Elefanten gesprochen, deren Abschuss die Natur schützen und andere Arten entlasten solle.

Diese Erzählung blendet zentrale Fragen aus: Wer definiert eine «Überpopulation», welche alternativen Konfliktlösungen wurden geprüft, und wie viel der Jagdeinnahmen kommt tatsächlich bei lokalen Gemeinschaften und beim Schutz von Lebensräumen an? In vielen Fällen zeigt sich, dass Trophäenjagd vor allem ein lukratives Geschäftsmodell für Reiseveranstalter, Grossgrundbesitzende und eine kleine wohlhabende Klientel aus dem globalen Norden ist, während Wildtiere den Preis zahlen.

Kommunalpolitik zwischen Imagepflege und Verantwortung

Dortmund steht exemplarisch für ein grösseres Problem: Kommunalpolitik will wirtschaftlich attraktive Veranstaltungen halten, ohne sich offen zu Trophäenjagd und Wildtierabschüssen bekennen zu müssen. Eine Ethikkommission klingt nach Verantwortungsbewusstsein, verschiebt die Auseinandersetzung aber in einen schwer kontrollierbaren Hinterraum. Solange keine klaren Kriterien, Beschlüsse und Konsequenzen bekannt werden, bleibt der Eindruck bestehen, dass die Kommission vor allem den politischen Druck entschärfen soll.

Für eine Stadt, die Artenschutz und Nachhaltigkeit glaubwürdig vertreten will, wäre der Schritt offensichtlich: transparente Regeln, ein Verbot von Trophäenjagdangeboten in öffentlichen Hallen und eine klare Positionierung gegen die Vermarktung des Abschusses bedrohter Arten als Freizeitspass.

Warum das Thema auch die Schweiz betrifft

Was in Dortmund passiert, ist für die Schweiz keineswegs irrelevant. Schweizer Hobby-Jägerinnen und -Jäger nehmen an solchen Jagdreisen teil, und die Argumentationsmuster der Trophäenjagd, von angeblichen «Überpopulationen» bis zur Behauptung, man schütze damit die Natur, sind deckungsgleich mit Rechtfertigungen, die wir auch in der hiesigen Debatte zur Hobby-Jagd beobachten.

Wer verstehen will, wie eng Hobby-Jagd, Jagdreiseindustrie und politische Lobbyarbeit verflochten sind, findet auf wildbeimwild.com vertiefende Analysen.

Die Dortmunder Jagdmesse zeigt, wie weit sich die Jagdindustrie von einer zeitgemässen Ethik im Umgang mit Wildtieren entfernt hat und wie dringend es unabhängige, faktenbasierte Kritik braucht.

Druck von 23 Tier- und Naturschutzorganisationen

Wie gross der Handlungsdruck inzwischen ist, zeigt ein aktueller Brief von Pro Wildlife und 22 weiteren Tier-, Natur- und Artenschutzorganisationen an den Dortmunder Oberbürgermeister und den Stadtrat. Darin fassen die Verbände die Ergebnisse eines juristischen Gutachtens zusammen, das klar aufzeigt: Anbieter, die in Deutschland Trophäenjagdreisen vermarkten, bewegen sich strafrechtlich in einer Grauzone, weil sie Beihilfe zur Tötung von Wirbeltieren ohne «vernünftigen Grund» leisten können, selbst wenn die Abschüsse im Ausland rechtlich zugelassen sind.

Das Gutachten skizziert zudem konkrete Wege, wie die Stadt Trophäenjagdangebote auf der Messe unterbinden könnte: vom enger gefassten Messezweck («Jagd ohne Jagdreisen») über strengere Teilnahmebedingungen bis hin zu Auflagen im Festsetzungsbescheid, die das Bewerben und Vertreiben von Trophäenjagdreisen ausdrücklich untersagen.

Zugleich kritisieren die Organisationen die weitere Vertagung der Ethikkommission und appellieren an Dortmund, seiner Rolle als «Nachhaltigkeitsstadt» gerecht zu werden und die Messe in eine wildtierfreundliche, trophäenjagdangebotsfreie Zukunft zu führen.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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