Dänemark beendet die Nerzzucht: Die letzten Farmen schliessen bis 2029
Der einstige Weltmarktführer beantragt keine Ausnahme vom EU-Verbot. Europa verabschiedet sich von der Pelztierzucht, in der Schweiz bleibt eine Lücke offen.
Amerikanischer Nerz in freier Wildbahn. Foto: Alexandre Daoust / Unsplash
«Roter Schnee»
Dänemark wird keine Ausnahme vom EU-weiten Verbot der Nerzhaltung beantragen. Das hat die Regierung in Kopenhagen am 23. Oktober 2026 entschieden, wie die Nachrichtenagentur Keystone-SDA berichtet. Das Verbot tritt am 7. August 2027 in Kraft. Nach einer Übergangsfrist von zwei Jahren ist spätestens 2029 Schluss mit der Nerzzucht in dem Land, das jahrzehntelang zu den führenden Pelzproduzenten der Welt gehörte.
Der zuständige Minister für Natur und Tierwohl, Christian Rabjerg Madsen, begründet den Entscheid mit einem Satz, der weit über Dänemark hinausreicht: «Ein Wirtschaftszweig sollte nicht allein deshalb fortbestehen, weil es ihn schon lange gibt.» Die Vorgängerregierung hatte noch geplant, eine Ausnahmeregelung zu beantragen.
Vom Weltmarktführer zu sieben Farmen
Im November 2020 ordnete Regierungschefin Mette Frederiksen aus Sorge vor einer Mutation des Coronavirus an, alle mehr als 15 Millionen Nerze im Land zu töten. Später stellte sich heraus, dass der Regierung dafür die Rechtsgrundlage fehlte. Die Halter mussten teuer entschädigt werden. 2023 nahm die Branche die Zucht in viel kleinerem Umfang wieder auf. Heute gibt es in Dänemark noch sieben Nerzfarmen.
Was die Haltung für die nichtmenschlichen Tiere bedeutet, ist wissenschaftlich geklärt: Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) kam 2025 zum Schluss, dass schweres Tierleid in Pelzfarmen nicht zu vermeiden ist, wie Wild beim Wild berichtete.
Das Ende kommt über das Naturschutzrecht
Die rechtliche Grundlage für das Aus liefert das Naturschutzrecht. Dass Dänemark keine Ausnahme beantragt, begründet die Regierung hingegen ausdrücklich mit dem Tierschutz. Mit der Durchführungsverordnung (EU) 2025/1422 hat die EU-Kommission den Amerikanischen Nerz im Sommer 2025 auf die Unionsliste invasiver gebietsfremder Arten gesetzt. Arten auf dieser Liste dürfen grundsätzlich weder gehalten noch gezüchtet oder gehandelt werden. Für den Nerz gilt die Listung ab dem 7. August 2027. Dänemark hatte damals gegen die Verordnung gestimmt.
Der Hintergrund: Aus Farmen entwichene Nerze haben in vielen Teilen Europas wilde Bestände gebildet. Der Weg über das Naturschutzrecht ist allerdings zweischneidig. Dieselbe EU-Verordnung verpflichtet die Mitgliedstaaten, gegen weit verbreitete invasive Arten Massnahmen festzulegen. Was daraus in der Praxis werden kann, zeigte der Fall der getöteten Waschbärbabys in Solingen, bei dem ein Jagdverband die Tötung mit der EU-Verordnung rechtfertigte, obwohl diese keine Tötung vorschreibt (Wild beim Wild). Wie Hobby-Jäger den Begriff der invasiven Art als Abschussbegründung nutzen, hat Wild beim Wild auch zu den Neozoen in der Schweiz aufgezeigt. Für die Nerze in freier Wildbahn trägt die Pelzindustrie die Verantwortung, nicht die Tiere.
Europa steigt aus
Dänemark ist nicht allein. Polen, lange der grösste Pelzproduzent Europas, hat die Pelztierzucht im Dezember 2025 gesetzlich verboten. Neue Farmen sind seither untersagt, die bestehenden müssen bis Ende 2033 schliessen (Fur Free Alliance), wie Wild beim Wild berichtete. Laut Vier Pfoten haben inzwischen 24 europäische Länder Gesetze zum Ausstieg aus der Pelztierhaltung verabschiedet.
