Kanadischer Staat verklagt wegen Untätigkeit im Klimabereich
Das Bundesberufungsgericht in Kanada gibt 15 jungen Umweltaktivistinnen und -aktivisten recht: Der Staat muss sich wegen Klimauntätigkeit vor Gericht verantworten.
Der kanadische Staat wird nun doch wegen Untätigkeit im Klimabereich vor Gericht gestellt, entschied die Justiz des Landes.
Das Bundesberufungsgericht gab einer Klage statt, die vor vier Jahren von einer Gruppe von 15 jungen Umweltaktivistinnen und Umweltaktivisten eingereicht worden war. Es befand, dass ein Prozess stattfinden müsse, um festzustellen, ob die Handlungen der Regierung des kanadischen Premierministers Justin Trudeau die Rechte der jungen Klagenden gemäss der kanadischen Charta der Rechte und Freiheiten verletzten, so ein am Donnerstag veröffentlichtes Urteil.
«Ohne jeden Zweifel wird die Last der Konsequenzen junge Kanadierinnen und Kanadier unverhältnismässig stark treffen», schreibt das Gericht in seiner Entscheidung. Es fügt hinzu, dass «der Klimawandel dramatische und schnelle Folgen für alle hat, insbesondere für indigene und nördliche Gemeinschaften».
Kanada erwärmt sich schneller
Im Oktober 2019 hatten 15 Jugendliche im Alter von 10 bis 19 Jahren Klage gegen die kanadische Bundesregierung eingereicht, die ihrer Meinung nach zur globalen Erwärmung beiträgt, weil sie keinen ehrgeizigen Plan zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen umsetzt.
Im Oktober 2020 hatte ein Richter des Bundesgerichts ihre Klage zunächst abgewiesen, eine Entscheidung, die am Mittwoch vom Bundesberufungsgericht für ungültig erklärt wurde. «Es ist das Mindeste, was man tun kann, um ein Verfahren zu bekommen, um zu diskutieren, was eine existenzielle Bedrohung ist», reagierte Albert Lalonde, einer der Klagenden, ein heute 21-jähriger Umweltaktivist. Der Jurastudent hält es für «hoffnungslos, dass wir vier Jahre warten mussten», um in diese Phase des Verfahrens zu gelangen.
Klimaklagen weltweit
Weltweit gab es zahlreiche Gerichtsverfahren, um die Regierungen zu zwingen, etwas gegen die Klimakrise zu unternehmen, zum Beispiel in Deutschland, den Niederlanden oder Frankreich.
Kanada, das sich aufgrund seiner geografischen Lage schneller erwärmt als der Rest der Welt, hat in den letzten Jahren mit extremen Wetterereignissen zu kämpfen, die durch die globale Erwärmung an Intensität und Häufigkeit zunehmen. Das Land erlebte in diesem Jahr eine rekordverdächtige Waldbrandsaison, bei der 18,5 Millionen Hektar in Rauch aufgingen.
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