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Wildtiere

Schweres Tierleid in Pelzfarmen unvermeidbar

Es ist nicht möglich, einen ausreichenden Tierschutz zu gewährleisten oder die schwerwiegenden Tierschutzbedenken in den Käfigsystemen von Pelzfarmen abzumildern.

Redaktion Wild beim Wild — 31. Juli 2025
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Das hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) in ihrem wissenschaftlichen Gutachten im Rahmen des Fur Free Europe ECI-Prozesses bestätigt.

Tierschutzorganisationen fordern die Europäische Kommission (EK) auf, auf dieses Gutachten einzugehen und die Pelztierzucht in der EU zu verbieten, wie es Millionen von EU-Bürgern fordern.

Derzeit werden in Europa auf fast 1’200 Pelztierfarmen über 6 Millionen Nerze, Marderhunde, Füchse und Chinchillas gehalten – unter anderem in Finnland, Polen, Dänemark, Spanien und Griechenland. Inzwischen ist die Pelztierzucht in 22 europäischen Ländern, darunter 16 EU-Mitgliedstaaten, bereits verboten – zuletzt in Estland, Lettland, Litauen und Rumänien. In Deutschland gibt es seit 2019 aufgrund hoher Tierschutzstandards keine Pelztierfarmen mehr, ein offizielles Verbot gibt es aber nicht. Ähnlich ist die Situation in Bulgarien und Schweden.

Die Ergebnisse der EFSA haben das bestätigt, was Wissenschaftler schon seit Jahren betonen: Pelztierzucht ist grundsätzlich nicht mit dem Tierschutz vereinbar. Sie hebt die schwerwiegenden Folgen für das Wohlergehen von Nerzen, Füchsen, Marderhunden und Chinchillas in der Pelzproduktion hervor, darunter Bewegungseinschränkungen, Isolationsstress, Gewebeschäden und Lahmheiten, und stellt fest, dass die komplexen verhaltensmässigen und physiologischen Bedürfnisse dieser Tiere in der Pelzfarmindustrie einfach nicht erfüllt werden können.

In Anbetracht der Tatsache, dass das einzige derzeit angewandte Haltungssystem auf Drahtgitterkäfigen beruht, deckt sich diese Schlussfolgerung mit einer Vielzahl von Forschungsergebnissen, die die schädlichen Auswirkungen der Käfighaltung von Tieren, ob domestiziert oder nicht, aufzeigen.

Da wissenschaftlich erwiesen ist, dass weder eine Ausgestaltung noch eine Änderung des Systems den Bedürfnissen von Pelztieren gerecht werden kann, und da sich die Pelzindustrie im Niedergang befindet, sollte die Europäische Kommission die Gelegenheit der derzeitigen Überarbeitung der EU-Tierschutzvorschriften nutzen, um die Forderungen der EFSA anzuerkennen und zu verabschieden.

Ein Verbot der Pelztierzucht

Ein Verbot des Inverkehrbringens von Zuchtpelzprodukten auf dem europäischen Markt, um sicherzustellen, dass Pelze, die unter ähnlich grausamen Bedingungen in Drittländern hergestellt werden, nicht in der EU verkauft werden.

Diese Forderung wurde auch von der Federation of Veterinarians of Europe (FVE) unterstützt, die 330.000 Tierärzte in 39 Ländern vertritt. Die FVE erklärte, dass die Pelztierzucht nicht zukunftssicher sei, und forderte ein vollständiges Verbot der Zucht und des Verkaufs von Pelzprodukten in der EU.

Das neu veröffentlichte EFSA-Gutachten birgt keine wirklichen Überraschungen: Das Einsperren von Natur aus wilden Tieren in Käfige für ein Luxusprodukt, das keinem wesentlichen Zweck dient, verstösst gegen die elementarsten Grundsätze des Tierschutzes. Angesichts dieser neuen EFSA-Bewertung und der gut dokumentierten Risiken für die öffentliche Gesundheit und die Umwelt, die mit der Pelztierzucht verbunden sind, fordern wir die Europäische Kommission auf, die Pelztierhaltung in der gesamten EU zu verbieten, wie es die Bürger fordern. – Reineke Hameleers, Geschäftsführerin, Eurogroup for Animals

Zu den zentralen Tierschutzproblemen in den aktuellen Pelztierfarmen zählen laut EFSA-Gutachten:

