Padua: 76-Jähriger mit 455 geschützten Vögeln im Gefrierschrank festgenommen
Gegen den Mann bestand bereits ein Waffenverbot. Trotzdem stellten die Carabinieri ein Gewehr mit Schalldämpfer, über 3'200 Patronen und 21 elektronische Lockgeräte sicher.
Symbolbild. Foto: Pete Godfrey / Unsplash
Die Carabinieri haben in der Provinz Padua einen 76-jährigen Mann festgenommen, der in seinem Gefrierschrank 455 tote Vögel geschützter Arten aufbewahrte. Gegen ihn bestand bereits ein Verbot, Waffen und Munition zu besitzen. Trotzdem fanden die Ermittler ein nicht registriertes Gewehr mit Schalldämpfer, über 3’200 Patronen und 21 elektronische Lockgeräte. Ein Gericht in Padua hat die Festnahme bestätigt und Hausarrest angeordnet.
Bei der illegalen Vogeljagd gestellt
Der Mann aus Villafranca Padovana wurde in Limena nördlich von Padua bei der illegalen Vogeljagd kontrolliert. Beteiligt waren die Spezialeinheit SOARDA der Carabinieri, die Carabinieri Forestali der Provinz Padua und die CITES-Einheit aus Venedig, wie der Mattino di Padova und il Dolomiti am 7. November berichteten. Laut den Berichten verfügte er nicht über die erforderliche Erlaubnis zum Führen des Gewehrs. Zudem bestand gegen ihn bereits ein Verbot, Waffen und Munition zu besitzen.
Bei der anschliessenden Hausdurchsuchung beschlagnahmten die Carabinieri drei Gewehre, darunter zwei Luftgewehre und ein nicht registriertes Gewehr mit Schalldämpfer, dazu über 3’200 Patronen und mehr als ein Kilogramm Schiesspulver. Sichergestellt wurden auch 21 elektroakustische Lockgeräte mit Fernbedienung und 14 Leimruten. Im Gefrierschrank lagen 455 tote Vögel: 442 Wiesenpieper sowie zehn als Drosseln und drei als Stelzen bezeichnete Vögel. Ein Teil war bereits gerupft, die nichtmenschlichen Tiere waren vakuumverpackt und eingefroren. Auch Il Gazzettino und PadovaOggi berichten über den Fall.
Die Vorwürfe
Dem 76-Jährigen werden unter anderem illegaler Besitz von Waffen und Munition, Jagddiebstahl, die Tötung besonders geschützter Arten, der Einsatz verbotener Lockmittel und die Vogeljagd mit einer veränderten Waffe vorgeworfen. Der Vorwurf des Jagddiebstahls beruht darauf, dass Wildtiere in Italien als Eigentum des Staates gelten. Im Schnellverfahren hat das Gericht in Padua die Festnahme bestätigt und Hausarrest verfügt. Bis zu einem rechtskräftigen Urteil gilt die Unschuldsvermutung.
Kein Einzelfall in Italien
Wild beim Wild hat in den vergangenen Wochen über mehrere ähnliche Fälle berichtet. In Castel Volturno wurden sieben Hobby-Jäger mit Lockrufgeräten angezeigt. Im Parco del Ticino beschlagnahmte die Polizei 46 Schusswaffen, Schalldämpfer und Nachtsichtoptik. Und rund um Brescia landen jedes Jahr Tausende Singvögel in Netzen und Kochtöpfen.
Wiesenpieper ziehen im Herbst aus Mittel- und Nordeuropa in den Mittelmeerraum. Ob die beschlagnahmten Vögel durchziehende Zugvögel waren, geht aus den Berichten nicht hervor. Elektronische Lockgeräte imitieren den Ruf von Artgenossen und locken Vögel gezielt in Schussweite, weshalb ihr Einsatz verboten ist.
Einordnung: Ein Waffenverbot, das nicht durchgesetzt wurde
Der Fall fällt in die Debatte über eine Ausweitung der Hobby-Jagd in Italien, über die Wild beim Wild im Beitrag zum sogenannten «Sparatutto»-Gesetz berichtet hat. Bei dem 76-Jährigen bestand laut den Medienberichten bereits ein Waffen- und Munitionsbesitzverbot. Trotzdem soll er mit einem veränderten Gewehr und verbotenen Lockgeräten gejagt haben. Der Fall wirft deshalb insbesondere die Frage auf, wie bestehende Waffenverbote überwacht und durchgesetzt werden.
Weitere Fälle finden sich in der Rubrik Kriminalität & Jagd.
Mehr zum Thema Hobby-Jagd: Im Dossier Wilderei und Jagdkriminalität in der Schweiz dokumentieren wir Fälle, Rechtsfragen und wiederkehrende Muster. Was die Forschung dazu sagt, zeigt Jagd im Faktencheck: die Studienlage.
Die Position der IG Wild beim Wild: Die IG Wild beim Wild lehnt die Hobby-Jagd ab. Unser Vorbild ist der Kanton Genf, der seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt: ohne Jagdzeiten, ohne Jagdhunde, ohne Treibjagden, ohne Hochsitze, ohne die Tierquälerei und die Kriminalität, die anderswo zur Jagdsaison gehören. Was dort seit über fünfzig Jahren funktioniert, widerlegt jedes Positionspapier von JagdSchweiz. Ein Verband, der seine Politik auf Behauptungen stützt, die er in den eigenen Dokumenten widerlegt, ist keine Fachorganisation, sondern eine Fabrik für Fehlinformationen.
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