Offen bleibt der Kurs der EU-Kommission. Die Europäische Bürgerinitiative «Fur Free Europe» fordert mit über 1,5 Millionen gültigen Unterschriften ein EU-weites Verbot von Pelzfarmen und der Vermarktung von Farmfell. Die Kommission antwortete darauf bereits im Dezember 2023, liess die entscheidende Frage aber offen: Verbot oder neue Haltungsstandards? Ihre für März 2026 angekündigte Folgeentscheidung wurde verschoben, laut Humane World for Animals wegen Uneinigkeit innerhalb der Kommission. Sie steht weiterhin aus.
Und die Schweiz?
In der Schweiz gibt es seit vielen Jahren keine gewerbliche Pelztierzucht mehr. Pelz kam über den Import ins Land. Anfang Oktober 2026 hat das Parlament ein Import- und Handelsverbot für tierquälerisch erzeugte Pelze im Tierschutzgesetz verankert; die Gesetzesänderung untersteht noch dem fakultativen Referendum. Auf Verordnungsstufe besteht ein entsprechendes Importverbot bereits seit Juli 2025. Der Bundesrat hat die Übergangsfristen im Juni 2026 jedoch verlängert: Das Importverbot greift erst ab dem 1. Juli 2029, das Handelsverbot ab dem 1. Juli 2030. Die Einzelheiten hat Wild beim Wild im Beitrag «Parlament verankert Verbot für tierquälerisch erzeugten Pelz im Gesetz» dargelegt.
Damit fallen das Ende der dänischen Nerzzucht und das Ende der Schweizer Übergangsfrist für den Import tierquälerisch erzeugter Pelze ins selbe Jahr. Ein generelles Verbot von Farmfell ist die Schweizer Regelung jedoch nicht: Entscheidend ist, ob die Produktion die Anforderungen des Zertifizierungsprogramms des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen erfüllt.
Die Lücke im eigenen Land
Der Satz des dänischen Ministers trifft auch die Schweiz. Die Schweizer Neuregelung beendet nicht die heimische Fuchsjagd. Allein im Kanton Bern wurden in einer Saison rund 3’000 Füchse erschossen. Am Bündner Fellmarkt wechselten Fuchsfelle für 8 Franken pro Stück den Besitzer. Vom neuen Gesetz werden sie nicht erfasst.
Verteidigt wird die Fuchsjagd mit Tradition und Brauchtum, einen Regulationsauftrag muss sie nicht erfüllen. Das räumt sogar die Berner Regierung ein. Das blosse Traditionsargument hat der dänische Minister für eine ganze Branche ausdrücklich zurückgewiesen: Dass es etwas schon lange gibt, rechtfertigt nicht, dass es weiterbesteht. Wer Pelz aus ausländischen Käfigen zu Recht vom Markt nimmt, kann die Fuchsjagd im eigenen Land nicht länger als Brauchtum durchwinken.
Wer das ändern will, kann sein Kantonsparlament direkt anschreiben. Adressen und einen Musterbrief gibt es auf der Seite Fuchsjagd beenden.
Quellen
- Nau.ch (Keystone-SDA), 23. Oktober 2026: «Dänemark stoppt Nerzzucht»
- EUR-Lex: Durchführungsverordnung (EU) 2025/1422
- BLV, 5. Juni 2026: Verlängerung der Übergangsbestimmungen zum Pelz-Importverbot
- Fur Free Alliance, 2. Dezember 2025: «Breaking: Poland bans fur farming»
- Vier Pfoten, 14. Oktober 2026: «Erfolg für Tiere und moderne Mode: Woolrich wird pelzfrei»
- Humane World for Animals: «Lancet-Kommentar: EU-weites Verbot der Pelztierhaltung»
Mehr zum Thema Hobby-Jagd: Die wissenschaftlichen Belege stehen in der Übersicht Studien zu den Auswirkungen der Hobby-Jagd.
Die Position der IG Wild beim Wild: Die IG Wild beim Wild lehnt die Hobby-Jagd ab. Unser Vorbild ist der Kanton Genf, der seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt: ohne Jagdzeiten, ohne Jagdhunde, ohne Treibjagden, ohne Hochsitze, ohne die Tierquälerei und die Kriminalität, die anderswo zur Jagdsaison gehören. Was dort seit über fünfzig Jahren funktioniert, widerlegt jedes Positionspapier von JagdSchweiz. Ein Verband, der seine Politik auf Behauptungen stützt, die er in den eigenen Dokumenten widerlegt, ist keine Fachorganisation, sondern eine Fabrik für Fehlinformationen.
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