Wolf am Zürichsee: Was die Sichtung in Hombrechtikon bedeutet
Am rechten Zürichseeufer wurde Ende Mai ein möglicher Wolf gesichtet. Gleichzeitig zeigt der neue BAFU-Bericht: Die Schweiz zählt heute 40 Rudel, und das Wachstum der Population lässt sich durch präventive Regulierung nur bremsen, nicht stoppen.

Ende Mai meldete der kantonale Wolfs-Warndienst eine Sichtung in Hombrechtikon am rechten Zürichseeufer.
Es sei «nicht auszuschliessen», dass es sich um einen Wolf handle. Nutztierhaltende sollen Herdenschutzmassnahmen einleiten. Die Meldung ist kein Einzelfall, sondern Ausdruck einer Entwicklung, die der Bund in Zahlen gefasst hat.
77 erlegte Wölfe, 40 Rudel
Am 18. Mai 2026 veröffentlichte das Bundesamt für Umwelt (BAFU) seinen Bericht zur dritten präventiven Regulierungsperiode. Bislang haben die Kantone den Wolfsbestand dreimal präventiv reguliert. Für die letzte Regulierungsphase stimmte das BAFU der Regulierung von ungefähr 115 Wölfen zu, die zum Abschuss von 77 Wölfen führten.
Das Ergebnis ist nüchtern: Das exponentielle Wachstum des Bestandes scheint gebremst zu werden, doch die Anzahl der Rudel steigt weiter an. Nach der Regulierungsperiode 2025/2026 wurden 30 vollständig in der Schweiz lebende und 10 grenzüberschreitende Rudel gezählt.
Im Monitoringjahr 2025/26 wurde in der Schweiz die Präsenz von 43 Rudeln bestätigt, zwei mehr als im vorangegangenen Monitoringjahr.
Regulierung mit Hobby-Jäger-Beteiligung
Was politisch selten offen ausgesprochen wird: Im Wallis dürfen Hobby-Jäger bei der Wolfsregulierung mitwirken. Der Kanton Wallis hat sich für einen erneuten Einbezug der Jägerschaft für die proaktive Wolfregulierungsperiode 2025/2026 ausgesprochen. Jäger, welche im Besitz einer gültigen Regulierungsbewilligung sind, dürfen in den entsprechenden Regulierungsperimetern Wölfe erlegen. Anfang Mai wurde diese Praxis konkret: Am 3. Mai 2026 wurde in der Gemeinde Staldenried ein Wolf erlegt.
Was der Bericht nicht beantwortet
Der BAFU-Bericht hält fest, dass die Regulierung «wirkt». Gleichzeitig wächst die Anzahl der Rudel von Jahr zu Jahr. Die Frage, ob bremsen genüge, um den Bestand dauerhaft im Griff zu haben, bleibt offen. Die Gruppe Wolf Schweiz hält zudem fest, dass Risse bereits zurückgingen, bevor erstmals präventiv Wölfe abgeschossen wurden. Ob die Regulierung oder der ausgebaute Herdenschutz dafür verantwortlich ist, lässt sich aus den vorliegenden Daten nicht eindeutig ableiten.
Eine Sichtung am Zürichsee passt in dieses Bild: Der Wolf breitet sich aus, mit oder ohne Regulierung. Wer mehr über Beutegreifer in der Schweiz und die politischen Instrumente dahinter erfahren möchte, findet auf dieser Plattform Hintergründe, Fakten und eingeordnete Quellen. Auch das Thema Jagdgesetz und die Rolle der Hobby-Jagd im Wildtiermanagement werden dort ausführlich behandelt.
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