Pilotprojekt in Kassel gestoppt: Streit um Sterilisation von Waschbären
Erst wenige Tage lief das bundesweit beachtete Pilotprojekt zur Sterilisation von Waschbären in Kassel – da musste es schon wieder gestoppt werden.
Erst wenige Tage lief das bundesweit beachtete Pilotprojekt zur Sterilisation von Waschbären in Kassel – da musste es schon wieder gestoppt werden.
Statt wie geplant Dutzende Tiere einzufangen, zu operieren und anschliessend wieder freizusetzen, ist das Vorhaben nach einer überraschenden Wendung der Landesregierung vorerst auf Eis gelegt.
Zuständigkeit plötzlich gewechselt
Die Stadt Kassel hatte Anfang August 2025 grünes Licht gegeben, um eine tierschonende Alternative zur Jagd zu erproben. Doch nur fünf Tage nach Projektstart änderte das Land Hessen die Rechtslage: Seit dem 12. August ist nicht mehr die Untere Naturschutzbehörde der Stadt, sondern das Regierungspräsidium Kassel zuständig. Damit verlor die bisherige Genehmigung automatisch ihre Gültigkeit.
«Das Projekt muss vorerst ruhen, bis die neue Behörde über die Anträge entschieden hat», bestätigte ein Sprecher des Regierungspräsidiums.
Kritik vom Jagdverband
Zusätzlichen Druck brachte der Landesjagdverband Hessen (LJV) ins Spiel. Er warf den Initiatoren vor, ohne tierschutzrechtliche Genehmigungen zu operieren. «Sterilisationen an Wirbeltieren sind erhebliche Eingriffe, die zwingend eine Genehmigung nach Tierschutz– und Tierversuchsrecht benötigen», erklärte der Verband der Hobby-Jäger. Bislang liegen dem Regierungspräsidium jedoch keine entsprechenden Anträge vor.
Auch der geplante Umgang mit den Tieren sorgt für Kontroversen. Nach EU-Recht und dem Bundesnaturschutzgesetz dürfen invasive Arten wie der Waschbär nicht wieder in die Natur entlassen werden – auch nicht nach einer Sterilisation. Der LJV argumentiert: «Ein sterilisierter Waschbär bleibt ein Waschbär – er frisst weiterhin gefährdete Arten und richtet Schäden an.“
Stadt Kassel verteidigt den Ansatz
Die Stadt Kassel zeigt sich enttäuscht, verteidigt aber den eingeschlagenen Weg. Ziel sei es gewesen, die explosionsartig wachsende Population in urbanen Gebieten tierschonend einzudämmen. Waschbären gelten in Hessen inzwischen als flächendeckend verbreitet und verursachen sowohl ökologische Schäden als auch Ärger bei Anwohnern, die über verwüstete Dachböden und Gärten klagen.
«Wir wollten ein Modell entwickeln, das nicht auf Töten setzt, sondern langfristig den Bestand reguliert», so ein Sprecher der Stadt. Man hoffe, das Projekt nach Klärung aller rechtlichen Fragen fortsetzen zu können.
Ungewisse Zukunft
Ob und wann die Sterilisationen wieder aufgenommen werden, ist offen. Zunächst müssen die Verantwortlichen Genehmigungen beim Regierungspräsidium einholen und offene Fragen zum europäischen Naturschutzrecht klären.
Damit bleibt die Zukunft des Projekts unsicher. Für Befürworter war es ein Hoffnungsschimmer für einen tierfreundlicheren Umgang mit invasiven Arten – für Kritiker ein rechtlich fragwürdiger Versuch, der gegen geltendes Jagd- und Naturschutzrecht verstösst.
Eines ist sicher: Der Streit um den richtigen Umgang mit den Waschbären in Hessen wird die Behörden noch länger beschäftigen.
Petition: https://chng.it/jgJ9q9k4LV
- Waschbären tierfreundlich fernhalten
- Auch Waschbären haben ein Recht auf Leben
- Der Umgang mit „invasiven“ Arten – eine kritische Analyse aus biologischer und rechtlicher Sicht
- Neozoen
- Basel will Waschbären töten
- Waschbären sind keine Gefahr
- Offener Brief an Katrin Schneeberger vom BAFU
- Streichung des Waschbären von den Listen der sogenannten invasiven Arten
- Fakten statt Jägerlatein über Waschbären
- Amt für Jagd und Blödsinn im Kanton Aargau will Waschbär abschiessen
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