Wehrheim: Drückjagd zeigt das hässliche Gesicht
Drückjagd in Wehrheim dokumentiert: Tierleid, Sicherheitsrisiken und veraltete Jagdtradition. Warum diese Praxis nicht mehr zeitgemäss ist.
(c) www.wolfsschutz-deutschland.de
In Wehrheim (Hessen) fand erneut eine grossangelegte Drückjagd statt.
Gemeinsam mit Wolfsschutz Deutschland und einem Berliner Journalisten wurde das Geschehen dokumentiert. Was dabei sichtbar wurde, wirft ein grelles Schlaglicht auf eine Praxis, die längst nicht mehr in unsere Zeit passt.
Erstmals waren die berüchtigten Schweizer Stöberhunde nicht mehr im Einsatz. Auch nahmen weniger Hobby-Jäger und Treiber teil, sodass weniger Schüsse fielen. Doch das sind nur Randnotizen. Am Grundproblem ändert sich nichts: Tiere werden systematisch gehetzt, in Panik versetzt und qualvoll getötet, für eine Tradition, die mehr an mittelalterliche Rituale erinnert als an eine moderne Gesellschaft.
Besonders bedenklich: Die Gemeinde verschweigt den Termin der Drückjagd seit Jahren. So standen auch diesmal wieder völlig überraschte Spaziergänger und Familien plötzlich inmitten des militanten Geschehens ein unhaltbarer Zustand, der die Sicherheit von Menschen leichtfertig aufs Spiel setzt.
Blutige Realität am Waldrand
Nur wenige Tiere zeigten sich während der Hobby-Jagd: ein flüchtendes Wildschwein am Morgen, ein Hirsch am Nachmittag. Doch am Ende offenbarte sich das wahre Gesicht dieser „Jagdform“: Am Wegrand lag eine Hirschkuh mit einem tiefen Bauchschuss. Dieses Tier ist mit hoher Wahrscheinlichkeit unter unerträglichen Qualen gestorben. Ein Sinnbild für das Leid, das bei Drückjagden in Kauf genommen wird.
Auffällig war auch: Immer mehr junge Frauen werden als Treiberinnen eingesetzt. Doch anstatt das Bild einer reflektierten „neuen Jagdgeneration“ zu prägen, traten einige von ihnen aggressiv und provozierend auf, offenbar gereizt allein durch die Anwesenheit kritischer Beobachter.
Scheinargumente entlarvt
Die Rechtfertigungen für Drückjagden halten keiner Überprüfung stand:
- Bestandsregulierung? Kurzfristig geschossene Tiere führen langfristig zu höheren Reproduktionsraten.
- Seuchenprävention? Afrikanische Schweinepest lässt sich dadurch nicht stoppen.
- Geniessbares Fleisch? Durch Panik und Dauerstress sind die Tiere voller Adrenalin, das Fleisch unbrauchbar.
Übrig bleibt eine grausame Tradition und eine Jagdlobby, die diese mit allen Mitteln verteidigt.
Appell an die Gesellschaft
Die Drückjagd in Wehrheim ist kein Einzelfall, sondern ein Beispiel für ein veraltetes System, das Tierleid legitimiert und Mensch wie Tier in Gefahr bringt. Wolfsschutz Deutschland ruft deshalb dazu auf, nicht wegzusehen:
- Dokumentiert solche Jagden, immer mindestens zu zweit, mit leuchtender Kleidung.
- Bleibt auf den Wegen, sorgt für eure Sicherheit.
- Und vor allem: Tragt die Bilder und Berichte in die Öffentlichkeit.
Drückjagden sind weder notwendig noch zeitgemäss. Sie sind Relikte aus einer blutigen Vergangenheit. Solange Tiere im Kugelhagel sterben, Spaziergänger gefährdet sind und Scheinargumente vorgeschoben werden, ist der Druck der Gesellschaft auf Politik und Behörden wichtiger denn je.
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