Was bedeutet der Klimawandel für Wildtiere?
Der Klimawandel verändert die Lebensbedingungen für Wildtiere. Mildere Winter stören Winterschlaf, Schneeschutz und Nahrungssuche.
Mildere Winter verändern das Wildtierleben
Früher malte der Winter Eisblumen an die Fenster und überzog zumindest die Berge mit einer geschlossenen Schneedecke.
Viele Wildtiere, etwa Igel und Haselmaus, fielen verlässlich in den Winterschlaf, andere, wie Singschwan oder Schneehuhn, liessen sich zum Schutz vor Eiseskälte einschneien. Aber während noch in der Wintersaison 2015/16 auf der Zugspitze insgesamt 1’025 Zentimeter Schnee fielen, waren es im Jahr 2022 gerade einmal 87 Zentimeter.
Das hat auch Auswirkungen auf die Tierwelt. «Es gibt zwei Möglichkeiten», sagt Professor Dr. Klaus Hackländer, Wildtierbiologe und Vorstand der Deutschen Wildtier Stiftung. «Entweder erlernen Tiere aufgrund von Erfahrungen neues Verhalten, oder die genetischen Informationen ganzer Populationen werden verändert.» Wenn Populationen von Wildtieren allerdings sehr klein sind und es wenige Nachkommen gibt, ist diese Art der Anpassung eventuell nicht schnell genug möglich.
Gewinner und Verlierer des Klimawandels
Alpenschneehase: Als echtes Eiszeitrelikt ist er in Gefahr. Denn sein Fell wird im Winter weiss. Bleiben die Alpen aber im Winter braun, verliert der Schneehase seine Tarnung und wird leichte Beute für Fuchs, Habicht oder andere Beutegreifer. An die veränderten Bedingungen kann er sich nur mithilfe einer Genmutation anpassen, die eine Änderung der Fellfarbe bewirkt. «Das braucht Zeit. Und ob es klappt, hängt auch von der Anzahl der Nachkommen ab, die eine solche Mutation weitergeben», sagt Professor Hackländer.
Schneehuhn: Kältespezialist seit Jahrhunderten. Im Sommer trägt es ein braunes Federkleid, im Winter ein schneeweisses. Füchse und andere Fressfeinde entdecken es so auf den braunen Offenflächen ohne Probleme. «Ob sich diese Hühnerart jemals an den Klimawandel anpassen kann, bleibt abzuwarten, denn die Populationsdichte und die Anzahl an Nachkommen sind gering», so Hackländer.
Gams: Früher schneeverliebt, heute Schattensucherin. Um dem Hitzestress im Frühjahr und Sommer zu entkommen, ziehen viele Tiere aus den Berghöhen in tiefere Lagen, wo ihnen Wälder Schatten bieten.
Feldhase: Meister Lampe lebt ganzjährig oberirdisch und ist daher den Umweltbedingungen schonungslos ausgesetzt. Insbesondere nasskalte Frühjahrsmonate setzen den jungen Hasen zu. Auf der anderen Seite profitiert der Hase, der ursprünglich ein Steppentier ist, von den eher trockenen Sommern.
Kohlmeise: Ist bereits früh in Balzlaune. Die milden Temperaturen animieren sie zu einem verfrühten Brutgeschäft, so kann sie ihre Fortpflanzungschancen verbessern. «Das ist für Kohlmeisen ein Vorteil, aber für Zugvögel wie den Halsbandschnäpper ein Problem. Denn wenn er aus dem Winterquartier zurückkehrt, sind viele Nistplätze bereits besetzt», sagt Hackländer.
Wildschwein: Ein Meister aller Lebenslagen. Die ohnehin anpassungsfähigen Schweine finden in milden Wintern ausreichend Futter. Sogenannte Mastjahre liefern grosse Mengen fett- und proteinreicher Samen. Wildschweine gehören also zu den Gewinnern des Klimawandels.
Waldrapp: Vom Aussterben bedroht
In einem gross angelegten internationalen Projekt versuchen Artenschützer, den Ibisvogel zu retten. Der Beginn der Herbstmigration verschiebt sich aufgrund der warmen Temperaturen von Jahr zu Jahr weiter nach hinten. 2022 starteten die Waldrappe erst Ende Oktober. Ein plötzlicher Kälteeinbruch in den Alpen führte dazu, dass die Tiere die Berge nicht überfliegen konnten. Artenschützer mussten sie dieses Stück des Weges in Autos transportieren. Die steigenden Temperaturen sind eine grosse Herausforderung bei den Bemühungen, diese bedrohte Art dauerhaft zu schützen.
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