  • Käfige mit unzureichender Grösse und Komplexität sowie «kargen Haltungsbedingungen“, die die Bewegungsfreiheit stark einschränken, zusätzlich zu ungeeignetem Drahtgitterboden.
  • Sensorische Unter- bzw. Überstimulation – je nach Tierart – mit chronischer Langeweile und/oder Stress als Folge.
  • Unfähigkeit, grundlegende Verhaltensweisen wie Spielen, Erkunden, Futtersuche, Graben, Springen oder Kauen auszuleben – bei Chinchillas fehlt ausserdem der Zugang zu Sandbädern, bei Nerzen der Zugang zu offenem Wasser zum Schwimmen.
  • Stress, Aggression und Verletzungen, einschliesslich Kannibalismus und Tötung von Jungtieren (Infantizid), ausgelöst durch Platzmangel, Überbelegung, falsche Gruppenhaltung (z. B. Kämpfe unter Käfiggenossen, Fellbeissen) oder Konkurrenz um Ressourcen.
  • Angst und Stress durch fehlende Gewöhnung an Menschen sowie Verletzungen durch das Einfangen mit Nackenzangen – auch bei Zwangsbesamungen.
  • Stereotype Verhaltensweisen wie monotones Hin- und Herlaufen und Kopfwippen.
  • Lahmheit sowie Fehlstellungen der Beine bzw. schwache Beine.
  • Magen-Darm-Erkrankungen und unzureichende Fütterung; langanhaltender Hunger oder übermässige Fütterung – je nach Haltungssituation.

Fakten über Pelz:

  • Gesundheitsrisiko: Pelztierfarmen stellen ein Risiko für Zoonosen dar. Auf fast 500 Nerzfarmen in 13 Ländern in Europa und Nordamerika wurden Tiere mit COVID-19 infiziert, Millionen wurden aus Gründen des Infektionsschutzes getötet. Auch das aviäre Influenzavirus (HPAI H5N1) wurde bisher auf 72 europäischen Pelzfarmen festgestellt. Etwa 500’000 Nerze, arktische Füchse, Rotfüchse und Marderhunde wurden deshalb getötet.
  • Umweltbelastung: Die CO₂-Bilanz von 1 kg Nerzpelz (309,91 kg CO₂-Äquivalent) ist 31-mal höher als die von Baumwolle, 26-mal höher als die von Acryl und 25-mal höher als die von Polyester. Auch Marderhund- und Fuchspelz haben eine miserable Klimabilanz – bis zu 23-mal schlechter als Baumwolle. Der Vergleich mit anderen tierischen Produkten zeigt: Die Zucht fleischfressender Tiere wie Nerze belastet das Klima besonders stark – sie verursacht etwa siebenmal mehr Emissionen als die Produktion von 1 kg Rindfleisch.
  • Mode ohne Pelz: Immer mehr führende Modemarken verzichten auf Pelz – darunter Max Mara, Saint Laurent, Gucci, Alexander McQueen, Balenciaga, Valentino, Prada, Armani, Versace, Michael Kors, Jimmy Choo, DKNY, Burberry und Chanel. Weltweit haben sich bereits über 1’600 Marken und Einzelhändler zu einer pelzfreien Unternehmenskultur verpflichtet. Pelz wird zunehmend als nicht mehr verkäuflich und ethisch nicht vertretbar wahrgenommen – viele Modehäuser setzen daher heute auf innovative, tierfreundliche Alternativen.

Dr. Joanna Swabe, Senior Director Public Affairs bei Humane World for Animals Europe, sagt: „Das Gutachten der EFSA bestätigt, was Tierschützer und Tierärzte seit Jahrzehnten sagen: Die Haltung von Tieren wie Nerzen, Füchsen, Marderhunden und Chinchillas für Pelzmode in kleinen, kargen Käfigen führt – wenig überraschend – zu schweren, chronischen Tierwohlproblemen. Dazu gehören die Unterdrückung lebenswichtiger Verhaltensweisen, Stress, Verletzungen und gesundheitliche Beschwerden. Das erhebliche körperliche und psychische Leid, das das multinationale Gremium im Detail beschreibt, ist mit modernen ethischen Tierschutzstandards völlig unvereinbar. Im gesamten Bericht kommen die Experten zu dem Schluss, dass dieses Leid in den derzeitigen Pelztierfarmen weder verhindert noch wesentlich gemildert werden kann. Das ist ein vernichtendes Urteil, das der Pelztierindustrie jede Zukunftsperspektive nimmt.

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