27. Juni 2026, 06:49

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Hobby-Jäger als Umweltpädagogen: Italiens Tierschutzverbände schlagen Alarm

In Macerata installierten Federcaccia-Vertreter mit Schulkindern Nistkästen für Wildvögel – fünf Umwelt- und Tierschutzverbände fordern, dass Umweltbildung Fachleuten überlassen bleibt, nicht der Hobby-Jagd-Lobby.

Redaktion Wild beim Wild — 27. Juni 2026

An drei Primarschulen in Macerata, den Schulen «Anna Frank», «Fratelli Cervi» und «Salvo d’Acquisto», haben im Juni 2026 Vertreter der Federcaccia, des Hobby-Jagdverbandes der Provinz, gemeinsam mit Schulkindern künstliche Nistkästen für Wildvögel installiert.

Was die Federcaccia als Umweltbildung inszenierte, löste bei fünf grossen Tierschutz- und Umweltorganisationen entschiedenen Widerspruch aus.

Wer protestiert

Die Lipu-Sektionen Macerata und Civitanova, die LAV Macerata, der WWF Ancona-Macerata sowie ENPA Macerata und OIPA Italia haben eine gemeinsame Stellungnahme veröffentlicht. Ihr Einwand richtet sich nicht gegen die Nistkasten-Aktion als solche, sondern gegen die Rolle, in der die Federcaccia dabei auftrat: als angebliche Umweltpädagogen.

Die Verbände fragen öffentlich, wie Personen, die «häufig eine Waffe in die Hand nehmen, um in die Natur zu gehen», Kindern glaubwürdig Respekt vor Tieren und Umwelt vermitteln sollen. Diese Frage hat keine höfliche Antwort.

Umweltbildung braucht Fachkompetenz

Die fünf Organisationen betonen, Umweltbildung sei ein zentrales Instrument zur Ausbildung aufgeklärter, naturrespektierender Bürgerinnen und Bürger. Eben deshalb müsse sie «vorrangig» Akteuren mit ausgewiesener naturkundlicher, wissenschaftlicher und pädagogischer Kompetenz überlassen werden: Menschen, die Biodiversität und ökologische Zusammenhänge aus Forschung und Schutzarbeit kennen, nicht aus Abschussstatistiken.

Dabei weisen die Verbände auch auf konkrete fachliche Anforderungen beim Bau und der Installation von Nistkästen hin. Dimensionen, Flugloch, Ausrichtung und Platzierung müssen klaren ornithologischen Kriterien folgen, um Störungen zu minimieren und Prädation zu verhindern. Ein zu grosses Einflugloch macht das Nest für Nesträuber zugänglich; eine falsche Positionierung erleichtert Beutegreiferarten wie Katzen oder Füchsen den Zugang zu Nestlingen. Wer Natur schützen will, braucht Fachwissen, nicht einen Waffenschein.

Die Verbände fordern Schulen und öffentliche Stellen deshalb auf, die Zusammenarbeit mit Organisationen zu suchen, die sich tatsächlich dem Naturschutz, der Forschung und der Umweltbildung widmen. Nur so entstehe bei Kindern ein Zugang zur Wildtierwelt, der auf Respekt und Kenntnis ökologischer Gleichgewichte gründet, nicht auf Hobby-Jagd-Narrativen.

Lokaler Fall, nationale Dimension

Die Verbände betten den Vorfall in Macerata ausdrücklich in die laufende nationale Debatte um den Jagd-Gesetzentwurf DDL 1552 ein, den die Zivilgesellschaft «Sparatutto» («Alles abschiessen») nennt. Der Entwurf sieht weitreichende Änderungen der geltenden Jagdgesetzgebung (Legge 157/1992) vor, die bislang auch den Schutz wildlebender Tiere regelt, und wird von Umwelt- und Tierschutzorganisationen als massiver Angriff auf den Wildtierschutz kritisiert.

Gerade in diesem Moment, so die Verbände, sei es «von besonderer Bedeutung», bei den jüngsten Generationen eine Kultur des Naturschutzes aufzubauen, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und dem Schutz des gemeinsamen Naturerbes beruht.

Ein Muster, das auch die Schweiz kennt

Das Muster ist nicht auf Italien beschränkt. Die IG Wild beim Wild kämpft seit Jahren gegen die Infiltration von Schulen durch die Hobby-Jagd-Lobby: mit der Kampagne «Nein zum Unterricht durch Hobby-Jäger in Schulen» (seit 2023) und der Petition gegen die Beteiligung von Minderjährigen an der Hobby-Jagd, die sich auf den UN-Kinderrechtsausschuss stützt. Auch in der Schweiz und in Deutschland suchen Hobby-Jagd-Verbände gesellschaftliche Legitimation durch den Auftritt als Naturschützer: in Bildungseinrichtungen, bei Naturschutzprojekten, in der Öffentlichkeitsarbeit. Das Ziel ist ein Image, das mit der Realität des Freizeitabschusses von Wildtieren wenig zu tun hat.

Wildtierschutz und Hobby-Jagd sind keine komplementären Tätigkeiten. Sie stehen im Widerspruch zueinander. Wer Kindern erklären möchte, wie Vögel leben, nisten und welche ökologischen Bedingungen dafür nötig sind, sollte kein Interesse daran haben, diese Vögel anschliessend abzuschiessen. Umweltbildung, die diesen Namen verdient, ist kein Imagefeld für die Psychologie der Hobby-Jagd.

Die Tierschutzverbände in Macerata haben das klar ausgesprochen. Es wäre zu wünschen, dass Schulbehörden in Italien, der Schweiz und anderswo hinhören.

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