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Pilotprojekt in Kassel gestoppt: Streit um Sterilisation von Waschbären

Erst wenige Tage lief das bundesweit beachtete Pilotprojekt zur Sterilisation von Waschbären in Kassel – da musste es schon wieder gestoppt werden.

Redaktion Wild beim Wild — 20. August 2025

Statt wie geplant Dutzende Tiere einzufangen, zu operieren und anschliessend wieder freizusetzen, ist das Vorhaben nach einer überraschenden Wendung der Landesregierung vorerst auf Eis gelegt.

Zuständigkeit plötzlich gewechselt

Die Stadt Kassel hatte Anfang August 2025 grünes Licht gegeben, um eine tierschonende Alternative zur Jagd zu erproben. Doch nur fünf Tage nach Projektstart änderte das Land Hessen die Rechtslage: Seit dem 12. August ist nicht mehr die Untere Naturschutzbehörde der Stadt, sondern das Regierungspräsidium Kassel zuständig. Damit verlor die bisherige Genehmigung automatisch ihre Gültigkeit.

«Das Projekt muss vorerst ruhen, bis die neue Behörde über die Anträge entschieden hat», bestätigte ein Sprecher des Regierungspräsidiums.

Kritik vom Jagdverband

Zusätzlichen Druck brachte der Landesjagdverband Hessen (LJV) ins Spiel. Er warf den Initiatoren vor, ohne tierschutzrechtliche Genehmigungen zu operieren. «Sterilisationen an Wirbeltieren sind erhebliche Eingriffe, die zwingend eine Genehmigung nach Tierschutz– und Tierversuchsrecht benötigen», erklärte der Verband der Hobby-Jäger. Bislang liegen dem Regierungspräsidium jedoch keine entsprechenden Anträge vor.

Auch der geplante Umgang mit den Tieren sorgt für Kontroversen. Nach EU-Recht und dem Bundesnaturschutzgesetz dürfen invasive Arten wie der Waschbär nicht wieder in die Natur entlassen werden – auch nicht nach einer Sterilisation. Der LJV argumentiert: «Ein sterilisierter Waschbär bleibt ein Waschbär – er frisst weiterhin gefährdete Arten und richtet Schäden an.“

Portrait eines Waschbären mit einem Jäger im Hintergrund, der auf eine Jagdszene hindeutet.

Stadt Kassel verteidigt den Ansatz

Die Stadt Kassel zeigt sich enttäuscht, verteidigt aber den eingeschlagenen Weg. Ziel sei es gewesen, die explosionsartig wachsende Population in urbanen Gebieten tierschonend einzudämmen. Waschbären gelten in Hessen inzwischen als flächendeckend verbreitet und verursachen sowohl ökologische Schäden als auch Ärger bei Anwohnern, die über verwüstete Dachböden und Gärten klagen.

«Wir wollten ein Modell entwickeln, das nicht auf Töten setzt, sondern langfristig den Bestand reguliert», so ein Sprecher der Stadt. Man hoffe, das Projekt nach Klärung aller rechtlichen Fragen fortsetzen zu können.

Ungewisse Zukunft

Ob und wann die Sterilisationen wieder aufgenommen werden, ist offen. Zunächst müssen die Verantwortlichen Genehmigungen beim Regierungspräsidium einholen und offene Fragen zum europäischen Naturschutzrecht klären.

Damit bleibt die Zukunft des Projekts unsicher. Für Befürworter war es ein Hoffnungsschimmer für einen tierfreundlicheren Umgang mit invasiven Arten – für Kritiker ein rechtlich fragwürdiger Versuch, der gegen geltendes Jagd- und Naturschutzrecht verstösst.

Eines ist sicher: Der Streit um den richtigen Umgang mit den Waschbären in Hessen wird die Behörden noch länger beschäftigen.

Petition: https://chng.it/jgJ9q9k4LV

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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